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DER NAME DER ÜBER JEDEN NAMEN IST




INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung: Der Glaube an Jesus Christus

  
1. DER NAME JESU CHRISTI
  2. UNSER HEILAND
  3. DER SOHN DES MENSCHEN
  4. DAS LAMM GOTTES
  5. DER BEFREIER
  6. DER SOHN GOTTES
  7. DER MITTLER ZWISCHEN GOTT UND MENSCHEN
  8. DER GUTE HIRTE
  9. DER WAHRE DIENER
10. DAS FLEISCHGEWORDENE WORT
11. DAS LICHT DER WELT
12. DAS EWIGE LEBEN
13. DAS BROT DES LEBENS
14. DAS BILD DES UNSICHTBAREN GOTTES
15. DER SOHN DAVIDS, DER MESSIAS
16. DER HOHEPRIESTER
17. DER SACHWALTER BEI DEM VATER
18. DER HERR
19. DAS HAUPT DER VERSAMMLUNG
20. DER KÖNIG DER KÖNIGE
21. DER RICHTER
22. DER BRÄUTIGAM



Einleitung: der Glaube an Jesus Christus

Wohl nie hat ein höher un schöner Gegenstand, eine von Menschen-hand geführte Feder in Bewegung gesetzt, wie derjenige unseres Buches. Kann je ein Sterblicher zum Ausdruck bringen, was in dem kostbaren Namen Jesu Christi verborgen liegt? Als Antwort auf Seine unendliche Liebe beginnen die Erlösten hienieden den Ewigen Lobgesang zu Seiner Ehre, und bald werden Himmel und Erde von ihrem Jubel ertönen. Erst wenn wir in stummer Bewunderung vor Ihm niederknien und unsere Kronen vor Seine Füsse werfen, werden wir Ihn erkennen, wie wir von Ihm gekannt sind. In diesem Geiste der Anbetung allein können wir Ihm nahen im Heiligtum und über Seine Herrlichkeit reden. Ob-wohl uns der Heilige Geist dazu anleitet, vermögen wir uns hienieden nur unvoll-kommen auszudrücken. Der Schöpfer Him-mels und der Erde hat Seine ewige Ratschlüsse in der Heiligen Schrift niedergelegt, und alle Gedanken Gottes vereinigen sich in der Person und in dem Werke Seines Sohnes Jesu Christi. Nicht jedermann kann die herrliche Schönheit des Sohnes Gottes bewun-dern, denn dazu ist ein persönlicher und lebendi-ger Glaube not-wendig. Laßt uns deshalb zunächst einen Augenblick der unschatzbaren Gabe des Glaubens unsere Aufmerksamkeit schenken. Der erhabenste Gegenstand unseres Glaubens ist die Person des Herrn Jesu Christi, des Sohnes Gottes. Gott hat Seinen köstlichsten Schatz gegeben zur Errettung des elendesten Wesens auf Erden: des verlorenen Sünders. Gottes Werk und Verlangen ist, daß wir an Ihn, Christus, glauben. Was heißt das, an Christus glauben?

An die Fähigkeit eines Arztes glauben heißt, sich seinen Händen anzu-vertrauen in der Gewißheit, daß er die Gesundheit wieder herstellen kann. Der Glaube an den Herrn Jesus geht über dies: Es ist das Vertrau-en auf Ihn für Leib und Seele, für Zeit und Ewigkeit, um Seine Hilfe zu erwarten für all unsere Bedürfnisse. Christus will alles für uns sein: Der Sohn Gottes, Erretter von Sünden, Brot des Lebens, Hirte und Lehrer, Licht der Welt. An Ihn glauben schließt in sich, daß wir Ihn in der Fülle Seines herrlichen Namens persönlich annehmen. Der Glaube an den Herrn Jesus als Heiland verleiht uns die Gewißheit, daß Er alle unsere Sünden auf dem Kreuze getragen hat. "Der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und Sein Le-ben zu geben als Lösegeld für viele" (Matth. 20, 28). Der Glaube an Christus sagt uns, daß wir befreit sind von der Macht Satans, der Welt, der Sünde und des Gesetzes. Er kann sagen: "Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein" (Joh. 8, 36).

Er bietet sich auch als vollkommener Lehrer an. "Glaubst du nicht, daß ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich euch rede, rede ich nicht von mir selbst; der Vater aber, der in mir bleibt, er tut die Werke" (Joh. 14, 10). Wer an Ihn glaubt, nimmt Seine Lehre als unfehlbar an und lässt sich in der Schule Christi erziehen. Und wenn Jesus Christus sich uns als "Herr" vor-stellt, dann beansprucht Er unsere Unterwürfigkeit unter Seinem Willen; "Ihr heisset mich Lehrer und Herr, und ihr saget recht, denn ich bin es" (Joh. 13, 13). Wer an Ihn glaubt, setzt seinen ei-genen Willen beiseite und fragt wie Paulus: "Was soll ich tun, Herr?" (Apostelg. 22, 10). Um alles in Christus zu besitzen, müssen wir Ihn kennen, wie die Schriften uns Ihn zeigen. "Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und ihr seid vollen-det in ihm" (Kol. 2, 9-10).

1. DER NAME JESU CHRISTI

Unser Name unterscheidet uns von anderen Personen, während ein Titel unsre Arbeit oder unsern Stand bezeichnet. Wenn Gott je-mand einen Namen schenkt, so steht dies in direkter Beziehung zu seiner Persön-lichkeit, zu seinem Charakter, wie Gott ihn sieht.

Jesus ist ein Name, Erretter ein Titel. Nach der Schrift ist "Sohn Gottes" ein Name, der ausdrückt, was Er von Ewigkeit ist. Seine Titel deuten an, was Er für uns getan hat und noch für uns tut. Ein Beweis, daß ein Name den Charakter einer Person darstellt, ist die Tatsache, daß Gott die Na-men von verschiedenen Glaubensmän-nern imfolge einer Sinnesände-rung in ihrem Leben geändert hat. So erhielt Abram den Namen Abraham, Sarai den Namen Sarah, Jakob wurde Israel, Saulus von Tar-sus wurde ein Paulus und Simon Bar Jona wurde Petrus genannt. Nur wenn man jemand persönlich kennt, kann man ihn bei seinem Namen nennen: Den Namen Jesu Christi anrufen, bedeutet, öffentlich zu beken-nen, daß man Ihn persönlich kennt. Sein Name spricht von Heiligkeit, Kraft, Weisheit und Liebe; "Man nennt seinen Namen: Wunderbarer, Berater, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Friedefürst" (Jesaja 9, 6). "Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm einen Namen gege-ben, der über jeden Namen ist, auf daß in dem Namen Jesu jedes knie sich beuge . . ." (Phil. 2, 9-11).

Das Heil durch den Namen des Christus

"Es ist in keinem anderen das Heil, denn auch kein anderer Name ist unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in welchem wir errettet werden müssen". (Apostelg. 4, 12) "Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingebore-nen Sohnes Gottes" (Joh. 3, 18). In dem Namen Jesu liegt die Un-endlichkeit der Liebe und Gnade verborgen, die sich in Gottes Vaterherzen befindet. Er ist die Offenba-rung der Liebe Gottes, denn Er ist der eingeborene Sohn im Schosse des Vaters, der ewige Wohnplatz von Liebe und Wohl-gefallen. Aber in dem Namen Jesus oder "Jehova ist Retter" liegt auch Sein ganzes Werk ver-borgen: Sein versöhnendes Sterben am Kreuze von Golgatha. So drückt Sein Name den ganzen Heilsweg aus und wird der Gegenstand des Glaubens, der selig macht.

Das Zusammenkommen im Namen Jesu

"Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte" (Matth. 18, 20). "Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit" (2. Tim. 2, 19). Die köstliche Ver-heissung der Gegenwart des Herrn ist verbunden mit dem Zusammen-kommen von zwei oder drei in Seinem Namen. Der Herr drückt das Siegel Seines Wohlgefallens auf die kleinste Ver-sammlung von Personen, wenn nur ihre Verbundenheit mit Seinem herrlichen Namen treu ver-wirklicht wird. Bedürfen wir etwas Besseres, als die Gegenwart des Herrn in unserer Mitte? Der Name des Herrn ist genügend, um in allen Zeiten die wahre Gemeinde Gottes zu kennzeichen. Was diese zwei oder drei beschließen im Namen des Herrn wird von Ihm als im Himmel ge-bunden be-trachtet. Sein Name gibt die Vollmacht für ihre Beschlüsse und Entschiedungen, beson-ders in Bezug auf die Gemeinschaft am Tische des Herrn. Die Ehrfurcht vor Seiner gegenwart schliesst allen eigenen Willen aus.

Das Gebet im Namen des Herrn

"Wenn ihr etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun" (Joh. 14, 10). "Und dies ist die Zuversicht, die wir zu Ihm ha-ben, daß, wenn wir etwas nach seinen Willen bitten, er uns hört" (1 Joh. 5, 14). Das Gebet ist ein Bedürfnis für alle Gläubigen. Arm, schwach und hilflos wie wir sind, ist das Gebet der Ausdruck un-serer Abhängigkeit von Dem, zu Dem wir uns wenden. Unsere Bedürfnisse drängen uns zu Gottes Gnadenthron, und der name Jesus ist unsere Bürgschaft, um in die Gegenwart Gottes zu treten. Unsere Augen sind auf Christus gerichtet. In Seinem Namen, d.h. in allem, was Er für den Vater ist, er-scheinen wir in Seinem Heiligtum und können dort der Gunst Gottes sicher sein. Wenn ich einer Bank einen Scheck vorweise, so fordere ich seinen Wert im Namen dessen, der ihn unterzeichnet hat. So will Christus unsere Bitten, die wir zum Vater senden, gleichsam unter-zeichnen. Gott will auf alle unsere Bitten antworten, denn es ist die Freude Seines Herzens, Seinen Sohn zu verherrlichen. "Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun"; die Verheissung ist gewiss und ohne Einschränkung. Sein Name, der Ausdruck Seines Charakters, ist auch der Ausdruck Seines Willens, und so ist das Gebet in Seinem Namen auch das Gebet nach Seinem Willen. Seinen Willen finden wir in Gottes Wort. Wir müssen den Vater um die Dinge bitten, die Jesus Christus von Seinem Vater erbat, zur Verwirkli-chung Seiner ewigen Liebes-ratschlüsse.

Der Name "Jesus"

Die Heilige Schrift ist sehr genau im Gebrauch der Namen und Titel des Herrn. Der Name Jesus, "Jehova ist Retter", wird vor allem verwendet in Verbindung mit Seiner Erniedrigung und Seinem menschlichen Leben hienieden. Er wurde "Jesus" von Nazareth" genannt. In der Beschreibung Seiner irdischen Laufbahn in den vier Evangelien wird der Name "Jesus" 566 Mal genannt, während wir den "Christus" allein nur 36 Mal verfin-den.

Der Name "Jesus" steht nicht nur in Verbindung mit Seiner Ernie-drigung, sondern auch mit Seiner Erhöhung (Phil. 2, 10); denn diese Erhöhung ist die göttliche Antwort auf Seine Erniedrigung. Dieser Name über jeden Namen wird im Hebräerbrief in Verbin-dung gebracht mit Seiner Herrlichkeit und Seinem hohenpriester-lichen Dienst. Unter dem Namen "Jesus" wird Er uns in diesem Brief vorgestellt als der verherr-lichte Mensch (Kap. 2, 9), als Apostel und Hoherpriester unseres Bekent-nisses (Kap. 3, 1), als Vorläufer (Kap. 6, 20), als Bürge (Kap. 7, 22), als Anfänger und Vollender des Glaubens, (Kap. 13, 2), als Mittler (Kap. 12, 24), und als Der, welcher heiligt (Kap. 13, 12).

Der Name Christus

Die buchstäbliche Bedeutung dieses Namens ist "Der Gesalbte". Während Seines irdischen Lebens war "Christus" Sein Name, gleichbe-deutend der "Messias" Israels, hingegen erkennen wir, daß durch Seine Erhöhung Sein Name "Jesus Christus" genannt wird. In den Evangelien haben wir Christus persönlich, wie Er von Gott gesalbt und gesandt war. In der Apostelgeschichte kündigen uns die Apostel offiziell an, daß Jesus der Christus ist (Apostelg. 5, 42). In den Briefen finden wir Christus als das verherrlichte Haupt des Leibes, der Versammlung. Die Gläubigen, die Glieder, werden in ihrer Gesamtheit "der Christus" genannt (1 Kor. 12, 12), und in dem Brief an die Epheser werden die Gläubigen "in Christus" ge-sehen. Christus ist die Quelle ihres Lebens und all ihrer Segnun-gen. Sodann sehen wir, daß "Christus in uns" ist. Durch die göttliche Salbung waren alle himmlischen Segnungen in Ihm vereinigt. Daher besitzen alle, die in Christus sind, in Ihm ein un-begrenztes Maß von Liebe, Friede, Freude, Licht und Kraft, weil Christus dies alles in un-begrenztem Maße besitzt und wir mit Ihm verbunden sind. Dies findet seine Verwirklichung in unserer Ge-meinschaft mit Ihm.

Die Titel des Herrn erhöhen die Herrlichkeit Seines Namens

Die Titel Jesu Christi, wie sie in diesen Betrachtungen beschrieben sind, drücken verschiedene Herrlichkeiten aus, die mit dem Namen Jesu Christi verbunden sind. Jede Titel ist ein Juwel in Seiner Krone.  Mögen unsere Herzen zur Betrachtung Seiner Herrlichkeit ermuntert werden, wenn wir in Anbetung diese Ehrentitel wieder-holen; denn in dieser Be-trachtung liegt das Geheimnis allen geistli-chen Wachstums. "Wir alle aber, mit aufgedeckten Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschau-end, werden verwandelt nach demselben Bilde von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn den Geist." (2 Kor. 3, 18).

2.  UNSER HEILAND

Kein Name ist süßer für Ohr und Herz der Erlösten als der Name Jesus, welcher bedeutet: "Jehova ist Retter"! Nichts läßt unsere Herzen von tieferer Dankbarkeit entflammen als dieser wunder-bare Name, der zu uns von Dem redet, Der  uns vom Feuer und Schwefelsee errettet hat. Sein Titel "Mittler" spricht zu uns von Versöhnung zweier Parteien, die miteinander uneins waren, und erinnert uns daran, das Gott in Gnaden die Welt mit Ihm selber versöhnend war. Als Befreier hat Er uns frei gemacht von der Knechtschaft des Ueberwältigers Satan. Aber der Name "Erretter" oder "Heiland" erinnert uns daran, daß wir wie Brandscheite aus dem Feurerofen gezogen, daß wir aus schrecklicher Gefahr in Si-cherheit gebracht und Teilhaber einer ewigen, vollgültigen Erlö-sung geworden sind. Die Sprache der Eskimos ist besonders reich an Aus-drücken die auf die Rettung aus verschiedenen Gefahren Bezug haben. Ein Missionar besuchte einmal einen Eskimo mit dem Wunsche, den besten Ausdruck zu finden für das Wort "Heiland". Er nannte eine Reihe von Wörtern, und beim siebenten Wort gab ihm der Eskimo folgende Erklärung: "Ein Mann ist von einem Schiffe in das Meer gefallen. Nie-mand hat es bemerkt; das Meer ist unermeßlich und kein Schiff ist am Horizont sichtbar. In dem Augenblick, wo alle Hoffnung verloren zu sein scheint, steigt eine geheimnisvolle Hand vom Himmel herab und bringt ihn zu einem reichen Palast wo alles für seiner Erholung bereit ist, und dort be-ginnt er ein Leben in Reichtum und Überfluß". Einen solchen Heiland besitzen wir, lieber Leser; nicht als ein Produkt der Ein-bil-dung, sondern als eine göttliche Person, die auf die Erde gekom-men ist, um uns aus einer wirklichen und schrecklichen Gefahr zu erretten und uns danach zur Herrlichkeit und ewigen Glückselig-keit zu führen. Die Schrift offenbart uns unser Heil in mehreren Bildern von Glaubensmännern die aus Todesgefahren befreit wor-den sind, wie z.B. Noah. Gott hat ihn zu einem Denkmal Seiner Barmherzigkeit gemacht, als Er ihm das Mittel zeigte, das ihn vor den Wassern der Sintflut be-wahren sollte. "Denn ich, siehe, ich bringe die Wasserflut über die Erde, um alles Fleisch... zu verder-ben..., alles, was auf der Erde ist, soll ver-scheiden" (1. Mose 6, 17). "Gehe in die Arche, du und dein ganzes Haus" (1. Mose 7, 1). "Durch Glauben bereitete Noah, als er einen götttlichen Ausspruch über das, was noch nicht zu sehen war, empfan-gen hatte, von Furcht bewegt, eine Arche zur Rettung seines Hauses, durch welche er die Welt verurteilte und Erbe der Gerechtigkeit wurde, die nach dem Glauben ist" (Hebr. 11, 7).

Um den Wert unserer Errettung zu schätzen, müssen wir zuerst davon überzeugt sein, welchen schrecklichen Charakter das Gericht trägt, das sich für diese Welt vorbereitet, die ihren Erlöser verworfen hat. Un-ablässig warnt Gottes Stimme die Welt, die wie ein breiter und dunkler Strom dem ewigen Verderben entgegeneilt.

Jesus errettet vom kommenden Gericht

"Jetzt ist das Gericht dieser Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden" (Joh. 12, 31). "Jesus, der uns errettet von dem kommenden Zorn" (1. Thess. 1, 10). Die Welt ist verurteilt, weil sie den Herrn der Herrlichkeit gekreuzigt hat, und ihre Ver-nichtung ist nahe. Die Errettung durch den Glauben an Christum ist die Sicherung gegen den kommenden Zorn. So warnte der Apostel Paulus die Bewohner Athens, als er auf dem Aeropag stand, und den Götzen-dienern dieser  Weltstadt zurief:

"Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, daß sie alle allenthalben Buße tun sollen, weil er einen Tag gesetzt hat, an welchem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu be-stimmt hat, und hat allen den Beweis davon gegeben, indem er ihn auferweckt hat aus den Toten" (Apostelg. 17, 30-31). Bald wird die Gnadentür verschlossen und der Herr wird kommen, um die Erlösten zu sich zu nehmen. Für die, die dann auf dieser Erde ge-blieben sind, wird ein schreckliches Gericht hereinbrechen; denn Christus wird Rache üben über die Ihm feindliche Welt. "Bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel, mit den Engeln seiner Macht, in flammenden Feuer, wenn er Vergeltung gibt denen, die Gott nicht kennen, und denen, die dem Evangelium un-seres Herrn Jesus Christus nicht gehorchen; welche Strafe leiden wer-den, ewi-ges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichtkeit seiner Strärke" (2. Thess. 1, 7-9).

Die Menschen spotten über das Gericht

Als Noah die Sintflut ankündigte, verlachten ihn die Menschen, aber die Sintflut kam und nahm sie alle hinweg. In den Tagen Lots verharrten die Leute von Sodom und Gomorrha in ihren groben Sünden, bis Gott Feuer und Schwefel vom Himmel auf die Stadt regnen ließ, und die beiden Städte vernichtete. Heute steht eine weit größere Gefahr nahe bevor. "Es wird aber der Tag des Herrn kom-men wie ein Dieb, an welchem die Himmel vergehen werden mit gewaltigem Geräusch, die Elemente aber im Brande werden auf-gelöst, und die Erde und die Werke auf iht ver-brannt werden"  (2. Petri 3, 10).

Das ist die fuchtbare Gefahr, in der sich alle Bewohner der Erde befin-den, wenn sie nicht durch den Glauben an den Heiland, wie ein Brand-scheit aus dem feuer, gerettet werden. In den Tagen Jeremias achteten die Bewohner Jerusalems nicht auf den Prophe-ten, der da ankündigte, daß die Chaldäer unter Nebukadnezar kommen würden, um das Land zu überwaltigen, Jerusalem zu einem Trümmerhaufen und den Tempel zu einer Ruine zu machen. Auch in den Tagen Jesu Christi glaubten die Juden den Voraussa-gungen Jesu nicht, nach welchen die Mauern Jeru-salems dem Erd-bodem gleich gemacht werden sollten. Aber die Geschichte legt über die genaue Erfüllung Seiner Weissagungen Zeugnis ab. Die römischen Heerscharen unter Titus und Vespasianus haben das Werk der Zerstörung vollbracht. Der sichere Beweis des kommen-den Gerichts ist die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, eine Tatsache, die niemand leugnen kann, ohne das Wort Gottes beiseite zu setzen.

Retter  oder Richter

Jesus Christus ist gekommen, zu suchen und zu erretten was verlo-ren war. Aber Er wird zum zweiten Male erscheinen, um Gericht auszuüben. Nur die Erlösten, die durch den Glauben an den Heiland vom kommenden Zorn errettet sind, entrinnen dem grossen weissen Thron, und bleiben vom Feuer- und Schwefelsee verschont. Der Tag naht, an dem alle unbekehrte Sünder vor dem Angesichte Dessen zu erscheinen haben, Der die Toten richten wird. Von diesen Elenden, die in ihren Unglauben gestorben sind, steht geschrieben: "Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewig-keit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht." (Offenb. 14:11).

Christus hat am Kreuze von Golgatha für uns gelitten, um uns vor dem Gericht eines Heiligen Gottes, dem Gericht über die Sünde, zu bewah-ren. Dort hat Gott das Gericht über Ihn vollzogen, dort sind die Wellen des Zornes Gottes über Sein Haupt gegangen. Was wirst du mit einem solchen Heiland tun, lieber Leser? Wenn er jetzt nicht dein Retter wird, wird Er bald dein Richter werden. Von deiner Wahl hängt dein ewiges Schicksal ab. Du wirst ewige Freude in Herrlichkeit erben, oder ewiges Verderben und die Schrecken einer endlosen Nacht ferne von Gottes Angesicht. Willst du nicht heute noch Seine Retterhand ergreifen?

Ein Retter, der sich selbst nicht rettete

Lasst uns Ihn betrachten, wie Er da am Fluchholze hängt, zwischen zwei Uebeltätern. Die Hohenpriester, die Ihn zusammen mit den Schriftge-lehrten verspotteten, sagten: "Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Der Christus, der König Israels, steige jetzt herab vom Kreuze, aus daß wir sehen und glauben. Auch die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn" (Markus 15, 31-32). Die Juden rühmten sich, ihren Zweck erreicht zu haben. Der Mensch, von Satan verführt, glaubte, sich Gottes entledigt zu ha-ben, da Seine Gegenwart ihn hin-derte. Sie schüttelten ihre Köpfe und sagten: "Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht ret-ten". Nichts offenbart deutlicher als diese Worte, wie schrecklich die Sünde des Menschen ist. Alle waren ge-zwungen anzuerkennen, daß Christus während Seines Lebens hienieden Seine göttliche Kraft durch allerlei Zeichen und Wunder geoffenbart hatte, ganz besonders durch die Auferweckung von Toten. Obwohl sie beken-nen, Zeugen dieser Kraft gewesen zu sein, verwerfen sie Gott, Der die Quelle derselben war. Wie unendlich war die Liebe Gottes in Chris-tus! Er opferte sich freiwillig, und konnte nicht an sich selbst denken; dieselbe Liebe, die andere von ihren irdischen Leiden er-löst hatte, ging nun weiter und gab sich selbst für uns in den Tod. Für den Glauben verwandelt sich diese schreckliche Schmähung in Lob. Es bestand keine physische, wohl eine moralische Unmöglich-keit. Die Schriftgelehrten wollten sagen, daß Er nicht vom Kreuze steigen könne, weil die Henker ihre traurige Arbeit zu gut voll-bracht hätten, indem die Nägel, die sie durch Seine Hände und Füsse bohrten, zu fest hielten. Aber wenn es Christi Wille gewesen wäre, vom Kreuze herabzusteigen, so hätten Ihn alle Nägel und Stricke Jerusalems nicht am Kreuze halten können. Was waren Nägel und Stricke für Den, Der durch ein Wort Seines Mundes den Sturm beruhigen konnte? Nein, es war Seine Liebe zu den Sündern, die sich freiwillig zum Opfer gab. Niemand nahm Ihm Sein Leben. Er gab es von sich selbst. Die vollkommene Liebe zu Seinem Vater, der Ge-horsam Seinen Geboten gegenüber, Seine vollkommene Liebe zu uns, waren die Ursache, daß Er sich nicht selbst rettete. Er hätte die Hilfe von 12 Legionen von Engeln beanspruchen können, um sich vom Kreuz frei zu machen, aber Er brauchte sie nicht, denn Er war gekommen, um an-dere, nicht um sich selbst zu retten. Da Er die Seinigen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte Er sie bis ans Ende. Seine Liebe und Sein Ge-horsam waren vollkom-men. Es gab nur einen Weg, um andere zu er-retten, und von die-sem Wege wich Er um keine Haaresbreite ab.

Ein Artzt wurde einst gerufen, Cholerakranke zu pflegen. Um die andere zu retten, hat er sich der Gefahr preisgegeben, selber von dieser furchtbaren Krankheit erfasst zu werden. Ohne Furcht er-füllte er seine Aufgabe und im Alter von 32 Jahren wurde er selbst von dieser schweren Krankheit dahingerafft. Sicher hatte er bis zum Ende die Hoffnung, diesem Schicksal zu entrinnen. Das Opfer seines Lebens war nicht vollkommen freiwillig. Aber Christus hatte nicht den Wunsch, dem Tode zu entgehen. Er hat den Kelch aus den Händen Seines Vaters genommen und war entschlossen, ihn bis auf den Grund zu leeren. Er wusste, daß Er sterben musste zur Errettung von Sündern und Er starb ganz freiwillig.

Der Heiland von Gott verlassen

"Als es aber die Sechste Stunde war, kam eine Finsternis über das ganze Land, bis zur neunten Stunde; und zur neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme und sagte: Eloi, Eloi, lama sabach-thani? Was verdol-metscht ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Markus 15, 33-34).

Nachdem Jesus den Spott der Menschen während der drei schweren Leidensstunden am Kreuze erduldet hat, lässt Gott die Finsternis auf die Erde kommen, und die Menschen ziehen sich zurück. Jesus ist nun allein mit Gott, und während dieser drei Stunden der Finsternis wurde das Erlösungswerk vollbracht. Er wird für uns zur Sünde gemacht. Er empfängt die Schläge der Gerechtigkeit Gottes; nichts kann sie abwen-den, noch mildern. Während Seines ganzen Lebens hat Er die völlige Gemeinschaft mit Gott genossen, aber nun muss Er auch diese Stütze verlieren.

Da die Liebe des Vaters Sein Element war, wie gross muss da Sein Gefühl des Abscheus gegen diese Stunde gewesen sein, in der der Fluch auf Ihn fiel; denn Er war heilig, rein und unbefleckt. Welches menschliche Wesen kann die innerlichen Leiden des Christus während der drei dunklen Stunden des Kreuzes ermessen? Er trank den bitteren Kelch des Gerichtes Gottes über die Sünde. Sein unermessliches Leiden, die Last der Sünde der Welt, die Ent-fernung von einem heiligen Gott, der kei-nerlei Verbindung mit der Sünde dulden kann, das alles zwingt Ihn zu dem Ausruf: "Mein, Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?" Durch Glauben hören wir diesen Ausruf, auf dass wir wissen mögen, was dort geschah: Das Werk der Erlösung! Er wurde für uns zur Sünde ge-macht, auf dass wir Gottes Gerechtigkeit würden in Ihm. So hat Er das Gericht und den Zorn Gottes von Allen abgewandt, die an Ihn, den Ret-ter, glauben. Nach diesem Ausruf weicht die Finsternis Seiner Seele und er kann sagen: "Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist". Und als Er dies gesagt hatte, verschied Er. Alles ist vollbracht, und wir haben nur die gesegneten Folgen Seines Todes anzunehmen. Gnade und Verge-bung können nun allen Menschen frei verkündet werden. Das ewige Leben wird einem Jeden, der da glaubt, umsonst gegeben.

3.  DER SOHN DES MENSCHEN

Das Zeugnis, das die Schriften über die vollkommene und heilige Menscheit des Herrn Jesus ablegen, ist von grundlegender Bedeu-tung. Christus war ein wahrhaftiger Mensch, geboren von einem Weibe, wie wir, obschon der Ursprung Seines Daseins und die Art und Weise wie Er empfangen wurde, von der unsrigen vollkom-men verschieden ist. Be-sonders im Evangelium von Lukas wird uns der Herr als der Sohn des Menschen vorgestellt.

Die Geburt des Herrn Jesu

Das Geheimnis der Fleischwerdung soll der Gegenstand unserer Anbe-tung bleiben und nicht der Gegenstand unserer Vernunft-schlüsse wer-den. Selbst die Bildung eines gewöhnlichen Kindes im Mutterschoss ist ein Geheimnis, wieviel mehr die Bildung des Lei-bes Jesu in dem Schoss der Jungfrau Maria. Ihre Empfängnis ist ein Wunder, gewirkt vom Heiligen Geiste: "Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschat-ten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden". (Lukas 1:26-38, 2:6-7) Das Betragen Jo-seph's ist ein Wunder heiliger Ehrfurcht und Glaubensgehorsam, während Maria durch nichts der Schmach der Welt ausgesetzt wird. Der Engel des Herrn kündigt das Kommen des Erstge-borenen in Seine eigne Schöpfung an, und beruhigt die Befürchtungen Jo-sephs, sodass er Maria zu sich nimmt. Matthäus erzählt uns wie das Leben von Jesus hienieden anfing. Er war der vollkommene Mensch vor Gott, der Mensch ohne Sünde, der Mensch nach dem Herzen Gottes, in dem die Fülle der Gottheit leibhaftig wohnte. Jesus ist von einem Weibe und unter Gesetz geboren. Er ist Imma-nuel, Gott  mit uns, Sohn des Al-lerhöchsten. Gott und Mensch waren in Ihm in einer Person vereinigt. Seine unbefleckte Geburt ist ein grosses Geheimnis. Maria war als Jungfrau ganz unbekannt unter den Grossen dieser Welt. Verlobt mit einem einfachen Zim-mermann, wurde sie die Mutter des Heilandes der Welt. Dazu war Maria ein auserwähltes Gefäss, nachdem sie Gnade ge-funden hatte in den Augen Gottes; wie der Engel es gesagt hatte: sie war begün-stigt von der höchste Gnade und sie war gesegnet unter den Wei-bern. Der Herr Jesus wurde geboren als ein wirkliches Kind durch die Kraft des Heiligen Geistes im Schosse Marias empfangen, und auf dem von Gott festgesetzten Zeitpunkt geboren, für die menschliche Natur gebärt. Er sollte "groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden". Bevor die Welt war, war Er der Sohn des Vaters; als Kind von einem Weibe geboren trägt Er den Titel "Sohn des Höchsten", ein wunderbarer Namen für einen wahrhaf-tigen Menschen. Der Heilige Geist sollte über Maria kommen und in diesem irdischen Gefäß wirken ohne ihren oder irgendeines Menschen Willen. So ist Gott die einzige Quelle des Lebens des der Maria verheissenen Kindes. Jesus ist: "über allem, Gott gepriesen in Ewigkeit" Römer 9:5) Im zweiten Kapitel von Lukas wird uns die Gegend beschrieben, in der die Geburt stattfand. Das vierte Welt-reich von Daniel vorsagt, Rom, breite sein Zepter über die dama-lige Welt aus. Damit die Schrift erfüllt würde bediente sich Gott eines Ediktes von Kaiser Augustus, dem ersten römischen Kaiser, der die Zählung der ganzen Bevölkerung des Reiches vorschrieb. So zogen Maria und Joseph von Nazareth, wo sie wohnten, nach Bethlehem, wo nach der Prophe-zeiung Michas Jesus geboren wer-den sollte. Der Ort in dem Jesus geboren wurde, ist von grosser Bedeutung. Es war kein platz für Ihn in der Welt, selbst nicht in der Herberge; der Schöpfer des Weltalls hat nur eine Krippe zu seiner Verfügung. Auch später hatte Er nichts wo Er Sein müdes Haupt niederlegen konnte, und Er endete Sein Leben am Kreuze. Er hat an allen Schwachheiten und Umständen des menschlichen Le-bens teilgenommen. Laßt uns Ihn bewundern, Der als ein Kind, in Windeln gewickelt, hilflos in einer kleiner Krippe liegt; welch ein Wunder der Erniedrigung und der freiwilligen Selbstverleugnung. Dieses kleine Kind is indessen der Gegenstand aller Ratschlüsse Gottes, der Erhalter und Erbe der ganzen Schöpfung, der Heiland Aller, die durch Glauben das Leben und die Herrlichkeit ererben werden. Darum ist nicht alles arm und klein bei der Geburt des Sohnes Gottes; denn auf den Feldern offen-baren die Engel ihr In-teresse für dieses unvergleichliche Ereignes. Eine Menge der himmlischen Heerscharen verkündet die unaussprechliche Herrlichkeit des Neugeborenen. Die Gegenwart des Sohnes auf Erden ist die Grundlage des Friedens auf Erden, der einmal seine Verwirklichung finden wird wenn Er als König herrschen wird. "Herrlichkeit Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen!" (Lukas 2:14) Dieses Wohlgefallen findet Gott in dem Menschen Jesus Christus, und durch Ihn ist dieses Wohlgefallen auf Alle gekommen, die ihre Zuflucht zu Ihm nehmen.

Die Jugend Jesu

Jesus kam nicht in die Welt wie Adam, der als erwachsener Mensch ge-bildet wurde: Er mußte wachsen. Die sparsame Berichte, die die Schriften über seine Jugend bringen, sind für unsere Seelen vom un-schätzbaren Wert, Seine menschliche Natur war immer von Gott erfült, die Lieblichkeit und Schönheit Seiner Kindheit rührt unsere Her-zen. Obwohl Er als Kind Seinen Eltern untertan war, war Er sich doch immer Seiner Herrlichkeit als Sohn Gottes bewußt. Sein menschlicher Verstand entwickelte sich vor Gott und den Menschen. Obgleich Er Gottes Sohn war und dies wußte, war Er dennoch alles, was ein Kind sein soll, aber in vollkommener Weise. Die Beziehung zu Seinem Vater war Ihm ebenso gut bekannt, wie Sein Gehorsam gegen Joseph und gegen Seine Mutter schön und vollkommen war.

Die Taufe am Jordan

Für Gott und für die Gläubige ist diese Welt wie eine trockene Wüste worin sich keine einzige Quelle zur Erquickung gefindet. Denn die Herzen der Menschen sind voller Haß gegen Gott. Alles in dieser Welt lässt uns an der Menschheit verzweifeln; aber wenn sich unsere Gedanken auf den Menschen richten, der Gottes Herz befriedigt hat, auf den Herrn Jesus, dann findet auch unser Herz Ruhe und tiefe Befriedi-gung. "Es geschah aber, als das ganze Volk getauft wurde, und Jesus getauft war und betete, dass der Himmel aufgetan wurde, und der der Heilige Geist in leiblicher Gestalt, wie eine Taube, auf ihn herabstieg, und eine Stimme aus dem Himmel kam: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden." (Lukas 3:21-22) Selbst der Him-mel hat sich geöffnet, um Zeugnis zu geben, dass dieser Mensch der Sohn Gottes ist. Je-sus, der Sohn des Menschen, der letzte Adam, steht in starkem Gegensatz zu dem ersten Adam, der Gott um einer Frucht wil-len verliess. Er ist abhänging und gehorsam, und Er betet, denn der Mensch in seiner Vollkommenheit ist ein abhängiger Mensch der durch Glauben und Gebet lebt . Während Er betet, öffnet sich der Himmel. Die Liebe Gottes ist befriedigt, weil sie einen demütigen Menschen sieht, dessen ganzen Wandel seinen Ausdruck findet in dem Worte: "ich traue auf dich." (Psalm 16:1) So kann der Heilige Geist auf Ihn niedersteigen in Gestalt einer Taube, die im Gegen-satz zu der Taube Noah's eine reine Stätte gefunden hat, wo sie ihren Fuß niedersetzen konnte inmitten eines Meeres der Sünde und des Aufrühres. Dann verkündet der Vater Sein Wohlgefallen an Seinem Sohne, und so werden dieBeziehungen zwischen Gott und den Menschen wieder hergestellt, nicht weil der Himmel sich über einen Wesen geöffnet hat, das im Himmel thront, sondern über einen Menschen, der auf der Erde war. In diesem Men-schen wird die ganze Menschheit aufgefordert, in Gottes Gemeinschaft zu treten in Seinem geliebten Sohn. In Wirklichkeit steht nur der Gläu-bige im Genusse dieser Gemeinschaft, aber der Weg ist geöff-net für Alle, durch die Predigt des Evangeliums.

Der Dienst des Herrn

Nach der Versuchung in der Wüste, wo Er Satan durch die Schriften überwand, fing der Herr Jesus Seinen Dienst an. Nach-dem Er den starken Menschen gebunden hatte, übernahm Er es, ihm seine Beute zu entreissen und seine Gefangenen zu befreien. Nun konnte Er Sein Werk ohne Hindernis ausüben. Sein Wort hatte Macht über die Gewissen. Er brachte Gnade, begleitet mit grosser Kraft, um Sünden zu vergeben und Kranke zu heilen.So arbeitete Gott durch einen geisterfüllten Men-schen. Durch Seine Gnade wurden die Herzen zu Ihm gezogen, denn sie fanden einen Gegenstand, für ihre Zuneigung. Diese Gnade ist für einen weiteren Kreis bestimmt, als für das Volk Israel, ein Beweis, daß die wahre Gnade allgemein ist. Jeder, der das Bedürfnis hat, ist willkom-men. Die Gnade wirkt ebenso zu Gunsten der Heiden wie zu Gunsten Israels. Es gibt keine Klasse, die von der Gnade ausge-schlossen ist. "Die Gesunden bedürfen nicht eines Arztes, sondern die Kranken; ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Busse" (Lukas 5, 31-32).

Die Gnade ist wie ein neuer Wein, der nicht in alte Schläuche ge-gossen werden kann. Die Formen und Riten derMenschen werden dort beiseite gesetzt, wo die wahre Gnade Gottes erscheint. Gnade ist Liebe, die das Böse überwindet; Liebe, die sich zu denen aus-streckt, die ihrer nicht würdig sind.

Die Abhängigkeit Christi verleiht Seinem Dienst eine grosse Kraft und damit kann Er andere aussenden und sie mit Kraft ausrüsten für das Zeugnis. Die Gnade sammelt die Gläubigen um den Men-schen Christus Jesus. Welch ein Strom von Liebe ging unaufhörlich von seiner Person aus. Und wenn dieser Liebesstrom Hindernisse auf seinem Wege fand, überflutete er alle seine Ufer, um diese Hinder-nisse zu überwinden, bis er endlich das Kreuz von Golgatha erreichte. Dort erwies sich die Gnade unendlich viel überschwenglicher als der Strom menschlicher Ungerechtigkeit und Sünde, und von Golgatha fluten die Wellen dieses Segens- und Liebesstromes über die ganze Welt bis zu den Enden der Erde.

Christus und die Völker

"Darum habe ich mich selbst auch nicht würdig geachtet, zu dir zu kommen; sondern sprich nur ein Wort, und mein Knecht wird gesund werden. Als aber Jesus dies hörte.. sprach er: Ich sage euch, selbst nicht in Israel habe ich so grossen Glauben gefunden." (Lukas 7, 1-10)

In diesem Hauptmanne wirkte der Grundsatz des Glaubens; er ist ein treffendes Vorbild der Gnade, die bis zu einem Heiden kommt. Es war ein lebendiger Glaube, so groß, daß Christus selbst in Israel keinen so großen gefunden hatte. Der Hauptmann denkt sehr hoch über die Per-son Christi, Seine Herrlichkeit und Macht, und er fühlt sich selbst sehr klein. Er erkennt in Ihm Gottes Kraft und Liebe in Gnade. Die Einfalt seines Herzens ist ebenso deutlich wie die Grösse seines Glaubens. Mehr und mehr offenbart sich der Sohn des Menschen nach dem Evangelium des Lukas, als das Licht, das die Völker erleuchtet.

Die Herrlichkeit des Sohnes des Menschen

"Ich schaute in Gesichten der Nacht: Und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie eines Menschen Sohn; und er kam zu dem Alten an Tagen und wurde vor denselben gebracht. Und ihm wurde Herrschaft und Herrlichkeit und Königtum gegeben" (Daniel 7, 13-14).

"Und indem er betete, wurde das Aussehen seines Angesichtes an-ders, und sein Gewand weiss, strahlend" (Lukas 9, 28-31).

Nachdem der Herr aus dem Munde des Petrus das Zeugnis erhal-ten hat, der Christus Gottes zu sein, zeigt Jesus, auf welchem Wege der Sohn des Menschen mit Herrlichkeit gekrönt werden soll. Es ist der Weg der Verwerfung und des Kreuzes. Doch am dritten Tage sollte Er auferste-hen und mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt wer-den. In der Verherrli-chung auf dem Berge haben wir einen Vorgeschmack dieser kommenden Herrlichkeit. Danach beherrscht Seinen Geist der Ge-danke an Seine bevorstehende Kreuzigung. Er, in dem Gottes Ge-rechtigkeit und Menschliche vollkommenheit völlig vorhanden waren, mußte in dieser Welt sterben, in die Er als Retter gekommen war. Dort wird der wahre Charakter der Menschheit in dieser einen Tat enthüllt: "Sie haben den Fürsten des Lebens zum Tode gebracht." Während Christus vom Berge der Verklärung herabsteigt, hat Er es, in symbolischer Weise, mit den Dämonen zu tun; denn die Herr-lichkeit des Sohnes des Menschen be-deutet die Niederlage Satans, des Fürsten dieser Welt. Satan wird bald gebunden sein und seine Macht zunichte gemacht werden nicht allein für den Glauben, wie es jetzt der Fall ist, sondern bald in wirklichkeit, wenn Christus in Seiner Herrlichkeit erscheinen wird.

Gethsemane

Im Garten von Gethsemane sehen wir Jesus Christus als den Men-schen in der Prüfung. In dieser schrecklichen Prüfung wacht und betet Er, indem Er alle Dinge vor Seinem Vater niederlegt, und in voller Unter-würfigkeit das Verlangen ausdrückt, Seinen Willen zu erfüllen. Wie sehr war der Herr darin vollkommen Mensch; Er brauchte einen Engel der Ihm helfen und Ihn stärken mußte; der Kampf war für seine Seele zu groß. Die Tiefe des Leidens, die Er im Geiste vor sich sieht, drängt Ihn heftiger zu beten. Die Folge Seiner vollkommenen Gemeinschaft mit dem Vater ist, daß Er der ganzen Macht der Finsternis gegenübersteht. Er sieht vor sich die Schmerzen so lebendig, daß Sein Leib davon beein-flußt und Sein Schwieß wie große Bluttropfen wird. In Seiner Seelen-angst sagt Er immer: "Vater". Er leidet im Geiste, indem er ermesset, wie tief die Wasser sein werden durch die Er zu gehen hat, wenn Er Schlacht-opfer für die Sünden sein wird auf dem Kreuz. Voraus wissend was geschehen wird, leidet Er schon darunter, und aus dieser Tiefe ruft Er zu Seinem Vater. Das Leiden am Kreuze ist etwas anderes: Es ist das Gericht Gottes über die Sünde. Nachdem Er so vor Gott gekämpft hat, ist Er ruhig inmitten der Menschen. Welch ein Bild des vollkommenen Menschen aber auch welch ein Bild von Gott geoffenbart im Fleische sehen wir vereinigt in Christus wie Er war in Gethsemane!

Die Gerichtshandlung und die Kreuzigung

In Gethsemane hat Christus den Kelch aus der Hand des Vaters entge-gengenommen und nun können die wütende Menschen ihr trauriges Werk fortsetzen. Er kann ihnen sagen: "Dies ist eure Stunde und die Gewalt der Finsternis." (Lukas 22:53) Die Men-schen wollen nichts von Ihm wissen und Gott lässt sie handeln. Christus gibt Sein Leben; denn das ewige Leben ist für die Men-schen nicht anders zu erhalten als durch Seinen Tod und Seine Auferstehung: "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht". (Joh. 12:24) Wie wir sehen, legt Lukas, deutlicher als Matthäus und Markus den Nachdruck auf das Leiden des Herrn in Gethse-mane. Er zeigt die Schrecken des Todes in Christus als im Voll-kommenen Menschen. Aber Lukas führt uns weniger die Leiden des Kreuzes vor Augen; er zeigt nicht, wie die beiden ersten Evan-gelisten, das Sühnopfer. Lukas spricht nicht von dem Verlassensein von Gott während den drei Stunden der Finsternis, in denen sich die Sühnung vollzog, aber Lukas verkündigt die Ergebnisse dieses Werkes. Er er-wähnt einfach die Finsternis und unmittelbar danach, daß der Vorhang des Tempels mitten entzwei riß. Juden und Hei-den sind sich eins in der Verspottung des Gekreuzigten; doch hatte Gott selbst hier Trost bereitet für Jesus in der Bekehrung eines ar-men Sünders: Das Paradies wird für einen bekehrten Übeltäter geöffnet. Gereinigt durch den Glauben, hat nun jeder bekehrte Sünder Zugang zu Gottes Gegenwart im Heiligtum. (Hebr. 10:19) Wo beim Menschen nur tiefe Finsternis herrschte, da leuchtete die Seite Gottes in dieser Szene hervor. Endlich ist alles voll-bracht und der Herr ruft mit lauter Stimme aus: "Vater, in deine Hände be-fehle ich meinen Geist". Diese laute Stimme ist ein bemerkenswer-tes Zeugnis der vollkommenen Menschheit des Herrn. In Ihm befand sich kein einziger Zug der Sterblichkeit; nie hätte Er durch äusserliche Ursa-chen sterben können. Sein Tod war keine Folge der Schwachheit, son-dern der starke Schrei ist ein Beweis, daß Er frei-willig Sein Leben gab als eine Tat göttlicher Macht. So hat Er den Tod überwunden und Er kann Seinen Geist sicher in die Hände Seines Vaters legen. Durch den Tod des Herrn hat der Tod seine Gewalt verloren. Sodann geht eine Weissagung in Erfüllung und sein Leib wird in eine neue Gruft gelegt, denn: "Bei einem Reichen war er in Seinem Tode." (Jesaja 53:9)

Die Auferstehung

In seinem Letzten Kapitel beschäftigt sich der Evangelist Lukas mit dem auferstandenen Herrn Jesus. Als siegender Mensch vertraut Er Seinen Jüngern das Zeugnis in dieser Welt an. Dieses Zeugnis ist gegründet auf die Auferstehung. "Siehe, da standen zwei Männer in strahlenden Klei-dern bei ihnen. Als sie aber von Furcht erfüllt wurden und das Ange-sicht zur Erde neigten, sprachen sie zu ih-nen: Was suchet ihr den Lebendigen unter den Totan? Er ist nicht hier, sondern ist auferstan-den." (Luk. 24:1-6) Die Auferstehung ist eine neue Wahrheit und Kraft, die weit über alle natürlichen Grundsätze des Lebens geht. Durch das Kreuz ist die Tür für alles, was aus dem alten Menschen kommt, geschlossen, und etwas ganz Neues ist uns in dem auferstandenen Christus gegeben: "Das Alte ist vergangen; siehe alles ist neu gewor-den." (2 Kor. 5:17) Unser Leib bleibt wohl derselbe in diesem Leben, aber neues Leben ist uns geben, wovon der Charakter, die Beweggründe, die Mittel und das Ende ganz anders geworden sind für alle die in Glauben wandeln. Die Frauen und die Jünger suchen inmitten der Toten Den, der lebendig ist; Aber Seine Gnade macht bald ihrer Unwissenheit und ihrem Unglauben ein Ende. So ist es auch mit den zwei Jüngern auf dem Wege nach Emmaus, denen Er in allen Schriften zeigt, was über Ihn geschrieben steht: Die Gedanken Gottes bezüglich des Christus. Dieser Gedanke befreite sie von ihren engen Israeliti-schen Vorstellun-gen und schenkte ihnen ein neues und himmlisches Schauen und ein neues Leben.

"Also steht geschrieben, und also mußte der Christus leiden und am dritten Tage auferstehen aus den Toten, und in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden gepredigt werden allen Nationen, anfangend von Jerusalem" (Lukas 24:46-47). Christus ist nicht auferstanden, um Sein Reich hier aufzurichten, sondern um in Seine Herrlichkeit einzugehen. Er ist auferstanden in einem Leibe, der Fleisch und Bein hatte und der doch ein geistiger Leib war. Er ist der zweite Adam, und alle, die an Ihn glauben, sind mit Ihm auferstanden. Nicht nur hat Er unsere Sünden weggenommen, Er schenkt uns auch die Kraft der Auferstehung im Gegensatz zur Macht der Sünde, im Blick auf ein Leben der Ueberwin-dung und bleibenden Gemeinschaft. In der Kraft des Heiligen Geistes, der das Bewußtsein eines neuen Lebens gibt, kann und muß der Gläubi-ge seine Glieder, die auf der Erde sind, im Tode halten, d.h. den Tod des Christus auf seine alte Natur anwenden.

In der Auferstehung ist Christus wahrhaftiger Mensch, Er zeigt die Wunden in Seinen Händen und Füssen und verlangt, daß man Ihm zu essen gebe. Welch ein Glück für den Menschen zu wissen, daß ein Mensch Ueberwinder war über den Tod, und daß auch wir durch diesen Menschen Teil haben an dieser Ueberwindung.

Die Himmelfahrt und die Verheissung

Zwei Wahrheiten kennzeichnen das heutige Zeitalter: Erstens, es gibt einen verherrlichten Menschen im Himmel, zweitens der Heilige Geist ist hier auf der Erde gegenwärtig. Die große Botschaft des gekreuzigten und auferstandenen Christus muß weit zu allen Völkern gebracht wer-den. Das Kreuz hat den alten Bund zwischen Gott und Israel beiseite gesetzt und die Türe der Bekehrung und der Vergebung der Sünden zuerst den Juden und nachher den Hei-den geöffnet. Aber für die Predigt dieses Evangeliums ist eine Kraft notwendig, die Kraft des Heiligen Geistes. Diese Kraft aus der Höhe konnte nicht vor der Himmelfahrt und der Verherrlichung Jesu zu den Menschen kommen. Der verherrlichte Mensch hat den Heili-gen Geist gesandt, um von Seiner Herrlichkeit zu zeugen. Seit die Apostel mit dem Heiligen Geiste erfüllt wurden, ist auf der Erde ohne Unterbrechung Zeugnis abgelegt worden von dem himmlischen Menschen dem Haupt und Bräutigam der Erlösten. Er, der verherrlichte Sohn des Menschen Dessen Name erhaben ist über alle Namen, erwartet den Tag, an den Er die Früchte Seiner Erniedrigung und seines Todes um sich geschart haben wird. Der Heilige Geist bildet die Liebe der Versammlung, so daß sie sich immer mehr sehnt, ihren Bräutigam von Angesicht zu Angesicht zu sehen und mit Ihm in Seiner Herrlichkeit  vereint zu sein.

4. DAS LAMM GOTTES

Der Grundgedanke in Verbindung mit dem Titel "Lamm Gottes" ist: "Ohne Blutvergiessen gibt es keine Vergebung" (Hebr. 9:22) Durch das blutige Opfer am Kreuze ist die Söhnung all unserer Sünden vollbracht. Die irdische Laufbahn Jesu  Christi trägt wohl die Züge der Sanfmut, Demut und Reinheit, die an ein Lamm erin-nern, aber wenn Er nicht am Kreuze gestorben wäre, so würde Sein ganzer Dienst bezüglich der Wiederherstellung unserer Beziehungen zu Gott nutzlos gewesen sein. Jesus ging von Ort zu Ort, um überall wohlzutun; jedoch allein Sein Tod hat uns den Zugang in die Gegenwart Gottes gebahnt "durch den Vorhang". Der Mensch kann Gott nur mittelst eines Opfers nahen. Das Lamm Gottes Hat die Forderungen Gottes wie auch die Bedürfnisse des Sünders völlig gestillt. Nur beim Kreuze findet das Gewissen des Sünders Ruhe, nur am Kreuze wurde Gott vollkommen verherr-licht. Der Glaube schenkt der Seele einen Frieden, den die Welt weder geben, noch nehmen kann. "Da wir nun gerechtfertigt wor-den sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unse-ren Herrn Jesus Christus" (Römer 5, 1). Die Opfer nach dem Gesetz Moses stellen im Vorbild das Opfer des Lebens Christi dar. Das "Blut" offenbart das Sinnbild des Lebens, das "Fett" die Vor-trefflichkeit Seiner Person. Darum verbot das Gesetz den Genuß des Blutes und des Fettes. (3. Mose 17:14)

Christus ist das Leben; Sein Leben war ohne Fehl. Aber am Kreuze (und nur dort) hat Er die Sünden auf sich genommen und ist in den Tod hin-abgestiegen. Er hat Sein Leben wiedergenommen (Joh. 10, 17). Aber die Sünde ist für immer im Tode geblieben, sodaß er wirklich die Sünde weggenommen hat. Als Er sein Leben ließ, wurde die Sünde zunichte gemacht. "... Weil ich mein Leben lasse, auf daß ich es wiedernehme" (Joh. 10, 17). Die Sünde wurde Ihm zugerechtnet, als Er am Kreuze starb. Er hat unsere Sünden an Seinem Leibe auf dem Kreuze getragen. Er ist Gott an unserer Statt im Gerichte begegnet und wurde von Ihm verlassen. Und als Er starb, mit dem Rufe "Es ist vollbracht", hatte die Sünde ihr gerechtes Gericht empfangen.

Der Stand eines Gläubigen hängt nicht davon ab, was er selbst ist, son-dern von dem, was Christus ist. Jeder, der Gott "im Namen Jesu" naht, ist mit Ihm vereinigt, und in Seinem Namen angenom-men. Gott verwirft Seinen Sohn nicht, und Er verwirft niemand, der im Namen Seines Soh-nes zu Ihm kommt. So ist der Gläubige eins mit Christus. So haben wir Leben und Licht, gegründet auf Gottes Liebes-ratschlüße und bestätigt durch das Blut des Lammes. Der Anfang des Lebens mit Gott ist die Er-kenntnis einer vollkom-menen Errettung, eines festen und sicheren Friedens durch das kostbare Blut des Lammes. Welch ein Vorrecht  für uns, die wir Kinder des Zornes waren, "tot in Sünden und Uebertretun-gen", entfremdet dem Leben Gottes" (Eph. 2, 1:4,18)! Das einzige wahre Mittel, das "Leben zu sehen", ist, "an Gottes Sohn zu glauben"; denn ausserhalb Christus ist alles Tot und Elend. Nur wenn wir mit den Augen des Glaubens auf das geopferte Lamm schauen, das auf dem Fluchholz die unermeßliche Last unserer Schuld trug, treten wir auf den Pfad des Lebens und haben Teil an der ewigen und unaussprechlichen Freude des Himmels. Diese Freude nimmt beständig zu, wenn wir mit Christus wandeln, und wird ihre Voll-endung an dem Tage finden, da wir das Lamm Gottes sehen und anbeten werden.

Das zuvor erkannte Lamm

Unsere Erlösung ist gegründet auf das Blut des Lammes, nach dem ewi-gen Ratschluß Gottes. Die Erlösung war nicht nur die Antwort auf die Sünde, sondern ehe die Welt war, vor der Erschaffung dessen, der Got-tes Widersacher Wurde, und bevor es Sünde gab, bestanden die großen Vorsätze der Liebe in Gottes Gedanken.

Der Vorsatz der Erlösung ist nicht nur festgestzt worden, um Hei-lung von dem schrecklichen Bösen zu bringen, das der Feind durch die Ver-führung von Adam und Eva in die Welt gebracht hat, son-dern dieser Vorsatz bestand schon vor der Schöpfung. Zur gegebe-nen Zeit hat Gott Seinen Plan bezüglich des Lammes ohne Fehl und ohne Flecken, das von aller Ewigkeit herzu vorerkannt war und das am Ende der Zeiten um unsertwillen geoffenbart werden sollte, ausgeführt. Nachdem durch einen Menschen die Sünde in die Welt gebracht wurde, wurde der herrliche Gedanke der Erlösung durch das Blut des Lammes geoffenbart. Diese Erlösung wurde am Kreuze von Golgatha vollbracht. Die reichen und herrlichen Ergebnisse dieser Erlösung werden verwirklicht werden, wenn die große Menge der Heiligen, in Weiß gekleidet und mit Palmen in den Händen, sich um den Thron Gottes und des Lammes scharen wird. Der ewige Ratschluß Gottes in Christus ist so die Grundlage des Friedens des Gläubigen.

Das geschlachtete Lamm

Das ganze Alte Testament mit seinen Opfern kündigt "das Lamm Gottes" an, "das die Sünde der Welt wegnimmt", (Joh. 1, 29, 36) und das tref-fendste Bild ist das Passahlamm, das die Israeliten erst am Vorabend ihres Auszuges aus Aegypten geschlachtet haben. Das Blut des Lammes schützt vor dem Gericht, denn dieses Gericht ist auf das heilige Opfer gefallen. Nachdem der Herr Jesus Sein kostbares Blut zur vollkommenen Tilgung der Sünde vergossen hatte, hat Er dieses Blut in die Gegenwart Gottes gebracht und die Besprengung ausgeübt. Das Blut des Lammes hat ein solch hohen Wert in den Augen Gottes, daß Er auf Grund dieses Blutes und Seiner Gerechtigkeit alle Sünden vergeben und den Sünder an-nehmen kann als vollkommen gerechtfertigt in Christus. Wir sind nicht gerettet durch den Wert, den wir dem Blute zuschreiben, sondern einfach durch das Blut. Es schenkt uns Frieden und voll-kommene Gerechtigkeit vor Gott. Wie wäre all dies vollbracht worden, wenn nicht durch das fleckenlose Lamm Gottes, durch Seinen Gehorsam bis zum Tode am Kreuze? Das Kreuz Christi ist die große und einzige Tat Süh-nenden Leidens für die Sünde. Auf dem Kreuze beugte Er sein Haupt unter fremde Schuld und ließ Sein Leben für unsere Sünden.

Das Werk Christi für uns ist absolut und ewig vollkommen. Christus hat sagen  können: "Ich habe dich verherrlicht auf der Erde: das Werk, habe ich vollbracht, welches du mir gegeben hast, daß ich es tun sollte" (Joh. 17, 4); und: "Es ist vollbracht"! (Joh. 19, 30). Nur auf dem Kreuze hat Christus für die Sünde gelitten. Der Leib der Sünde mußte durch den Tod zunichte gemacht und die Macht Satans weggetan werden.

Das Lamm als Mittelpunkt des Zusammenkommens

"Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte" (Matth. 13,20). "...Denn auch unser Passah, Chris-tus, ist geschlachtet. Darum laßt uns Festfeier halten, ...mit Ungesäuertem der Lauterkeit und Wahrheit" (1 Kor. 5, 7-8).

Nicht nur ist das Blut des Lammes die Grundlage des Friedens für den Gläubigen, sondern das Lamm Gottes ist selber der Mittel-punkt der Ein-heit der Erlösten. "Die ganze Versammlung der Ge-meinde Israels soll es schlachten zwischen den zwei Abenden" (2. Mose 12,6). Das Passah-lamm zeigt zwei Gesichtspunkte: Den Grund der persönlichen Sicher-heit, aber auch den Mittelpunkt  der Einheit. Ganz Israel aß das Passahlamm in einer heiliger Gemein-schaft. Der Erlöste kann sich nicht in der Einsamkeit von Christus nähren. Er ißt in Gemeinschaft mit Gott und in Gemeinschaft mit den anderen Erlösten. Der Heilige Geist ver-sammelt uns um den verherrlichten Christus, das Lamm Gottes, und nährt uns mit Seinen Herrlichkeiten. Von dieser Gemeinschaft ist der Tisch des Herrn der sichtbare Ausdruck auf der Erde.

Das Lamm als Mittelpunkt der ewigen Anbetung

Das Lamm, jetzt im Himmel verherrlicht, ist der Mittelpunkt der Anbe-tung in der Versammlung auf Erden, und wird es sein, wenn die Ge-meinde von der Erde weggenommen und im Himmel um das Lamm geschart sein wird. Dann werden wir Ihn, als "Geschlachtet" in der Mitte des Thrones sehen, während Er den Willen Gottes in Bezug auf die Erde in Macht ausführen wird. Das Ergebnis wird dann "die Wieder-herstellung aller Dinge" sein.

Die vier Lebendigen Wesen und die vierundzwanzig Aeltesten werden vor dem Lamme niederfallen und Ihm ihre Ehre bringen. Er, der einmal am Kreuze gelitten hat und starb, wird die Herrschaft über das Weltall antreten. Gott hat dafür gesorgt, daß zu allen Zeiten ein Zeugnis in Be-zug auf die Erlösung durch das Blut des geschlachteten Lammes, vorhanden ist. Die myriaden der Engel, die allgemeine Versammlung, werden ebenfalls die Würdig-keit des Lammes anerkennen. Welch eine Eindrucksvolle Harmonie wird an jenem Tage vom Himmel ausströmen. "Dem, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme die Segnung und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit!" (Offbg. 5, 13). Welch ein wunderbares Ergebnis Seines Leidens am Kreuze; welche Frucht des Lobes und der Anbetung wird Ihm von seiten all Seiner Geschöpfe zuteil werden. In diesem Charakter des Lammes wird die Versammlung mit Christus verbunden werden bei der Hochzeit des Lammes.

Die Vereinigung Christi mit der Versammlung hat ihre Wurzel in Seiner Erniedrigung, Seinem Leiden und Seinem Tode zur Herrlichkeit Gottes. Als das Blut und das Wasser aus Seiner Seite flossen, hat der Vater Ihm eine Braut gebildet. Sie ist die Frucht Seines Leidens, das Er als das Lamm Gottes erduldet hat. In dieser Gestalt der Demutund des Leidens hat Gott Ihm durch den Heili-gen Geist eine Braut zubereitet. Sie hat sich auf Erden bereit er-klärt, in Gegenwart der Mächte der Finsternis hienieden, in Demut zu leiden. Aber welche Herrlichkeit wird sie besit-zen, wenn sie öffentlich vereint werden wird mit dem verherrlichten Lamme.

5.  DER BEFREIER

"Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirk-lich frei sein" (Joh. 8, 36)

Gibt es auf Erden etwas, das die Menschen mehr begehren als die Frei-heit? Wieviele Kriege für die Freiheit haben die Welt erschüt-tert, wieviele Revolutionen und soziale Kämpfe. Der Mensch liebt es, frei das Leben zu wählen, das er führen will, und er glaubt, es zu tun können. Aber unter dem Einfluss Satans hat der einst freie Mensch den Weg der Sklaverei gewählt, als er die Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und des Bösen aß. Das Ergebnis davon ist die Unterwerfung der ganzen Menschheit unter die Macht der Finsternis, unter die Tyrannei dessen, der der Fürst die-ser Welt geworden ist. Die Scheinbare Freiheit des Menschen - seine Fähigkeit zu tun, was er will, ist also keine wirkli-che Freiheit; denn sie führt ihn unter die Sklaverei Satans. Die wahre Freiheit ist die Christliche Freiheit, die anfängt wenn ein Sünder zum persön-lichen Glauben im Herrn Jesus kommt. Seine alte, sündige Natur, ist mit Christo am Kreuze Gestorben, und er bekommt eine neue Natur dessen Genuss es ist, den Willen Gottes zu tun. Gehorsam an Gott ist die wahre Freiheit des Christen. Die Macht Gottes steht der Macht Satans gegenüber und wenn die Gegenstände Seiner Sorge die Kraft des Glaubens verwirklichen, ist ihre Erlösung wirklich vollkommen und ewig. Satan hat die Macht des Todes, aber Gott ist der Gott der Lebendi-gen. Er teilt ein Leben mit, das außer dem Bereich des Todes liegt; ein Leben, das Satan nicht berühren kann. Die zehn Plagen Aegyptens of-fenbaren die Macht Gottes, und wenn durch das Passahlamm die Erlö-sung von der Macht des Todes be-wirkt wird, so ist die Befreiung aus der Hand des Bedrückers nur eine natürliche Folge davon. Gott war gekommen, um Sein Volk zu erlösen, und die ganze Macht Satans hat es nicht eine Stunde länger als für die von Gott bestimmte Zeit in Gefan-genschaft hal-ten können. Die Kinder Israel inmitten des Betriebes der Ziegelöfen in Aegypten stellen genau den Zustand eines jeden Kindes Adams von Natur dar. Wir sind von Natur Sklaven der Sünde, bedrückt unter dem Joch des Feindes, und ohne irgendwelche Kraft, uns selbst zu befreien. Es ist notwendig, daß die Befreiung von außen kommt. Der Sünder ist "Fleischlich, unter die Sünde verkauft" (Römer 7,14). Er ist Satans Gefangener, um seinen Willen zu tun, gekettet in den Banden seiner Begierden, seiner Leidenschaften und seines Charakters; er ist "kraftlos"  (Römer 5,6); "ohne Hoff-nung - ohne Gott" (Eph. 2,12). Wie kann er davon frei werden? Er kann um die Freiheit ringen, aber seine Anstrengungen sind - ob-gleich sie von seinem Verlangen zeugen, frei zu werden - die posi-tive Bestätigung seiner Sklaverei.

Wir brauchen einen Erlöser, und in Christus haben wir Den, der die Macht hat, uns ganz zu befreien; nicht nur um uns die Last der Sünde abzunehmen, sondern um uns auch vom Joch der Sünde, der Welt und des Fleisches loszumachen. Israels größtes geschicht-liches Ereignis war der Auszug aus Agypten durch die starke Hand und den ausgestreckten Arm des Herrn. Gott hat in dieser Erlösung alles erfüllt, und Israel hatte sich nur ruhig zu verhalten, von allen eigenen Anstrengungen abzuse-hen und sich Ihm, Der für sie stritt, anzuvertrauen und das Werk der Erlösung des Herrn anzuschau-en. So gingen die Kinder Israels durch Glauben (Hebr. 11:29) durch die Wasser des Roten Meeres. Aber wie klein war diese Er-lösung, wenn wir sie vergleichen mit dem, was Christus am Kreuze zu stande gebracht hat. Christus ist ja durch die Wasser des Todes hindurchgezogen, und durch Glauben ziehen auch wir hindurch, um mit Ihm teilzuhaben an der Auferstehung. In Ihm sind wir nicht nur abgesondert von der Welt, sondern wir haben Zugang zum Lande der Verheißung. Wir sind "mit Ihm auferweckt", und "in Ihm sitzen wir in den himmlischen Örtern. (Eph. 2:6).

Die Erlösung am Kreuze vollbracht

Am Kreuze hat Christus über die ganze Macht des Feindes gesiegt, und so eine vollkommene und ewige Erlösung bewirkt. Darauf ist Er trium-phierend in die himmlische Örter eingegangen, und hat uns dort auf ewig mit sich selbst verbunden, auf daß wir gesegnet seien "mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christo" (Eph. 1:3) Die Mächte der Finsternis haben Ihn durch die Hände von Ungerechten gegriffen, entkleidet, verspottet und endlich ans Kreuz geheftet. Die Menschen und die Dämonen wohnten dort dem scheinbaren Sieg Satans und der scheinbaren Niederlage Christi bei. Alles aber war nur Schein, denn in dieser Schande und in diesem Tode leuchtete in Wirklichkeit der Sieg unseres großen Erlösers. Indem Er mit Geduld den Haß der men-schen ertrug, überwand Er durch den Tod den, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel (Hebr. 2:14). Er war Überwinder, und nahm den gottfeindlichen Mächten ihre Macht. Er hat sie endgültig entwaffnet und sie öffentlich zur Schau gestellt, um den Menschen und den Engeln die Schande ihrer Niederlage zu zeigen. Wir sind vom Machte Satans befreit. Gesegnete Erlösung, vollendet am Kreuze uns in Christo frei machend!

Die Befreiung vom Gesetz

Das Gesetz, wie Gott es Mose gegeben hat, ist göttlich, heilig und gut, aber es richtet sich nur an den unbekehrten Menschen, nicht um ihn zu rechtfertigen, sondern um ihn von der Sünde zu über-führen. Israel hat seine Ohnmacht, das Gesetz zu erfüllen, gezeigt. Unter dem Gesetz ist die sündige Natur viel eher von Satan getrie-ben, die heiligen Gebote zu übertreten. Nicht nur wird der natürli-che Mensch, unter Gesetz gestellt, ein übertreter, das Gesetz spricht seinen Fluch aus über alle diejenigen, die es nicht buchstäblich erfüllen. So ist das Joch des Gesetzes unerträg-lich geworden für Israel, und ist es heute noch für alle die sich unter seine erdrückende Last Stellen. Die Ehe als Beispiel nehmend, er-klärt der Apostel Paulus im siebenten Kapitel des Römerbriefes, daß das Gesetz nur Macht hat über den Menschen, solange er lebt. Der Gläubige, mit Christus gestorben, ist von der Autorität des Gesetzes befreit. Dies ist ein großer Segen, denn alle die unter dem Gesetz sind, sind unter dem Flu-che. (Gal. 3:10) Der Mensch ist von Natur gesetzlich d.h. er sieht in der Religion eine Zusammenstellung von Geboten und Verboten. Viele Kinder Gottes bleiben lange gesetz-lich, und dies verhindert sie, völlig die wahre Gnade Gottes in der sie stehen, zu geniessen. Die Erkenntnis unserer Erlösung vom Ge-setz bringt also eine große Freude in unsere Herzen, und macht aller Dienstbarkeit, die nicht mit unserer Stellung in Einklang steht, ein Ende. Diese Wahrheit gilt für den Gläubigen aus den Na-tionen wie für den Gläubigen Juden, denn die menschliche Natur ist gesetzlich. In dem Augenblick, in dem unsere Gedanken sich auf die Frage konzentrieren: "Was muß ich tun, oder was muß ich nicht tun", anstatt beschäftigt zu sein mit dem Reichtum der Gnade, die in Christo ist, werden wir gesetzlich, und haben die Neigung, zu Fall und zu Enttäuschungen zu kommen, die von einem bösen Gewissen begleitet sind. Durch den Glauben können wir völligdie kostbare Wahrheit er-fahren, daß wir durch das Einssein mit Christo in Seinem Tode, vom Gesetze und Fluche be-freit sind. (Gal. 5:1) Wir sind nun, wie durch eine Heirat, mit einem Anderen verbunden: mit Christus, Der aus den Toten aufer-standen ist, auf daß wir Gott Frucht bringen sollten, die köstliche Frucht des Geistes: "Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit" (Gal. 5:22). Diese Frucht für Gott wird nicht durch unsere eigenen Anstrengungen, sondern nur durch Glauben hervorgebracht. Die Kraft, sie hervor-zubringen, liegt in unserem Befreier; wir haben nur die Augen auf Ihn zu richten in der Erwartung, daß Er in Gnaden wirken möge zu Seiner höchsten Ehre. Verzichten wir denn auf unsere eigenen Anstrengungen zur Heiligung; laßt uns Ihm vertrauen, auf daß Er die Frucht in uns hervorbringe durch Seine heiligende Kraft.

Die Befreiung von der Welt

Die Welt ist das Reich Satans, des Fürsten dieser Welt und des Gottes dieses Zeitlaufs. Der Natürliche Mensch ist seiner Macht unterworfen: Die ganze Welt liegt im Bösen. Welch eine tröstliche Wahrheit ist es, daß wir der Welt gestorben sind. Eins gemacht mit Christus in Seinem Tode am Kreuze sind wir von der Welt befreit. Die Welt ist gerichtet worden im Tode Christi weil sie den Fürsten des Lebens umgebracht hat. Paulus sagt, daß er der Welt gekreu-zigt ist. Zwei Leichname können keine Anziehungskraft mehr aufeinander ausüben. Durch den Glauben an unser Gekreuzigtsein mit Christus verschwindet die Anziehungskraft, die die Welt auf uns ausübt. All ihr verführerischer Schein hat keinen Einfluß auf jemand, der die Welt als zum Tode verurteilt und sich selber als mit Christus gestorben betrachtet. Das Kreuz ist eine unübersteig-bare Schranke zwischen der Welt und dem Kinde Gottes. Wenn wir in Gemeinschaft mit Gott und abgesondert von der Welt leben, so werden wir den Haß von seiten der Welt erfahren und weniger Mühe haben, den wahren Charakter ihres Hasses gegen Gott und seine Kinder zu un-terscheiden.

Befreiung von der Sünde

Wenn wir uns zufrieden geben würden mit dem Gedanken, daß unsere Sünden und Übertretungen weggetan sind, so würde unser christliches Leben bald sorglos, gleichgültig oder weltförmig wer-den. Das kommt daher, daß selbst ein wahres Kind Gottes keine Kraft in sich selbst hat, der Lust des Fleisches und den Verführun-gen Satans zu widerstehen. Um in Gemeinschaft mit Gott zu wan-deln, genügt es nicht, nur zu glauben, daß Christus für unsere Sünde gestorben ist, sondern der Gläubige muß auch wissen, daß er mit Christus gestorben ist. Zu einem siegreichen Glaubensleben gehört also die Erkenntnis von zwei Wahrheiten:

1.    Christus ist für meine Sünden gestorben, und

2.    Ich bin mit Christus gestorben.

Unsere Sünde, unsere bösen Taten sind weggetan, nicht aber der Ur-sprung der Sünde in unserem Fleische, die bis zum Tode in Jedem Kinde Gottes wohnt. Die Schrift nennt dies "die Sünde im Fleische" oder der "alte Mensch" oder die alte Natur die wir von Adam her haben.

Sünde im Fleische hat immer die Neigung, uns zu neuen sündigen Taten zu verleiten. Wie können wir dies verhindern? Die Macht des sündigen Fleisches kann nur gezähmt werden durch die Kraft des Heiligen Geistes der den Glauben an unsern Befreier Jesus Christus betönt. Gott vergibt diese Sünde im Fleische nicht. Auch verbessert er den "alten Menschen" nicht und nimmt diesen nicht aus uns weg. Gott hat ein Ding getan um das sündige Fleisch kraftlos zu machen: Er hat die Sünde im Fleische verurteilt. Das ist eine köstliche Seite des Kreuzes Christi für den Chris-ten, der den Sieg über die Sünde im Fleische davontragen will: (Römer 8:3) Wenn wir uns als mit Christo gekreuzigt betrachten, so sind unse-re Gedanken über uns selbst in Übereinstimmung mit Gottes Gedanken über uns: und in dieser Gemeinschaft, gepaart mit vollkommenem Ver-trauen auf Christus, den Befreier und Über-winder, verwirklichen wir die Überwindung über den Willen des Fleisches und vollbringen die Sünde nicht." (Judas 24-25)

Die Erlösung des Leibes

Da der Gläubige hier auf Erden immer das Fleisch in sich trägt - das Gesetz der Sünde, das ihm die Strahlen des Angesichtes Gottes verschlei-ern will, kann es uns nicht wundern, daß seine sehnlichste Hoffnung ist, für immer von dieser alten Natur befreit zu werden und bei dem Herrn zu sein. Die entgültige Befreiung des sterblichen Leibes findet entweder bei der Wiederkunft des Herrn statt, oder beim Sterben der Gläubigen. Bei der Wiederkunft des Herrn zieht das Verwesliche Unverweslichkeit an, und das Sterbliche Unsterblichkeit (1 Kor. 15:53). Wenn wir aus dem Tode auferstehen, werden wir mit einem neuen und verherrlichten Leibe überkleidet werden, an welchem weder Sünde noch Sterblichkeit, weder Schwachheit noch Müdigkeit oder Scmerz gefunden wer-den. Wenn wir dann Christus, den Erlöser, von Angesicht zu Angesicht sehen werden, so werden wir völlig von Seinem Siege am Kreuze geniessen. Wir seufzen und klagen jetzt noch in unse-rem irdischen Zelt, aber bald wird dieses einer besseren Wohn-stätte Platz machen, die nicht mit Händen gemacht ist sondern ewig in den Himmeln. Wir werden dann dem verherrlichten Christus gleichförmig sein.

6. DER SOHN GOTTES

Das Geheimnis der Dreienigkeit kann nicht durch den menschli-chen Verstand enthüllt werden; um den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist zu kennen, ist eine Göttliche Offenbarung not-wendig, die durch den Glauben geschenkt wird. Jeder Christ soll getauft werden im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Durch die Taufformel bekennen wir, daß der Sohn eine göttliche Person ist, ebenso wie der Vater un der Heilige Geist. Es gibt also drei Personen in der Einheit des göttlichen Wesens. Die drei Personen der Gottheit, so wie der Glaube sie kennt, stehen in Beziehung zu einander. Der Vater und der Sohn sind in der göttli-chen Herrrlichkeit, und obwohl sie in Herrlichkeit gleich sind, bestehen zwischen Beiden die Beziehung zu einander. Der Vater und der Sohn sind in der göttlichen Herrlichkeit, und obwohl sie in Herrlichkeit gleich sind, bestehen zwischen Beiden die Bezie-hungen von Vater und Sohn.

Der Sohn des Vaters

Die Namen von Vater und Sohn werden uns deutlich geoffenbart im Neuen Testament und besonders im Evangelium nach Johannes. Unsere Herzen können verstehen, was diese Namen für unser ewi-ges Glück be-deuten. Der Sohn, der im Schoße des Vaters ist, hat uns den Namen und den Charakter des Vaters kundgemacht. (Joh. 17:26) Am Jordan wurde der Name des Sohnes vom Himmel durch den Vater ausgesprochen: "Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe." (Matth. 3:17) Jesus ist der Sohn des Vaters Liebe, das Bild des unsichtba-ren Gottes, der Abglanz Seiner Herrlichkeit. Das Evangelium nach Jo-hannes stellt uns den Vater im Sohn, der das Bild des Vaters ist, dar, aber auch die Wahrheit daß der Sohn im Vater ist, Ausdruck Seiner Liebe. Die gegenseitige Liebe, die Vater und Sohn verbindet, hat sich auch an uns, Menschen, in ihrer ganzen Fülle entfaltet. Den Willen des Vaters zu tun war die höchste Offenbarung dieser Liebe, nachdem der Sohn auf Erden gekommen war. (Joh. 3:35, 17:24-14:31, Spr. 8:30) Denn der Wille des Vaters war, daß der Sohn sich selbst zu nichts machte (Phil. 2:5-10) daß Er in den Tod ging und daß Er sich opferte um den Zorn Gottes an Stelle der verlorenen Sünders zu erdulden. Durch Sein Opfer am kreuze wissen wir nun, mit welcher Liebe uns den Vater geliebt hat. Jesus ist am Kreuze erhöht worden, auf daß Er als Sohn die himmlischen Dinge offenbaren möchte: Die Liebe des Vaters. Jesus, ewiglich vom Vater geliebt hat den Vater offenbart, in dem Er uns gleich geworden ist, unsere Natur annehmend. Der Sohn, der alle Dinge geschaffen hat, kam, um uns Mitteilhabern der himmlischen Dinge zu machen. Die gegenseitige Liebe zwischen Vater und Sohn war keine neue Er-fahrung für den Sohn, als Er auf die Erde kam;... "denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt". (Joh. 17:24) Er ist der ewige Sohn der Liebe des Vaters. Diese Liebe ist nicht unerklärlich, sie ist der Gegenstand einer deutlichen Offenbarung. Eine solche Liebe geht über alle Begriffe von Anfang und Ende und ist das Kennzeichen der ewigen Sohnschaft. Die Liebe, die das Herz des Vaters erfüllt, findet eine voll-kommene Aufnahme sowie eine völli-ge Antwort im Herzen des Sohnes.

Der Sohn der Maria

Johannes stellt den eingeborenen Sohn im Schosse des Vaters dar, den Sohn, geliebt vor Grundlegung der Welt,Lukas spricht von Ihm als von dem Sohn des Höchsten und zwar schon vor Seiner Geburt in dieser Welt; Matthäus und Markus nennen Seinen Na-men "Sohn Gottes" erst von Seiner Taufe im Jordan an. Der Glaube sieht hinter dem Schleier der Erniedrigung, der das Kind von Bethlehem verhüllt, die ganze göttliche Herrlichkeit des Sohnes Gottes. Der Schöpfer des Weltalls, der einst von Licht umhüllt war wie von einem Mantel, lag da in einer kleinen Krippe, in Windeln gewickelt und scheinbar kraftlos. Der allmächtige Gott kam in Schwäche hernieder in unsere Schwäche. Unser natürlicher Ver-stand ist nicht imstande, die Fleisch-werdung des Sohnes zu erfas-sen, aber der Glaube kniet nieder und betet an. Die göttliche Liebe unerfründlich für den natürlichen Men-schen, hat uns den Sohn gesandt," der ein wenig unter die Engel erniedrigt war, so daß er durch Gottes Gnade für alles den Tod Schmeckte." (Hebr. 2:9)

Vier Zeugnisse über den Sohn Gottes

Der Herr Jesus hat vier Zeugnisse erwähnt, die Seine Herrlichkeit als Sohn Gottes bestätigen wie sie den Menschen während Seines Aufent-haltes hienieden vorgestellt wurde. Zuerst beginnt Er mit dem Zeugnis Johannes des Täufers. "Ihr habt zu Johannes gesandt, und er hat der Wahrheit Zeugnis gegeben (Joh. 5,33)". Zum zweiten nimmt er bezug auf die Werke, die Er hienieden vollbracht hat, welche Zeugnis ablegen von Seiner göttlichen Kraft. Drittens spricht Er über das Zeugnis, das Ihm der Vater selber gegeben hat, und zum Vierten beruft Er sich auf die Heiligen Schriften, die von Ihm zeugen.

A. DAS ZEUGNIS JOHANNES DES TÄUFERS

"Und ich habe gesehen und habe bezeugt, daß dieser der Sohn Gottes ist". (Joh. 1, 19, 20, 29, 34).

Gegenüber dem festen Willen der Juden, Ihn nicht als den Sohn Gottes anzuerkennen, beruft sich Jesus zuerst auf das Zeugnis Jo-hannes des Täufers. Er suchte das Zeugnis des Menschen nicht für Seine eigene Ehre, aber Er erinnert an das Wort des größten der Propheten, um die Menschen zu überzeugen und zu retten. Johan-nes hat den Juden geantwortet, daß er nicht selber der Christus sei, und hat danach bezeugt, daß Jesus der Sohn Gottes ist, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt. Und nun gibt Jesus dem Johannes das Zeugnis und sagt: "Jener war die brennende und scheinende Lampe; Ihr aber wolltet für eine Zeit in seinem Lichte fröhlich sein" (Joh. 5, 35). Seit Maleachi hatte es keine Propheten mehr in Israel gegeben, das Volk freute sich darüber, daß sich endlich Gott aufs neue durch den Mund Seines Propheten hören ließ. Aber der besondere Gegenstand des Dienstes Jo-hannes des Täufers war, den Messias, der unmittelbar nach ihm kom-men sollte, anzukündigen. Um also von der Botschaft Johannes Nutzen zu haben, mußte man Jesus nicht nur als den Messias, sondern auch als Sohn Gottes annehmen. Dennoch weigerten sich die Juden gegenüber diesem so deutlichem Zeugnis, Ihn als solchen anzu-erkennen.

B. DAS ZEUGNIS DER WERKE JESU

"Ich aber habe das Zeugnis, das größer ist als das des Johannes; denn die Werke, welche der Vater mir gegebenhat, auf daß ich sie vollbrin-ge, die Werke selbst, die ich tue, zeugen von mir, daß der Vater mich gesandt hat" (Joh. 5, 36).

Was Jesus tat, konnte niemand anders vollbringen; nur Gott konnte Kranke heilen, Tote auferwecken, das Wasser in Wein verwandeln. Seine Wunder waren der Beweis, daß sich Jehova in der Mitte Seines Volkes befand in der Person Seines Sohnes. Am Ende seines Evangeliums schreibt Johannes, daß die Wunder und Taten, die er berichtet, dazu dienen, den Glauben an den Sohn Gottes zu bewir-ken. In seinem Evan-gelium gibt es sieben Wunder. Jedes dieser Wunder ist der Ausgangs-punkt zu einer Lehrrede. Aber drei dieser Wunder zeigen uns in besonderer Weise, wie Jesus in absoluter Abhängigkeit von Seinem Vater handelte, und im Gegensatz zu der völligen Ohnmacht des Menschen aus Adam. Wir werden später ausführlich auf diese drei Wunder des Sohnes Gottes zurückkom-men.

C. DER VATER LEGT ZEUGNIS AB ÜBER SEINEN SOHN

Es gibt Geheimnisse, die kein menschliches Wesen ergründen kann. Es gibt eine persönliche Innigkeit zwischen dem Vater und dem Sohn, zu welcher niemand Zugang hat. Nur was die Schrift uns klar offenbart, kann von uns schwachen Geschöpfen erkannt werden. Wir beten nich einen "unbekannten Gott" an wie die Athener. Der Vater hat dem Sohne Zeugnis gegeben (Joh. 5, 37) und der Sohn hat den Namen des Vaters geoffenbart (Joh. 17, 6;26). Welch ein Reichtum von Offenbarung, wenn wir damit das spärliche Licht, das den Heiligen des Alten Bundes gewährt wur-den vergleichen. Einige seltene Strahlen von Gottes Herrlichkeit war an den siebenzig Aeltesten beschieden: "Und sie sahen den Gott Israels; und unter seinen Füßen war es wie ein Werk von Sa-phirplatten und wie der Himmel selbst an Klarheit" (2 Mose 24:10). Selbst Mose, der das Vorrecht hatte, mit Gott zu sprechen, hat nie Sein Angesicht gesehen, er konnte Ihn nur von hinten se-hen (2. Mose 33, 23).

Das Neue Testament offenbart die Liebe Gottes; das Herz Gottes ist uns da geöffnet, und jeder bewundert die gegenseitige unaus-sprechliche Liebe, die von Ewigkeit zu Ewigkeit Vater und Sohn verbindet. Liebe, Wohlgefallen und Freude bestanden im Schoße der Gottheit ebenso wie die Allwissenheit und die Allmacht.

Als die Königin von Scheba die königliche Pracht und unermeßli-che Herrlichkeit des Hofes Salomos betrachtete, geriet sie außer sich. Aber was ist Salomos Herrlichkeit, verglichen mit der Herrlichkeit des "eingeborenen Sohnes der in des Vaters Schoß ist?" Wir hören das Zeugnis des Vaters über Seinen Sohn. Müssen wir hier nicht "unsere Schuhe ausziehen", niederknien und ein solch herrliches Geheimnis anbeten?

Als Jesus am Jordan von Johannes getauft wurde, wurden die Himmel geöffnet. Der Heilige Geist Gottes stieg wie eine Taube herab und setzte sich auf Ihn (Matth. 3, 16). Hier wird zum ersten Mal in der Schrift die Dreieinigkeit geoffenbart: Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Dem sichtbaren Zeugnis des Geistes fügt der Vater ein hörbares Zeugnis über Seinen Sohn bei. Die Himmel wurden geöffnet und die Stimme des Vaters richtete sich an Seinen geliebten Sohn auf Erden. Es war eine sanfte Stimme und voller Liebe, ganz anders als die "Stimme des Wortes auf Sinai", die die Erde erschütterte und die Hörer erschreckte (Hebr. 12, 26). Nein, es war die Stimme eines Vaters, Der sein unendliches Wohl-gefallen ausdrückte, indem Er sagte: "Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe". Das war gewiß ein größeres Zeugnis als das des Johannes, zweifellos das größte der vier Zeugnisse. Als Gott den ersten Menschen - Adam - in der Fri-sche der ersten schöpfung sah, fand Er ihn "sehr gut" (1 Mose 1:31). Aber im zweiten Menschen, dem "letzten Adam", fand der Vater Sein "Wohlgefallen", oder Seine innige Freude, wie Er sie ewig im eingeborenen Sohn in Seinem Schosse, dem "verborgenen Ruhesitz der Liebe", gefunden hat. Der Vater hat noch ein zweites Mal ein hörbares Zeugnis abgelegt. Auf dem Berge der Verklärung wurde Seine Stimme abermals gehört. Die Verwerfung Christi von seiten des Volkes Israel war so deutlich, daß der Vater die Gedanken der Jünger von den Herrlichkeiten eines irdischen Kö-nigreiches abwenden wollte, um sie auf die Herrlichkeiten des einge-borenen Sohnes zu lenken. Im Augenblick wo die Gründung des Reiches Christi, wie die Jünger sie erwarteten, aufgeschoben wurde, wurden ihre Herzen von der persönlichen Herrlichkeit des Sohnes erquickt. Der verworfene Christus, der bald verhöhnt, ver-urteilt und gekreuzigt wer-den sollte, war der geliebte Sohn und die Freude des Vaters. Auch in Johannes 12 gab der Vater ein hörbares Zeugnis: "Ich habe ihn verherr-licht und will ihn abermals ver-herrlichen" (Joh. 12:28). Dies als Antwort auf das Wort Jesu: "Vater, verherrliche deinen Namen." Welche furchtbare Verantwortung, solche klare Zeugnisse zu verleug-nen. (Joh. 5:37-38)

Das Zeugnis der Schriften

Der große Gegenstand der Heiligen Schriften ist der Sohn Gottes: "Sie sind es, die von mir zeugen." (Joh. 5:39) "Dein Wort ist Wahrheit!" (Joh. 17:17) Die Behauptung, das Wort Gottes zu be-sitzen und zu ken-nen und doch Christus als Sohn Gottes zu verwerfen, sind zwei Dinge die nicht zusammengehen können. Niemand kann die Schriften verste-hen der nicht zuerst die Person des Sohnes Gottes annimmt. Laßt uns einige Stellen des Alten Tes-tamentes betrachten, in denen die Juden, wie wir, ein Zeugnis über den Messias als den Sohn Gottes besaßen.

Während der Name "Vater" Gottes Name in Verbindung mit der Familie der Erlösten ist, hat der Name "Jehova" Beziehung zur Regierung Gottes über die Welt durch das Volk Israel. Im zweiten Psalm führt David, in-dem er weissagt, das Gott den Thron des Messias auf Seinem heiligen Berge Zion gründen will, einen Beschluß an, der zugunsten Seines Soh-nes sprach: "Vom Beschluß will ich erzählen: Jehova hat zu mir gespro-chen: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt." (Ps. 2:7) Die Mitteilungen des Alten Testamentes geben uns nicht die völlige Offenba-rung, daß Gott Liebe ist. Gott wird besonders als Herrscher Seines Volkes Is-raels dargestellt. Die Zeit, wo Gott Seinen Sohn senden würde, um den Namen des Vaters auf Erden bekannt zu machen, war noch nicht angebrochen. Aber die Propheten offenbarten Gottes Zu-kunftspläne, die die Segnungen der Erde und die Einführung eines Reiches der Gerechtigkeit und der Friedens betrafen. Der zukünf-tige Messias als Weltherrscher hat verschiedene Titel, aber alle stehen in Beziehung zu Dem, der den Namen des Sohnes trägt. Der ewige Rat-schluß, den Gott in sich selbst gefaßt hatte war, die wirkliche Verwal-tung aller Dinge im Himmel und auf Erden Christus anzuvertrauen. (Eph. 1:9-10) Zwar sollte in Bezug auf viele Messianische Weissagun-gen ein Schleier auf den Alten Tes-tament bleiben, bis Christus diesen hinwegtun würde, doch kündigte Jehova deutlich Seinen Plan an, den Er über Seinen Sohn gefaßt hatte. Trotz allem Widerstand des Menschen war es der feierliche Beschluß Jehovas, Seinen eigenen König in Zion zu be-rufen, um die rebellischen Könige der Erde zu unterwerfen, und die-ser gesalbte Herrscher ist sein Sohn. Während die aufrühreri-sche Welt sich gegen Jehova erhebt, blickt Gott mit Wohlgefallen auf Seinen Sohn und sagt: "Du bist mein Sohn". Dieser wird einst Gottes Ehre zurückfor-dern in der Regierung der Welt. Wir kom-men darauf zur Bestimmung der Zeit: "Heute habe ich dich gezeugt". Das Wort wird Fleisch, der Sohn kommt herab, von einer Jungfrau geboren, und am Kreuze, siegt Er über alle Mächte Satans und der Menschen, darum wird er König der Könige sein.

Drei Wunder des Sohnes Gottes

Von den sieben Wundern, von denen das Evangelium des Johannes berichtet sind drei besonders kennzeichnend, weil sie die göttliche Macht des Sohnes Gottes gegenüber der Ohnmacht des natürlichen Menschen zeigen. Im fünften Kapitel sehen wir den Kranken, der nicht imstande ist, selbst von gewissen Mitteln Gebrauch zu ma-chen, die Gott zu seiner Verfügung gestellt hatte, um gesund zu werden.

I. DER SOHN GOTTES HEILT DEN KRANKEN

Jesus, der  Sohn Gottes, der von dem Vater gesand ist, ist die Antwort der Gnade auf das völlige Elend, in welches der Mensch durch seine eigene Schuld gefallen ist. Die Evangeliumgeschichte versetzt uns im Geiste nach dem Teich Bethesda, wo eine Menge Kranker, Blinder, Lah-mer, Dürrer auf die Bewegung des Wassers durch einen Engel warteten, um dann einen Versuch zu wagen, als erster in das Wasser zu steigen um geheilt zu werden. Unter all diesen Kranken war einer, der in be-sonderer Weise den Menschen unter dem Gesetz darstellt. Warum konnte er keinen Nutzen von dem Heilmittel erlangen? Weil das Heilmittel von dem, der es ge-brauchen wollte, Kraft verlangte. Und das war es was ihm fehlte. Er war kraftlos. Wir haben hier ein treffendes Bild von dem Gesetz Mose das dem natürlichen Menschen sagt: "Tue dies, und du wirst leben." Welches Gute kann ein Mensch tun, der unter die Sünde geknechtet ist? Die Sünde hat ihm alle Fähigkeit, das Gute zu tun, genommen, trotz seiner besten Vorsätze. So kann das Gesetz nie-manden vom ewigen Verderben retten. Die Kraft des Sohnes Gottes ist nötig, um uns zu erhöhen. "Denn Christus ist, da wir noch kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Göttlose gestorben." (Römer 5-6). Jesus sagte zu dem Kranken: Stehe auf, nimm dein Bett auf und wandle! Und tatsächlich wurde der Mann gesund, nahm sein Bett auf und wandelte! So ist Jesus herabgekommen um selbst alles zu tun, was nötig ist, um Kraftlose und Verlorene zu retten. Das Wort des Sohnes Gottes ist genügend, um die Kraft, die jedem Sünder völlig fehlt, umsonst zu ver-leihen. Gott hat Seinen Sohn gegeben, und jeder, der an Ihn glaubt, hat Teil an Seiner "Kraft eines unvergänglichen Lebens." Nachdem Jesus den Kranken geheilt hatte, sagte Er: "Der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles was er selber tut; und er wird ihm größere Werke als diese zeigen, auf daß ihr euch verwundert." Hier weist Er auf ein größeres Werk hin als die Heilung vom Kranken, nämlich auf die Auferstehung der Toten. Bald wird, durch die Auferweckung des Lazarus, einer der Toten auferweckt werden.

II. DER SOHN GOTTES ZEIGT SICH DEN BLINDGEBORENEN

Im neunten Kapitel finden wir das Licht, das in die Welt gekom-men ist, aber der Mensch ist blind und kann keinen Gebrauch da-von machen. Im elften Kapitel sehen wir das Leben in der Person Jesu, aber der Mensch ist tot. In allen diesen Fällen ist es der Sohn Gottes, der in Macht wirkt. Er gibt Kraft, Licht und Leben denen, die derselben mangeln, und das ist mit jdem unbekehrten Sünder der Fall.

Nachdem der Blindgeborene, durch seine Waschung in Siloam geheilt, sein Zeugnis für Christus als Prophet abgelegt hatte, hatte Jesus ihn nicht aus dem Auge verloren, sondern wartete den Augenblick ab, um sich ihm zu offenbaren als Der, dessen sein Herz bedurfte. Für sein neues Leben hatte er einen neuen Gegen-stand der Liebe nötig, denn die sichtbare Welt befriedigt die, die die Güte des Herrn geschmeckt haben, nicht mehr. Der Herr will die Erkenntnis Seiner Person in den Jungbe-kehrten vermehren. Er stellt sich ihm selbst vor als Sohn Gottes, als Gegenstand des Glaubens, der die Welt überwindet. Alle, die von Christus zeugen, befinden sich bald außerhalb des religiösen Lagers, und damit wir uns da doch glücklich fühlen, offenbart sich Christus dem Herzen auf eine innigere Weise. Jesus hatte das Herz des Blindge-borenen vorbereitet, um die große Offenbarung Seiner Person zu emp-fan-gen. Auf der Frage: "Glaubst du an den Sohn Gottes?" antwortet er sogleich. "Und wer ist es, Herr auf daß ich an ihn glaube?" So öff-net Jesus ihm die geistlichen Augen "die Augen seines Herzens", damit er die Herrlichkeit des Sohnes Gottes anschaue, und so wird der Herr der Gegenstand der Anbetung für sein erneuertes Herz. Die Herrlichkeiten und Vollkommenheiten seiner göttlichen Person erfüllen das Herz des Glaubigen, mit dem Ergebnis, daß alles, was von der Welt und nicht von Christus ist, ausgeschlossen wird. Als Jesus zu dem Blindgeborenen sagt: "Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist es", da erkennt er Ihn sogleich: "ich glaube Herr", und er betet Ihn an.

Der Herr, der das Licht der Welt ist, hat die Pharisäer, die vorga-ben, sehend zu sein, auf die Probe gestellt. Als Sohn Gottes in Kraft gab Er Gesicht denen, die nicht sahen und die erkannten, daß sie blind waren. Die Antwort des Blindgeborenen ist charakteristisch für jemanden, der göttliches Leben empfangen hat. Der Glaube erkennt von selbst, daß der Sohn Gottes ein Recht auf unsere höchsten Beweise von Ehrfurcht hat. Ein Kind Gottes ist notwendig ein Anbeter.

III. DER SOHN GOTTES ERWECKT LAZARUS AUF

"Als aber Jesus es hörte, sprach er: Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern um der Herrlichkeit Gottes willen, auf daß der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde." (Joh. 11,4.) Der große Gegenstand des elften Kapitels im Johannesevangelium ist Jesus, der Sohn Gottes, die Auferstehung und das Leben, der die Macht hat, Toten das Leben wie-derzugeben.

Man kann sich darüber verwundern, daß Jesus, als er von der Krankheit seines Freundes Lazarus hörte, nicht sogleich nach Bethanien gegangen ist, um ihn zu heilen. Aber die Gedanken des Herrn sind nicht die unsri-gen. In den Umständen, welche die Fa-milie des Lazarus durchlebte, war es nicht der Wille Gottes, das Sterben des lazarus zu verhindern. Ein größeres Werk als eine Heilung müßte vollbracht werden, um die Herrlichkeit Gottes durch die Auferweckung des Lazarus zu offenbaren und damit der Sohn Gottes dadurch verherrlicht würde. In der Tat, welch eine Herrlichkeit umstrahlt dort am Grabe den Sohn Gottes, der von den Menschen verachtet und gehaßt war, als, auf Seinen Ruf hin, das Leben über den Tod triumphierte! Wie konnte dieser seelenlose Leichnam, der teilweise schon in Verwesung übergegangen war, wieder leben? Kann nun der Mensch wiederum leben, nachdem er zum Staube zurückgekehrt ist? Er selbst, Gott, der Schöpfer, hat den Menschen auf die Erde gesetzt um glücklich zu leben und zu wirken; aber nachdem die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, sieht der Mensch sich schutzlos den Schrecken des Todes ausgesetzt. In die Mitte dieses Zustanden ist Jesus, der Sohn Gottes, herabgestiegen, um den Menschen aus der Macht des Todes zu erlösen. Er ist selbst in den Tod gegangen, um dort als Siegerer zu erscheinen, damit durch den Glauben alle die Seinen an diesem Siege teilnehmen sollen. Die über-windende Macht des Lebens ist in Jesus, dem Sohne Gottes, in diese Welt gekommen und hat den Tod besiegt, um jedem, der da glaubt, ewi-ges Leben zu schenken.

Die Herrlichkeit des Sohnes Gottes war verborgen

Die Knechtsgestalt, die der Herr Jesus freiwillig angenomen hat, verbarg vor dem natürlichen Menschen die Herrlichkeit des Soh-nes Gottes. Hinter dem Vorhang der Erniedrigung des Zimmer-mannssohnes verbarg sich die Herrlichkeit des eingeborenen Sohnes Gottes. Der Glaube nam diese Herrlichkeit wahr. Wie dick dieser Vorhang auch war, der Seine Herrlichkeit bedeckte, so war für den Glauben Seine Gottheit doch stets sichtbar. Als die Steuereinnehmer die Tempelsteuer, die Doppeldrach-me, forderten, bezahlte der Herr dieselbe für sich und Petrus. Aber Er befahl einem Fisch des Meeres, Ihm genau das Geldstück zu bringen, das Er nötig hatte, und gab es dann den Steuereinnehmern (Matth. 17). Doch Er sagte zu Petrus, daß eigentlich die Söhne von der bezahlung befreit waren. Er, der Sohn Gottes, brauchte nicht für Gottes Tempel zu bezahlen. Aber Er läßt es zu, daß man Ihn zu den gewöhnlichen Men-schen rechnet, und bezahlt die Steuer. Die "Knechtsgestalt" unterwirft sich der menschlichen Obrigkeit, aber die "Gestalt Gottes", verdeckt durch den Vorhang, offenbarte sich, als der Fisch des Meeres pünktlich der Stimme seines allmächtigen Schöpfers gehorchte. Wieviele Male waren nicht auf Seine unwi-derstehliche Stimme hin große Mengen von Fischen in die Netze seiner Jünger gesammelt worden? War dies nicht die ganze Herrlichkeit des unsichtbaren Gottes, der herabgekommen war in Gestalt des erniedrigten Nazareners? Und obwohl Er Gott, der allein Unsterblichkeit hat, gleich war, schützte Er einige Male Sein Le-ben. Als die Leute von Nazareth ihn von dem Rand des Berges hinab-stürzen wollten, ging Jesus "durch ihre Mitte hindurchge-hend, hinweg", denn die Stunde Seines Todes war noch nicht gekommen. (Luk. 4,30)

Die Erkenntnis des Sohnes Gottes

Der Ausgangspunkt und Zweck alles christlichen Lebens, das Ge-heimnis aller Kraft, allen Überwindens und Ausharrens ist die Er-kenntnis des Sohnes Gottes. Das Maß unserer Geistlichkeit steht genau im Verhältnis zu unserer persönlichen Erkenntnis des Herrn, die aus unserer Ge-meinschaft mit Ihm entspringt. Wir sind für ewig errettet, seit unsere Herzen sich für die Erkenntnis des Vaters und des Sohnes geöffnet ha-ben, und seit dem bringt eine wachsende Erkenntnis auch eine