DER NAME DER ÜBER JEDEN NAMEN IST
INHALTSVERZEICHNIS
- Einleitung: Der Glaube an
Jesus Christus
1. DER NAME JESU CHRISTI
- 2. UNSER HEILAND
- 3. DER SOHN DES MENSCHEN
- 4. DAS LAMM GOTTES
- 5. DER BEFREIER
- 6. DER SOHN GOTTES
- 7. DER MITTLER ZWISCHEN GOTT UND MENSCHEN
- 8. DER GUTE HIRTE
- 9. DER WAHRE DIENER
- 10. DAS FLEISCHGEWORDENE
WORT
- 11. DAS LICHT DER
WELT
- 12. DAS EWIGE
LEBEN
- 13. DAS BROT DES
LEBENS
- 14. DAS BILD DES UNSICHTBAREN
GOTTES
- 15. DER SOHN DAVIDS, DER
MESSIAS
- 16. DER
HOHEPRIESTER
- 17. DER SACHWALTER BEI DEM
VATER
- 18. DER HERR
- 19. DAS HAUPT DER
VERSAMMLUNG
- 20. DER KÖNIG DER
KÖNIGE
- 21. DER RICHTER
- 22. DER
BRÄUTIGAM
Wohl nie hat ein höher un schöner
Gegenstand, eine von Menschen-hand geführte Feder in Bewegung gesetzt, wie
derjenige unseres Buches. Kann je ein Sterblicher zum Ausdruck bringen, was in
dem kostbaren Namen Jesu Christi verborgen liegt? Als Antwort auf Seine
unendliche Liebe beginnen die Erlösten hienieden den Ewigen Lobgesang zu Seiner
Ehre, und bald werden Himmel und Erde von ihrem Jubel ertönen. Erst wenn wir in
stummer Bewunderung vor Ihm niederknien und unsere Kronen vor Seine Füsse
werfen, werden wir Ihn erkennen, wie wir von Ihm gekannt sind. In diesem Geiste
der Anbetung allein können wir Ihm nahen im Heiligtum und über Seine
Herrlichkeit reden. Ob-wohl uns der Heilige Geist dazu anleitet, vermögen wir
uns hienieden nur unvoll-kommen auszudrücken. Der Schöpfer Him-mels und der Erde
hat Seine ewige Ratschlüsse in der Heiligen Schrift niedergelegt, und alle
Gedanken Gottes vereinigen sich in der Person und in dem Werke Seines Sohnes
Jesu Christi. Nicht jedermann kann die herrliche Schönheit des Sohnes Gottes
bewun-dern, denn dazu ist ein persönlicher und lebendi-ger Glaube not-wendig.
Laßt uns deshalb zunächst einen Augenblick der unschatzbaren Gabe des Glaubens
unsere Aufmerksamkeit schenken. Der erhabenste Gegenstand unseres Glaubens ist
die Person des Herrn Jesu Christi, des Sohnes Gottes. Gott hat Seinen
köstlichsten Schatz gegeben zur Errettung des elendesten Wesens auf Erden: des
verlorenen Sünders. Gottes Werk und Verlangen ist, daß wir an Ihn, Christus,
glauben. Was heißt das, an Christus glauben?
An die Fähigkeit eines Arztes glauben
heißt, sich seinen Händen anzu-vertrauen in der Gewißheit, daß er die Gesundheit
wieder herstellen kann. Der Glaube an den Herrn Jesus geht über dies: Es ist das
Vertrau-en auf Ihn für Leib und Seele, für Zeit und Ewigkeit, um Seine Hilfe zu
erwarten für all unsere Bedürfnisse. Christus will alles für uns sein: Der Sohn
Gottes, Erretter von Sünden, Brot des Lebens, Hirte und Lehrer, Licht der Welt.
An Ihn glauben schließt in sich, daß wir Ihn in der Fülle Seines herrlichen
Namens persönlich annehmen. Der Glaube an den Herrn Jesus als Heiland verleiht
uns die Gewißheit, daß Er alle unsere Sünden auf dem Kreuze getragen hat. "Der
Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen
und Sein Le-ben zu geben als Lösegeld für viele" (Matth. 20, 28). Der Glaube an
Christus sagt uns, daß wir befreit sind von der Macht Satans, der Welt, der
Sünde und des Gesetzes. Er kann sagen: "Wenn nun der Sohn euch frei machen wird,
so werdet ihr wirklich frei sein" (Joh. 8, 36).
Er bietet sich auch als vollkommener
Lehrer an. "Glaubst du nicht, daß ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist?
Die Worte, die ich euch rede, rede ich nicht von mir selbst; der Vater aber, der
in mir bleibt, er tut die Werke" (Joh. 14, 10). Wer an Ihn glaubt, nimmt Seine
Lehre als unfehlbar an und lässt sich in der Schule Christi erziehen. Und wenn
Jesus Christus sich uns als "Herr" vor-stellt, dann beansprucht Er unsere
Unterwürfigkeit unter Seinem Willen; "Ihr heisset mich Lehrer und Herr, und ihr
saget recht, denn ich bin es" (Joh. 13, 13). Wer an Ihn glaubt, setzt seinen
ei-genen Willen beiseite und fragt wie Paulus: "Was soll ich tun, Herr?"
(Apostelg. 22, 10). Um alles in Christus zu besitzen, müssen wir Ihn kennen, wie
die Schriften uns Ihn zeigen. "Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit
leibhaftig; und ihr seid vollen-det in ihm" (Kol. 2, 9-10).
Unser Name unterscheidet uns von anderen
Personen, während ein Titel unsre Arbeit oder unsern Stand bezeichnet. Wenn Gott
je-mand einen Namen schenkt, so steht dies in direkter Beziehung zu seiner
Persön-lichkeit, zu seinem Charakter, wie Gott ihn sieht.
Jesus ist ein Name, Erretter ein Titel.
Nach der Schrift ist "Sohn Gottes" ein Name, der ausdrückt, was Er von Ewigkeit
ist. Seine Titel deuten an, was Er für uns getan hat und noch für uns tut. Ein
Beweis, daß ein Name den Charakter einer Person darstellt, ist die Tatsache, daß
Gott die Na-men von verschiedenen Glaubensmän-nern imfolge einer Sinnesände-rung
in ihrem Leben geändert hat. So erhielt Abram den Namen Abraham, Sarai den Namen
Sarah, Jakob wurde Israel, Saulus von Tar-sus wurde ein Paulus und Simon Bar
Jona wurde Petrus genannt. Nur wenn man jemand persönlich kennt, kann man ihn
bei seinem Namen nennen: Den Namen Jesu Christi anrufen, bedeutet, öffentlich zu
beken-nen, daß man Ihn persönlich kennt. Sein Name spricht von Heiligkeit,
Kraft, Weisheit und Liebe; "Man nennt seinen Namen: Wunderbarer, Berater,
starker Gott, Vater der Ewigkeit, Friedefürst" (Jesaja 9, 6). "Darum hat Gott
ihn auch hoch erhoben und ihm einen Namen gege-ben, der über jeden Namen ist,
auf daß in dem Namen Jesu jedes knie sich beuge . . ." (Phil. 2,
9-11).
Das Heil durch den Namen des
Christus
"Es ist in keinem anderen das Heil, denn
auch kein anderer Name ist unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist,
in welchem wir errettet werden müssen". (Apostelg. 4, 12) "Wer an ihn glaubt,
wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht
geglaubt hat an den Namen des eingebore-nen Sohnes Gottes" (Joh. 3, 18). In dem
Namen Jesu liegt die Un-endlichkeit der Liebe und Gnade verborgen, die sich in
Gottes Vaterherzen befindet. Er ist die Offenba-rung der Liebe Gottes, denn Er
ist der eingeborene Sohn im Schosse des Vaters, der ewige Wohnplatz von Liebe
und Wohl-gefallen. Aber in dem Namen Jesus oder "Jehova ist Retter" liegt auch
Sein ganzes Werk ver-borgen: Sein versöhnendes Sterben am Kreuze von Golgatha.
So drückt Sein Name den ganzen Heilsweg aus und wird der Gegenstand des
Glaubens, der selig macht.
Das Zusammenkommen im Namen
Jesu
"Denn wo zwei oder drei versammelt sind in
meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte" (Matth. 18, 20). "Jeder, der den Namen
des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit" (2. Tim. 2, 19). Die
köstliche Ver-heissung der Gegenwart des Herrn ist verbunden mit dem
Zusammen-kommen von zwei oder drei in Seinem Namen. Der Herr drückt das Siegel
Seines Wohlgefallens auf die kleinste Ver-sammlung von Personen, wenn nur ihre
Verbundenheit mit Seinem herrlichen Namen treu ver-wirklicht wird. Bedürfen wir
etwas Besseres, als die Gegenwart des Herrn in unserer Mitte? Der Name des Herrn
ist genügend, um in allen Zeiten die wahre Gemeinde Gottes zu kennzeichen. Was
diese zwei oder drei beschließen im Namen des Herrn wird von Ihm als im Himmel
ge-bunden be-trachtet. Sein Name gibt die Vollmacht für ihre Beschlüsse und
Entschiedungen, beson-ders in Bezug auf die Gemeinschaft am Tische des Herrn.
Die Ehrfurcht vor Seiner gegenwart schliesst allen eigenen Willen
aus.
Das Gebet im Namen des
Herrn
"Wenn ihr etwas bitten werdet in meinem
Namen, so werde ich es tun" (Joh. 14, 10). "Und dies ist die Zuversicht, die wir
zu Ihm ha-ben, daß, wenn wir etwas nach seinen Willen bitten, er uns hört" (1
Joh. 5, 14). Das Gebet ist ein Bedürfnis für alle Gläubigen. Arm, schwach und
hilflos wie wir sind, ist das Gebet der Ausdruck un-serer Abhängigkeit von Dem,
zu Dem wir uns wenden. Unsere Bedürfnisse drängen uns zu Gottes Gnadenthron, und
der name Jesus ist unsere Bürgschaft, um in die Gegenwart Gottes zu treten.
Unsere Augen sind auf Christus gerichtet. In Seinem Namen, d.h. in allem, was Er
für den Vater ist, er-scheinen wir in Seinem Heiligtum und können dort der Gunst
Gottes sicher sein. Wenn ich einer Bank einen Scheck vorweise, so fordere ich
seinen Wert im Namen dessen, der ihn unterzeichnet hat. So will Christus unsere
Bitten, die wir zum Vater senden, gleichsam unter-zeichnen. Gott will auf alle
unsere Bitten antworten, denn es ist die Freude Seines Herzens, Seinen Sohn zu
verherrlichen. "Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun"; die
Verheissung ist gewiss und ohne Einschränkung. Sein Name, der Ausdruck Seines
Charakters, ist auch der Ausdruck Seines Willens, und so ist das Gebet in Seinem
Namen auch das Gebet nach Seinem Willen. Seinen Willen finden wir in Gottes
Wort. Wir müssen den Vater um die Dinge bitten, die Jesus Christus von Seinem
Vater erbat, zur Verwirkli-chung Seiner ewigen Liebes-ratschlüsse.
Der Name "Jesus"
Die Heilige Schrift ist sehr genau im
Gebrauch der Namen und Titel des Herrn. Der Name Jesus, "Jehova ist Retter",
wird vor allem verwendet in Verbindung mit Seiner Erniedrigung und Seinem
menschlichen Leben hienieden. Er wurde "Jesus" von Nazareth" genannt. In der
Beschreibung Seiner irdischen Laufbahn in den vier Evangelien wird der Name
"Jesus" 566 Mal genannt, während wir den "Christus" allein nur 36 Mal
verfin-den.
Der Name "Jesus" steht nicht nur in
Verbindung mit Seiner Ernie-drigung, sondern auch mit Seiner Erhöhung (Phil. 2,
10); denn diese Erhöhung ist die göttliche Antwort auf Seine Erniedrigung.
Dieser Name über jeden Namen wird im Hebräerbrief in Verbin-dung gebracht mit
Seiner Herrlichkeit und Seinem hohenpriester-lichen Dienst. Unter dem Namen
"Jesus" wird Er uns in diesem Brief vorgestellt als der verherr-lichte Mensch
(Kap. 2, 9), als Apostel und Hoherpriester unseres Bekent-nisses (Kap. 3, 1),
als Vorläufer (Kap. 6, 20), als Bürge (Kap. 7, 22), als Anfänger und Vollender
des Glaubens, (Kap. 13, 2), als Mittler (Kap. 12, 24), und als Der, welcher
heiligt (Kap. 13, 12).
Der Name Christus
Die buchstäbliche Bedeutung dieses Namens
ist "Der Gesalbte". Während Seines irdischen Lebens war "Christus" Sein Name,
gleichbe-deutend der "Messias" Israels, hingegen erkennen wir, daß durch Seine
Erhöhung Sein Name "Jesus Christus" genannt wird. In den Evangelien haben wir
Christus persönlich, wie Er von Gott gesalbt und gesandt war. In der
Apostelgeschichte kündigen uns die Apostel offiziell an, daß Jesus der Christus
ist (Apostelg. 5, 42). In den Briefen finden wir Christus als das verherrlichte
Haupt des Leibes, der Versammlung. Die Gläubigen, die Glieder, werden in ihrer
Gesamtheit "der Christus" genannt (1 Kor. 12, 12), und in dem Brief an die
Epheser werden die Gläubigen "in Christus" ge-sehen. Christus ist die Quelle
ihres Lebens und all ihrer Segnun-gen. Sodann sehen wir, daß "Christus in uns"
ist. Durch die göttliche Salbung waren alle himmlischen Segnungen in Ihm
vereinigt. Daher besitzen alle, die in Christus sind, in Ihm ein un-begrenztes
Maß von Liebe, Friede, Freude, Licht und Kraft, weil Christus dies alles in
un-begrenztem Maße besitzt und wir mit Ihm verbunden sind. Dies findet seine
Verwirklichung in unserer Ge-meinschaft mit Ihm.
Die Titel des Herrn erhöhen die
Herrlichkeit Seines Namens
Die Titel Jesu Christi, wie sie in diesen
Betrachtungen beschrieben sind, drücken verschiedene Herrlichkeiten aus, die mit
dem Namen Jesu Christi verbunden sind. Jede Titel ist ein Juwel in Seiner
Krone. Mögen unsere Herzen zur Betrachtung Seiner Herrlichkeit ermuntert
werden, wenn wir in Anbetung diese Ehrentitel wieder-holen; denn in dieser
Be-trachtung liegt das Geheimnis allen geistli-chen Wachstums. "Wir alle aber,
mit aufgedeckten Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschau-end, werden
verwandelt nach demselben Bilde von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den
Herrn den Geist." (2 Kor. 3, 18).
Kein Name ist süßer für Ohr und Herz der
Erlösten als der Name Jesus, welcher bedeutet: "Jehova ist Retter"! Nichts läßt
unsere Herzen von tieferer Dankbarkeit entflammen als dieser wunder-bare Name,
der zu uns von Dem redet, Der uns vom Feuer und Schwefelsee errettet hat. Sein
Titel "Mittler" spricht zu uns von Versöhnung zweier Parteien, die miteinander
uneins waren, und erinnert uns daran, das Gott in Gnaden die Welt mit Ihm selber
versöhnend war. Als Befreier hat Er uns frei gemacht von der Knechtschaft des
Ueberwältigers Satan. Aber der Name "Erretter" oder "Heiland" erinnert uns
daran, daß wir wie Brandscheite aus dem Feurerofen gezogen, daß wir aus
schrecklicher Gefahr in Si-cherheit gebracht und Teilhaber einer ewigen,
vollgültigen Erlö-sung geworden sind. Die Sprache der Eskimos ist besonders
reich an Aus-drücken die auf die Rettung aus verschiedenen Gefahren Bezug haben.
Ein Missionar besuchte einmal einen Eskimo mit dem Wunsche, den besten Ausdruck
zu finden für das Wort "Heiland". Er nannte eine Reihe von Wörtern, und beim
siebenten Wort gab ihm der Eskimo folgende Erklärung: "Ein Mann ist von einem
Schiffe in das Meer gefallen. Nie-mand hat es bemerkt; das Meer ist unermeßlich
und kein Schiff ist am Horizont sichtbar. In dem Augenblick, wo alle Hoffnung
verloren zu sein scheint, steigt eine geheimnisvolle Hand vom Himmel herab und
bringt ihn zu einem reichen Palast wo alles für seiner Erholung bereit ist, und
dort be-ginnt er ein Leben in Reichtum und Überfluß". Einen solchen Heiland
besitzen wir, lieber Leser; nicht als ein Produkt der Ein-bil-dung, sondern als
eine göttliche Person, die auf die Erde gekom-men ist, um uns aus einer
wirklichen und schrecklichen Gefahr zu erretten und uns danach zur Herrlichkeit
und ewigen Glückselig-keit zu führen. Die Schrift offenbart uns unser Heil in
mehreren Bildern von Glaubensmännern die aus Todesgefahren befreit wor-den sind,
wie z.B. Noah. Gott hat ihn zu einem Denkmal Seiner Barmherzigkeit gemacht, als
Er ihm das Mittel zeigte, das ihn vor den Wassern der Sintflut be-wahren sollte.
"Denn ich, siehe, ich bringe die Wasserflut über die Erde, um alles Fleisch...
zu verder-ben..., alles, was auf der Erde ist, soll ver-scheiden" (1. Mose 6,
17). "Gehe in die Arche, du und dein ganzes Haus" (1. Mose 7, 1). "Durch Glauben
bereitete Noah, als er einen götttlichen Ausspruch über das, was noch nicht zu
sehen war, empfan-gen hatte, von Furcht bewegt, eine Arche zur Rettung seines
Hauses, durch welche er die Welt verurteilte und Erbe der Gerechtigkeit wurde,
die nach dem Glauben ist" (Hebr. 11, 7).
Um den Wert unserer Errettung zu schätzen,
müssen wir zuerst davon überzeugt sein, welchen schrecklichen Charakter das
Gericht trägt, das sich für diese Welt vorbereitet, die ihren Erlöser verworfen
hat. Un-ablässig warnt Gottes Stimme die Welt, die wie ein breiter und dunkler
Strom dem ewigen Verderben entgegeneilt.
Jesus errettet vom kommenden
Gericht
"Jetzt ist das Gericht dieser Welt; jetzt
wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden" (Joh. 12, 31). "Jesus, der uns
errettet von dem kommenden Zorn" (1. Thess. 1, 10). Die Welt ist verurteilt,
weil sie den Herrn der Herrlichkeit gekreuzigt hat, und ihre Ver-nichtung ist
nahe. Die Errettung durch den Glauben an Christum ist die Sicherung gegen den
kommenden Zorn. So warnte der Apostel Paulus die Bewohner Athens, als er auf dem
Aeropag stand, und den Götzen-dienern dieser Weltstadt zurief:
"Nachdem nun Gott die Zeiten der
Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, daß sie alle
allenthalben Buße tun sollen, weil er einen Tag gesetzt hat, an welchem er den
Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu be-stimmt
hat, und hat allen den Beweis davon gegeben, indem er ihn auferweckt hat aus den
Toten" (Apostelg. 17, 30-31). Bald wird die Gnadentür verschlossen und der Herr
wird kommen, um die Erlösten zu sich zu nehmen. Für die, die dann auf dieser
Erde ge-blieben sind, wird ein schreckliches Gericht hereinbrechen; denn
Christus wird Rache üben über die Ihm feindliche Welt. "Bei der Offenbarung des
Herrn Jesus vom Himmel, mit den Engeln seiner Macht, in flammenden Feuer, wenn
er Vergeltung gibt denen, die Gott nicht kennen, und denen, die dem Evangelium
un-seres Herrn Jesus Christus nicht gehorchen; welche Strafe leiden wer-den,
ewi-ges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichtkeit seiner
Strärke" (2. Thess. 1, 7-9).
Die Menschen spotten über das
Gericht
Als Noah die Sintflut ankündigte,
verlachten ihn die Menschen, aber die Sintflut kam und nahm sie alle hinweg. In
den Tagen Lots verharrten die Leute von Sodom und Gomorrha in ihren groben
Sünden, bis Gott Feuer und Schwefel vom Himmel auf die Stadt regnen ließ, und
die beiden Städte vernichtete. Heute steht eine weit größere Gefahr nahe bevor.
"Es wird aber der Tag des Herrn kom-men wie ein Dieb, an welchem die Himmel
vergehen werden mit gewaltigem Geräusch, die Elemente aber im Brande werden
auf-gelöst, und die Erde und die Werke auf iht ver-brannt werden" (2. Petri 3,
10).
Das ist die fuchtbare Gefahr, in der sich
alle Bewohner der Erde befin-den, wenn sie nicht durch den Glauben an den
Heiland, wie ein Brand-scheit aus dem feuer, gerettet werden. In den Tagen
Jeremias achteten die Bewohner Jerusalems nicht auf den Prophe-ten, der da
ankündigte, daß die Chaldäer unter Nebukadnezar kommen würden, um das Land zu
überwaltigen, Jerusalem zu einem Trümmerhaufen und den Tempel zu einer Ruine zu
machen. Auch in den Tagen Jesu Christi glaubten die Juden den Voraussa-gungen
Jesu nicht, nach welchen die Mauern Jeru-salems dem Erd-bodem gleich gemacht
werden sollten. Aber die Geschichte legt über die genaue Erfüllung Seiner
Weissagungen Zeugnis ab. Die römischen Heerscharen unter Titus und Vespasianus
haben das Werk der Zerstörung vollbracht. Der sichere Beweis des kommen-den
Gerichts ist die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, eine Tatsache, die
niemand leugnen kann, ohne das Wort Gottes beiseite zu setzen.
Retter oder Richter
Jesus Christus ist gekommen, zu suchen und
zu erretten was verlo-ren war. Aber Er wird zum zweiten Male erscheinen, um
Gericht auszuüben. Nur die Erlösten, die durch den Glauben an den Heiland vom
kommenden Zorn errettet sind, entrinnen dem grossen weissen Thron, und bleiben
vom Feuer- und Schwefelsee verschont. Der Tag naht, an dem alle unbekehrte
Sünder vor dem Angesichte Dessen zu erscheinen haben, Der die Toten richten
wird. Von diesen Elenden, die in ihren Unglauben gestorben sind, steht
geschrieben: "Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewig-keit zu Ewigkeit; und
sie haben keine Ruhe Tag und Nacht." (Offenb. 14:11).
Christus hat am Kreuze von Golgatha für
uns gelitten, um uns vor dem Gericht eines Heiligen Gottes, dem Gericht über die
Sünde, zu bewah-ren. Dort hat Gott das Gericht über Ihn vollzogen, dort sind die
Wellen des Zornes Gottes über Sein Haupt gegangen. Was wirst du mit einem
solchen Heiland tun, lieber Leser? Wenn er jetzt nicht dein Retter wird, wird Er
bald dein Richter werden. Von deiner Wahl hängt dein ewiges Schicksal ab. Du
wirst ewige Freude in Herrlichkeit erben, oder ewiges Verderben und die
Schrecken einer endlosen Nacht ferne von Gottes Angesicht. Willst du nicht heute
noch Seine Retterhand ergreifen?
Ein Retter, der sich selbst nicht
rettete
Lasst uns Ihn betrachten, wie Er da am
Fluchholze hängt, zwischen zwei Uebeltätern. Die Hohenpriester, die Ihn zusammen
mit den Schriftge-lehrten verspotteten, sagten: "Andere hat er gerettet, sich
selbst kann er nicht retten. Der Christus, der König Israels, steige jetzt herab
vom Kreuze, aus daß wir sehen und glauben. Auch die mit ihm gekreuzigt waren,
schmähten ihn" (Markus 15, 31-32). Die Juden rühmten sich, ihren Zweck erreicht
zu haben. Der Mensch, von Satan verführt, glaubte, sich Gottes entledigt zu
ha-ben, da Seine Gegenwart ihn hin-derte. Sie schüttelten ihre Köpfe und sagten:
"Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht ret-ten". Nichts offenbart
deutlicher als diese Worte, wie schrecklich die Sünde des Menschen ist. Alle
waren ge-zwungen anzuerkennen, daß Christus während Seines Lebens hienieden
Seine göttliche Kraft durch allerlei Zeichen und Wunder geoffenbart hatte, ganz
besonders durch die Auferweckung von Toten. Obwohl sie beken-nen, Zeugen dieser
Kraft gewesen zu sein, verwerfen sie Gott, Der die Quelle derselben war. Wie
unendlich war die Liebe Gottes in Chris-tus! Er opferte sich freiwillig, und
konnte nicht an sich selbst denken; dieselbe Liebe, die andere von ihren
irdischen Leiden er-löst hatte, ging nun weiter und gab sich selbst für uns in
den Tod. Für den Glauben verwandelt sich diese schreckliche Schmähung in Lob. Es
bestand keine physische, wohl eine moralische Unmöglich-keit. Die
Schriftgelehrten wollten sagen, daß Er nicht vom Kreuze steigen könne, weil die
Henker ihre traurige Arbeit zu gut voll-bracht hätten, indem die Nägel, die sie
durch Seine Hände und Füsse bohrten, zu fest hielten. Aber wenn es Christi Wille
gewesen wäre, vom Kreuze herabzusteigen, so hätten Ihn alle Nägel und Stricke
Jerusalems nicht am Kreuze halten können. Was waren Nägel und Stricke für Den,
Der durch ein Wort Seines Mundes den Sturm beruhigen konnte? Nein, es war Seine
Liebe zu den Sündern, die sich freiwillig zum Opfer gab. Niemand nahm Ihm Sein
Leben. Er gab es von sich selbst. Die vollkommene Liebe zu Seinem Vater, der
Ge-horsam Seinen Geboten gegenüber, Seine vollkommene Liebe zu uns, waren die
Ursache, daß Er sich nicht selbst rettete. Er hätte die Hilfe von 12 Legionen
von Engeln beanspruchen können, um sich vom Kreuz frei zu machen, aber Er
brauchte sie nicht, denn Er war gekommen, um an-dere, nicht um sich selbst zu
retten. Da Er die Seinigen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte Er sie
bis ans Ende. Seine Liebe und Sein Ge-horsam waren vollkom-men. Es gab nur einen
Weg, um andere zu er-retten, und von die-sem Wege wich Er um keine Haaresbreite
ab.
Ein Artzt wurde einst gerufen,
Cholerakranke zu pflegen. Um die andere zu retten, hat er sich der Gefahr
preisgegeben, selber von dieser furchtbaren Krankheit erfasst zu werden. Ohne
Furcht er-füllte er seine Aufgabe und im Alter von 32 Jahren wurde er selbst von
dieser schweren Krankheit dahingerafft. Sicher hatte er bis zum Ende die
Hoffnung, diesem Schicksal zu entrinnen. Das Opfer seines Lebens war nicht
vollkommen freiwillig. Aber Christus hatte nicht den Wunsch, dem Tode zu
entgehen. Er hat den Kelch aus den Händen Seines Vaters genommen und war
entschlossen, ihn bis auf den Grund zu leeren. Er wusste, daß Er sterben musste
zur Errettung von Sündern und Er starb ganz freiwillig.
Der Heiland von Gott
verlassen
"Als es aber die Sechste Stunde war, kam
eine Finsternis über das ganze Land, bis zur neunten Stunde; und zur neunten
Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme und sagte: Eloi, Eloi, lama sabach-thani?
Was verdol-metscht ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
(Markus 15, 33-34).
Nachdem Jesus den Spott der Menschen
während der drei schweren Leidensstunden am Kreuze erduldet hat, lässt Gott die
Finsternis auf die Erde kommen, und die Menschen ziehen sich zurück. Jesus ist
nun allein mit Gott, und während dieser drei Stunden der Finsternis wurde das
Erlösungswerk vollbracht. Er wird für uns zur Sünde gemacht. Er empfängt die
Schläge der Gerechtigkeit Gottes; nichts kann sie abwen-den, noch mildern.
Während Seines ganzen Lebens hat Er die völlige Gemeinschaft mit Gott genossen,
aber nun muss Er auch diese Stütze verlieren.
Da die Liebe des Vaters Sein Element war,
wie gross muss da Sein Gefühl des Abscheus gegen diese Stunde gewesen sein, in
der der Fluch auf Ihn fiel; denn Er war heilig, rein und unbefleckt. Welches
menschliche Wesen kann die innerlichen Leiden des Christus während der drei
dunklen Stunden des Kreuzes ermessen? Er trank den bitteren Kelch des Gerichtes
Gottes über die Sünde. Sein unermessliches Leiden, die Last der Sünde der Welt,
die Ent-fernung von einem heiligen Gott, der kei-nerlei Verbindung mit der Sünde
dulden kann, das alles zwingt Ihn zu dem Ausruf: "Mein, Gott, mein Gott, warum
hast Du mich verlassen?" Durch Glauben hören wir diesen Ausruf, auf dass wir
wissen mögen, was dort geschah: Das Werk der Erlösung! Er wurde für uns zur
Sünde ge-macht, auf dass wir Gottes Gerechtigkeit würden in Ihm. So hat Er das
Gericht und den Zorn Gottes von Allen abgewandt, die an Ihn, den Ret-ter,
glauben. Nach diesem Ausruf weicht die Finsternis Seiner Seele und er kann
sagen: "Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist". Und als Er dies gesagt
hatte, verschied Er. Alles ist vollbracht, und wir haben nur die gesegneten
Folgen Seines Todes anzunehmen. Gnade und Verge-bung können nun allen Menschen
frei verkündet werden. Das ewige Leben wird einem Jeden, der da glaubt, umsonst
gegeben.
Das Zeugnis, das die Schriften über die
vollkommene und heilige Menscheit des Herrn Jesus ablegen, ist von grundlegender
Bedeu-tung. Christus war ein wahrhaftiger Mensch, geboren von einem Weibe, wie
wir, obschon der Ursprung Seines Daseins und die Art und Weise wie Er empfangen
wurde, von der unsrigen vollkom-men verschieden ist. Be-sonders im Evangelium
von Lukas wird uns der Herr als der Sohn des Menschen vorgestellt.
Die Geburt des Herrn
Jesu
Das Geheimnis der Fleischwerdung soll der
Gegenstand unserer Anbe-tung bleiben und nicht der Gegenstand unserer
Vernunft-schlüsse wer-den. Selbst die Bildung eines gewöhnlichen Kindes im
Mutterschoss ist ein Geheimnis, wieviel mehr die Bildung des Lei-bes Jesu in dem
Schoss der Jungfrau Maria. Ihre Empfängnis ist ein Wunder, gewirkt vom Heiligen
Geiste: "Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird
dich überschat-ten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn
Gottes genannt werden". (Lukas 1:26-38, 2:6-7) Das Betragen Jo-seph's ist ein
Wunder heiliger Ehrfurcht und Glaubensgehorsam, während Maria durch nichts der
Schmach der Welt ausgesetzt wird. Der Engel des Herrn kündigt das Kommen des
Erstge-borenen in Seine eigne Schöpfung an, und beruhigt die Befürchtungen
Jo-sephs, sodass er Maria zu sich nimmt. Matthäus erzählt uns wie das Leben von
Jesus hienieden anfing. Er war der vollkommene Mensch vor Gott, der Mensch ohne
Sünde, der Mensch nach dem Herzen Gottes, in dem die Fülle der Gottheit
leibhaftig wohnte. Jesus ist von einem Weibe und unter Gesetz geboren. Er ist
Imma-nuel, Gott mit uns, Sohn des Al-lerhöchsten. Gott und Mensch waren in Ihm
in einer Person vereinigt. Seine unbefleckte Geburt ist ein grosses Geheimnis.
Maria war als Jungfrau ganz unbekannt unter den Grossen dieser Welt. Verlobt mit
einem einfachen Zim-mermann, wurde sie die Mutter des Heilandes der Welt. Dazu
war Maria ein auserwähltes Gefäss, nachdem sie Gnade ge-funden hatte in den
Augen Gottes; wie der Engel es gesagt hatte: sie war begün-stigt von der höchste
Gnade und sie war gesegnet unter den Wei-bern. Der Herr Jesus wurde geboren als
ein wirkliches Kind durch die Kraft des Heiligen Geistes im Schosse Marias
empfangen, und auf dem von Gott festgesetzten Zeitpunkt geboren, für die
menschliche Natur gebärt. Er sollte "groß sein und Sohn des Höchsten genannt
werden". Bevor die Welt war, war Er der Sohn des Vaters; als Kind von einem
Weibe geboren trägt Er den Titel "Sohn des Höchsten", ein wunderbarer Namen für
einen wahrhaf-tigen Menschen. Der Heilige Geist sollte über Maria kommen und in
diesem irdischen Gefäß wirken ohne ihren oder irgendeines Menschen Willen. So
ist Gott die einzige Quelle des Lebens des der Maria verheissenen Kindes. Jesus
ist: "über allem, Gott gepriesen in Ewigkeit" Römer 9:5) Im zweiten Kapitel von
Lukas wird uns die Gegend beschrieben, in der die Geburt stattfand. Das vierte
Welt-reich von Daniel vorsagt, Rom, breite sein Zepter über die dama-lige Welt
aus. Damit die Schrift erfüllt würde bediente sich Gott eines Ediktes von Kaiser
Augustus, dem ersten römischen Kaiser, der die Zählung der ganzen Bevölkerung
des Reiches vorschrieb. So zogen Maria und Joseph von Nazareth, wo sie wohnten,
nach Bethlehem, wo nach der Prophe-zeiung Michas Jesus geboren wer-den sollte.
Der Ort in dem Jesus geboren wurde, ist von grosser Bedeutung. Es war kein platz
für Ihn in der Welt, selbst nicht in der Herberge; der Schöpfer des Weltalls hat
nur eine Krippe zu seiner Verfügung. Auch später hatte Er nichts wo Er Sein
müdes Haupt niederlegen konnte, und Er endete Sein Leben am Kreuze. Er hat an
allen Schwachheiten und Umständen des menschlichen Le-bens teilgenommen. Laßt
uns Ihn bewundern, Der als ein Kind, in Windeln gewickelt, hilflos in einer
kleiner Krippe liegt; welch ein Wunder der Erniedrigung und der freiwilligen
Selbstverleugnung. Dieses kleine Kind is indessen der Gegenstand aller
Ratschlüsse Gottes, der Erhalter und Erbe der ganzen Schöpfung, der Heiland
Aller, die durch Glauben das Leben und die Herrlichkeit ererben werden. Darum
ist nicht alles arm und klein bei der Geburt des Sohnes Gottes; denn auf den
Feldern offen-baren die Engel ihr In-teresse für dieses unvergleichliche
Ereignes. Eine Menge der himmlischen Heerscharen verkündet die unaussprechliche
Herrlichkeit des Neugeborenen. Die Gegenwart des Sohnes auf Erden ist die
Grundlage des Friedens auf Erden, der einmal seine Verwirklichung finden wird
wenn Er als König herrschen wird. "Herrlichkeit Gott in der Höhe, und Friede auf
Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen!" (Lukas 2:14) Dieses Wohlgefallen
findet Gott in dem Menschen Jesus Christus, und durch Ihn ist dieses
Wohlgefallen auf Alle gekommen, die ihre Zuflucht zu Ihm nehmen.
Die Jugend Jesu
Jesus kam nicht in die Welt wie Adam, der
als erwachsener Mensch ge-bildet wurde: Er mußte wachsen. Die sparsame Berichte,
die die Schriften über seine Jugend bringen, sind für unsere Seelen vom
un-schätzbaren Wert, Seine menschliche Natur war immer von Gott erfült, die
Lieblichkeit und Schönheit Seiner Kindheit rührt unsere Her-zen. Obwohl Er als
Kind Seinen Eltern untertan war, war Er sich doch immer Seiner Herrlichkeit als
Sohn Gottes bewußt. Sein menschlicher Verstand entwickelte sich vor Gott und den
Menschen. Obgleich Er Gottes Sohn war und dies wußte, war Er dennoch alles, was
ein Kind sein soll, aber in vollkommener Weise. Die Beziehung zu Seinem Vater
war Ihm ebenso gut bekannt, wie Sein Gehorsam gegen Joseph und gegen Seine
Mutter schön und vollkommen war.
Die Taufe am Jordan
Für Gott und für die Gläubige ist diese
Welt wie eine trockene Wüste worin sich keine einzige Quelle zur Erquickung
gefindet. Denn die Herzen der Menschen sind voller Haß gegen Gott. Alles in
dieser Welt lässt uns an der Menschheit verzweifeln; aber wenn sich unsere
Gedanken auf den Menschen richten, der Gottes Herz befriedigt hat, auf den Herrn
Jesus, dann findet auch unser Herz Ruhe und tiefe Befriedi-gung. "Es geschah
aber, als das ganze Volk getauft wurde, und Jesus getauft war und betete, dass
der Himmel aufgetan wurde, und der der Heilige Geist in leiblicher Gestalt, wie
eine Taube, auf ihn herabstieg, und eine Stimme aus dem Himmel kam: Du bist mein
geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden." (Lukas 3:21-22) Selbst
der Him-mel hat sich geöffnet, um Zeugnis zu geben, dass dieser Mensch der Sohn
Gottes ist. Je-sus, der Sohn des Menschen, der letzte Adam, steht in starkem
Gegensatz zu dem ersten Adam, der Gott um einer Frucht wil-len verliess. Er ist
abhänging und gehorsam, und Er betet, denn der Mensch in seiner Vollkommenheit
ist ein abhängiger Mensch der durch Glauben und Gebet lebt . Während Er betet,
öffnet sich der Himmel. Die Liebe Gottes ist befriedigt, weil sie einen
demütigen Menschen sieht, dessen ganzen Wandel seinen Ausdruck findet in dem
Worte: "ich traue auf dich." (Psalm 16:1) So kann der Heilige Geist auf Ihn
niedersteigen in Gestalt einer Taube, die im Gegen-satz zu der Taube Noah's eine
reine Stätte gefunden hat, wo sie ihren Fuß niedersetzen konnte inmitten eines
Meeres der Sünde und des Aufrühres. Dann verkündet der Vater Sein Wohlgefallen
an Seinem Sohne, und so werden dieBeziehungen zwischen Gott und den Menschen
wieder hergestellt, nicht weil der Himmel sich über einen Wesen geöffnet hat,
das im Himmel thront, sondern über einen Menschen, der auf der Erde war. In
diesem Men-schen wird die ganze Menschheit aufgefordert, in Gottes Gemeinschaft
zu treten in Seinem geliebten Sohn. In Wirklichkeit steht nur der Gläu-bige im
Genusse dieser Gemeinschaft, aber der Weg ist geöff-net für Alle, durch die
Predigt des Evangeliums.
Der Dienst des Herrn
Nach der Versuchung in der Wüste, wo Er
Satan durch die Schriften überwand, fing der Herr Jesus Seinen Dienst an.
Nach-dem Er den starken Menschen gebunden hatte, übernahm Er es, ihm seine Beute
zu entreissen und seine Gefangenen zu befreien. Nun konnte Er Sein Werk ohne
Hindernis ausüben. Sein Wort hatte Macht über die Gewissen. Er brachte Gnade,
begleitet mit grosser Kraft, um Sünden zu vergeben und Kranke zu heilen.So
arbeitete Gott durch einen geisterfüllten Men-schen. Durch Seine Gnade wurden
die Herzen zu Ihm gezogen, denn sie fanden einen Gegenstand, für ihre Zuneigung.
Diese Gnade ist für einen weiteren Kreis bestimmt, als für das Volk Israel, ein
Beweis, daß die wahre Gnade allgemein ist. Jeder, der das Bedürfnis hat, ist
willkom-men. Die Gnade wirkt ebenso zu Gunsten der Heiden wie zu Gunsten
Israels. Es gibt keine Klasse, die von der Gnade ausge-schlossen ist. "Die
Gesunden bedürfen nicht eines Arztes, sondern die Kranken; ich bin nicht
gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Busse" (Lukas 5,
31-32).
Die Gnade ist wie ein neuer Wein, der
nicht in alte Schläuche ge-gossen werden kann. Die Formen und Riten derMenschen
werden dort beiseite gesetzt, wo die wahre Gnade Gottes erscheint. Gnade ist
Liebe, die das Böse überwindet; Liebe, die sich zu denen aus-streckt, die ihrer
nicht würdig sind.
Die Abhängigkeit Christi verleiht Seinem
Dienst eine grosse Kraft und damit kann Er andere aussenden und sie mit Kraft
ausrüsten für das Zeugnis. Die Gnade sammelt die Gläubigen um den Men-schen
Christus Jesus. Welch ein Strom von Liebe ging unaufhörlich von seiner Person
aus. Und wenn dieser Liebesstrom Hindernisse auf seinem Wege fand, überflutete
er alle seine Ufer, um diese Hinder-nisse zu überwinden, bis er endlich das
Kreuz von Golgatha erreichte. Dort erwies sich die Gnade unendlich viel
überschwenglicher als der Strom menschlicher Ungerechtigkeit und Sünde, und von
Golgatha fluten die Wellen dieses Segens- und Liebesstromes über die ganze Welt
bis zu den Enden der Erde.
Christus und die Völker
"Darum habe ich mich selbst auch nicht
würdig geachtet, zu dir zu kommen; sondern sprich nur ein Wort, und mein Knecht
wird gesund werden. Als aber Jesus dies hörte.. sprach er: Ich sage euch, selbst
nicht in Israel habe ich so grossen Glauben gefunden." (Lukas 7,
1-10)
In diesem Hauptmanne wirkte der Grundsatz
des Glaubens; er ist ein treffendes Vorbild der Gnade, die bis zu einem Heiden
kommt. Es war ein lebendiger Glaube, so groß, daß Christus selbst in Israel
keinen so großen gefunden hatte. Der Hauptmann denkt sehr hoch über die Per-son
Christi, Seine Herrlichkeit und Macht, und er fühlt sich selbst sehr klein. Er
erkennt in Ihm Gottes Kraft und Liebe in Gnade. Die Einfalt seines Herzens ist
ebenso deutlich wie die Grösse seines Glaubens. Mehr und mehr offenbart sich der
Sohn des Menschen nach dem Evangelium des Lukas, als das Licht, das die Völker
erleuchtet.
Die Herrlichkeit des Sohnes des
Menschen
"Ich schaute in Gesichten der Nacht: Und
siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie eines Menschen Sohn; und er kam
zu dem Alten an Tagen und wurde vor denselben gebracht. Und ihm wurde Herrschaft
und Herrlichkeit und Königtum gegeben" (Daniel 7, 13-14).
"Und indem er betete, wurde das Aussehen
seines Angesichtes an-ders, und sein Gewand weiss, strahlend" (Lukas 9,
28-31).
Nachdem der Herr aus dem Munde des Petrus
das Zeugnis erhal-ten hat, der Christus Gottes zu sein, zeigt Jesus, auf welchem
Wege der Sohn des Menschen mit Herrlichkeit gekrönt werden soll. Es ist der Weg
der Verwerfung und des Kreuzes. Doch am dritten Tage sollte Er auferste-hen und
mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt wer-den. In der Verherrli-chung auf dem Berge
haben wir einen Vorgeschmack dieser kommenden Herrlichkeit. Danach beherrscht
Seinen Geist der Ge-danke an Seine bevorstehende Kreuzigung. Er, in dem Gottes
Ge-rechtigkeit und Menschliche vollkommenheit völlig vorhanden waren, mußte in
dieser Welt sterben, in die Er als Retter gekommen war. Dort wird der wahre
Charakter der Menschheit in dieser einen Tat enthüllt: "Sie haben den Fürsten
des Lebens zum Tode gebracht." Während Christus vom Berge der Verklärung
herabsteigt, hat Er es, in symbolischer Weise, mit den Dämonen zu tun; denn die
Herr-lichkeit des Sohnes des Menschen be-deutet die Niederlage Satans, des
Fürsten dieser Welt. Satan wird bald gebunden sein und seine Macht zunichte
gemacht werden nicht allein für den Glauben, wie es jetzt der Fall ist, sondern
bald in wirklichkeit, wenn Christus in Seiner Herrlichkeit erscheinen
wird.
Gethsemane
Im Garten von Gethsemane sehen wir Jesus
Christus als den Men-schen in der Prüfung. In dieser schrecklichen Prüfung wacht
und betet Er, indem Er alle Dinge vor Seinem Vater niederlegt, und in voller
Unter-würfigkeit das Verlangen ausdrückt, Seinen Willen zu erfüllen. Wie sehr
war der Herr darin vollkommen Mensch; Er brauchte einen Engel der Ihm helfen und
Ihn stärken mußte; der Kampf war für seine Seele zu groß. Die Tiefe des Leidens,
die Er im Geiste vor sich sieht, drängt Ihn heftiger zu beten. Die Folge Seiner
vollkommenen Gemeinschaft mit dem Vater ist, daß Er der ganzen Macht der
Finsternis gegenübersteht. Er sieht vor sich die Schmerzen so lebendig, daß Sein
Leib davon beein-flußt und Sein Schwieß wie große Bluttropfen wird. In Seiner
Seelen-angst sagt Er immer: "Vater". Er leidet im Geiste, indem er ermesset, wie
tief die Wasser sein werden durch die Er zu gehen hat, wenn Er Schlacht-opfer
für die Sünden sein wird auf dem Kreuz. Voraus wissend was geschehen wird,
leidet Er schon darunter, und aus dieser Tiefe ruft Er zu Seinem Vater. Das
Leiden am Kreuze ist etwas anderes: Es ist das Gericht Gottes über die Sünde.
Nachdem Er so vor Gott gekämpft hat, ist Er ruhig inmitten der Menschen. Welch
ein Bild des vollkommenen Menschen aber auch welch ein Bild von Gott geoffenbart
im Fleische sehen wir vereinigt in Christus wie Er war in Gethsemane!
Die Gerichtshandlung und die
Kreuzigung
In Gethsemane hat Christus den Kelch aus
der Hand des Vaters entge-gengenommen und nun können die wütende Menschen ihr
trauriges Werk fortsetzen. Er kann ihnen sagen: "Dies ist eure Stunde und die
Gewalt der Finsternis." (Lukas 22:53) Die Men-schen wollen nichts von Ihm wissen
und Gott lässt sie handeln. Christus gibt Sein Leben; denn das ewige Leben ist
für die Men-schen nicht anders zu erhalten als durch Seinen Tod und Seine
Auferstehung: "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es
allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht". (Joh. 12:24) Wie wir sehen,
legt Lukas, deutlicher als Matthäus und Markus den Nachdruck auf das Leiden des
Herrn in Gethse-mane. Er zeigt die Schrecken des Todes in Christus als im
Voll-kommenen Menschen. Aber Lukas führt uns weniger die Leiden des Kreuzes vor
Augen; er zeigt nicht, wie die beiden ersten Evan-gelisten, das Sühnopfer. Lukas
spricht nicht von dem Verlassensein von Gott während den drei Stunden der
Finsternis, in denen sich die Sühnung vollzog, aber Lukas verkündigt die
Ergebnisse dieses Werkes. Er er-wähnt einfach die Finsternis und unmittelbar
danach, daß der Vorhang des Tempels mitten entzwei riß. Juden und Hei-den sind
sich eins in der Verspottung des Gekreuzigten; doch hatte Gott selbst hier Trost
bereitet für Jesus in der Bekehrung eines ar-men Sünders: Das Paradies wird für
einen bekehrten Übeltäter geöffnet. Gereinigt durch den Glauben, hat nun jeder
bekehrte Sünder Zugang zu Gottes Gegenwart im Heiligtum. (Hebr. 10:19) Wo beim
Menschen nur tiefe Finsternis herrschte, da leuchtete die Seite Gottes in dieser
Szene hervor. Endlich ist alles voll-bracht und der Herr ruft mit lauter Stimme
aus: "Vater, in deine Hände be-fehle ich meinen Geist". Diese laute Stimme ist
ein bemerkenswer-tes Zeugnis der vollkommenen Menschheit des Herrn. In Ihm
befand sich kein einziger Zug der Sterblichkeit; nie hätte Er durch äusserliche
Ursa-chen sterben können. Sein Tod war keine Folge der Schwachheit, son-dern der
starke Schrei ist ein Beweis, daß Er frei-willig Sein Leben gab als eine Tat
göttlicher Macht. So hat Er den Tod überwunden und Er kann Seinen Geist sicher
in die Hände Seines Vaters legen. Durch den Tod des Herrn hat der Tod seine
Gewalt verloren. Sodann geht eine Weissagung in Erfüllung und sein Leib wird in
eine neue Gruft gelegt, denn: "Bei einem Reichen war er in Seinem Tode." (Jesaja
53:9)
Die Auferstehung
In seinem Letzten Kapitel beschäftigt sich
der Evangelist Lukas mit dem auferstandenen Herrn Jesus. Als siegender Mensch
vertraut Er Seinen Jüngern das Zeugnis in dieser Welt an. Dieses Zeugnis ist
gegründet auf die Auferstehung. "Siehe, da standen zwei Männer in strahlenden
Klei-dern bei ihnen. Als sie aber von Furcht erfüllt wurden und das Ange-sicht
zur Erde neigten, sprachen sie zu ih-nen: Was suchet ihr den Lebendigen unter
den Totan? Er ist nicht hier, sondern ist auferstan-den." (Luk. 24:1-6) Die
Auferstehung ist eine neue Wahrheit und Kraft, die weit über alle natürlichen
Grundsätze des Lebens geht. Durch das Kreuz ist die Tür für alles, was aus dem
alten Menschen kommt, geschlossen, und etwas ganz Neues ist uns in dem
auferstandenen Christus gegeben: "Das Alte ist vergangen; siehe alles ist neu
gewor-den." (2 Kor. 5:17) Unser Leib bleibt wohl derselbe in diesem Leben, aber
neues Leben ist uns geben, wovon der Charakter, die Beweggründe, die Mittel und
das Ende ganz anders geworden sind für alle die in Glauben wandeln. Die Frauen
und die Jünger suchen inmitten der Toten Den, der lebendig ist; Aber Seine Gnade
macht bald ihrer Unwissenheit und ihrem Unglauben ein Ende. So ist es auch mit
den zwei Jüngern auf dem Wege nach Emmaus, denen Er in allen Schriften zeigt,
was über Ihn geschrieben steht: Die Gedanken Gottes bezüglich des Christus.
Dieser Gedanke befreite sie von ihren engen Israeliti-schen Vorstellun-gen und
schenkte ihnen ein neues und himmlisches Schauen und ein neues Leben.
"Also steht geschrieben, und also mußte
der Christus leiden und am dritten Tage auferstehen aus den Toten, und in seinem
Namen Buße und Vergebung der Sünden gepredigt werden allen Nationen, anfangend
von Jerusalem" (Lukas 24:46-47). Christus ist nicht auferstanden, um Sein Reich
hier aufzurichten, sondern um in Seine Herrlichkeit einzugehen. Er ist
auferstanden in einem Leibe, der Fleisch und Bein hatte und der doch ein
geistiger Leib war. Er ist der zweite Adam, und alle, die an Ihn glauben, sind
mit Ihm auferstanden. Nicht nur hat Er unsere Sünden weggenommen, Er schenkt uns
auch die Kraft der Auferstehung im Gegensatz zur Macht der Sünde, im Blick auf
ein Leben der Ueberwin-dung und bleibenden Gemeinschaft. In der Kraft des
Heiligen Geistes, der das Bewußtsein eines neuen Lebens gibt, kann und muß der
Gläubi-ge seine Glieder, die auf der Erde sind, im Tode halten, d.h. den Tod des
Christus auf seine alte Natur anwenden.
In der Auferstehung ist Christus
wahrhaftiger Mensch, Er zeigt die Wunden in Seinen Händen und Füssen und
verlangt, daß man Ihm zu essen gebe. Welch ein Glück für den Menschen zu wissen,
daß ein Mensch Ueberwinder war über den Tod, und daß auch wir durch diesen
Menschen Teil haben an dieser Ueberwindung.
Die Himmelfahrt und die
Verheissung
Zwei Wahrheiten kennzeichnen das heutige
Zeitalter: Erstens, es gibt einen verherrlichten Menschen im Himmel, zweitens
der Heilige Geist ist hier auf der Erde gegenwärtig. Die große Botschaft des
gekreuzigten und auferstandenen Christus muß weit zu allen Völkern gebracht
wer-den. Das Kreuz hat den alten Bund zwischen Gott und Israel beiseite gesetzt
und die Türe der Bekehrung und der Vergebung der Sünden zuerst den Juden und
nachher den Hei-den geöffnet. Aber für die Predigt dieses Evangeliums ist eine
Kraft notwendig, die Kraft des Heiligen Geistes. Diese Kraft aus der Höhe konnte
nicht vor der Himmelfahrt und der Verherrlichung Jesu zu den Menschen kommen.
Der verherrlichte Mensch hat den Heili-gen Geist gesandt, um von Seiner
Herrlichkeit zu zeugen. Seit die Apostel mit dem Heiligen Geiste erfüllt wurden,
ist auf der Erde ohne Unterbrechung Zeugnis abgelegt worden von dem himmlischen
Menschen dem Haupt und Bräutigam der Erlösten. Er, der verherrlichte Sohn des
Menschen Dessen Name erhaben ist über alle Namen, erwartet den Tag, an den Er
die Früchte Seiner Erniedrigung und seines Todes um sich geschart haben wird.
Der Heilige Geist bildet die Liebe der Versammlung, so daß sie sich immer mehr
sehnt, ihren Bräutigam von Angesicht zu Angesicht zu sehen und mit Ihm in Seiner
Herrlichkeit vereint zu sein.
Der Grundgedanke in Verbindung mit dem
Titel "Lamm Gottes" ist: "Ohne Blutvergiessen gibt es keine Vergebung" (Hebr.
9:22) Durch das blutige Opfer am Kreuze ist die Söhnung all unserer Sünden
vollbracht. Die irdische Laufbahn Jesu Christi trägt wohl die Züge der Sanfmut,
Demut und Reinheit, die an ein Lamm erin-nern, aber wenn Er nicht am Kreuze
gestorben wäre, so würde Sein ganzer Dienst bezüglich der Wiederherstellung
unserer Beziehungen zu Gott nutzlos gewesen sein. Jesus ging von Ort zu Ort, um
überall wohlzutun; jedoch allein Sein Tod hat uns den Zugang in die Gegenwart
Gottes gebahnt "durch den Vorhang". Der Mensch kann Gott nur mittelst eines
Opfers nahen. Das Lamm Gottes Hat die Forderungen Gottes wie auch die
Bedürfnisse des Sünders völlig gestillt. Nur beim Kreuze findet das Gewissen des
Sünders Ruhe, nur am Kreuze wurde Gott vollkommen verherr-licht. Der Glaube
schenkt der Seele einen Frieden, den die Welt weder geben, noch nehmen kann. "Da
wir nun gerechtfertigt wor-den sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott
durch unse-ren Herrn Jesus Christus" (Römer 5, 1). Die Opfer nach dem Gesetz
Moses stellen im Vorbild das Opfer des Lebens Christi dar. Das "Blut" offenbart
das Sinnbild des Lebens, das "Fett" die Vor-trefflichkeit Seiner Person. Darum
verbot das Gesetz den Genuß des Blutes und des Fettes. (3. Mose
17:14)
Christus ist das Leben; Sein Leben war
ohne Fehl. Aber am Kreuze (und nur dort) hat Er die Sünden auf sich genommen und
ist in den Tod hin-abgestiegen. Er hat Sein Leben wiedergenommen (Joh. 10, 17).
Aber die Sünde ist für immer im Tode geblieben, sodaß er wirklich die Sünde
weggenommen hat. Als Er sein Leben ließ, wurde die Sünde zunichte gemacht. "...
Weil ich mein Leben lasse, auf daß ich es wiedernehme" (Joh. 10, 17). Die Sünde
wurde Ihm zugerechtnet, als Er am Kreuze starb. Er hat unsere Sünden an Seinem
Leibe auf dem Kreuze getragen. Er ist Gott an unserer Statt im Gerichte begegnet
und wurde von Ihm verlassen. Und als Er starb, mit dem Rufe "Es ist vollbracht",
hatte die Sünde ihr gerechtes Gericht empfangen.
Der Stand eines Gläubigen hängt nicht
davon ab, was er selbst ist, son-dern von dem, was Christus ist. Jeder, der Gott
"im Namen Jesu" naht, ist mit Ihm vereinigt, und in Seinem Namen angenom-men.
Gott verwirft Seinen Sohn nicht, und Er verwirft niemand, der im Namen Seines
Soh-nes zu Ihm kommt. So ist der Gläubige eins mit Christus. So haben wir Leben
und Licht, gegründet auf Gottes Liebes-ratschlüße und bestätigt durch das Blut
des Lammes. Der Anfang des Lebens mit Gott ist die Er-kenntnis einer
vollkom-menen Errettung, eines festen und sicheren Friedens durch das kostbare
Blut des Lammes. Welch ein Vorrecht für uns, die wir Kinder des Zornes waren,
"tot in Sünden und Uebertretun-gen", entfremdet dem Leben Gottes" (Eph. 2,
1:4,18)! Das einzige wahre Mittel, das "Leben zu sehen", ist, "an Gottes Sohn zu
glauben"; denn ausserhalb Christus ist alles Tot und Elend. Nur wenn wir mit den
Augen des Glaubens auf das geopferte Lamm schauen, das auf dem Fluchholz die
unermeßliche Last unserer Schuld trug, treten wir auf den Pfad des Lebens und
haben Teil an der ewigen und unaussprechlichen Freude des Himmels. Diese Freude
nimmt beständig zu, wenn wir mit Christus wandeln, und wird ihre Voll-endung an
dem Tage finden, da wir das Lamm Gottes sehen und anbeten werden.
Das zuvor erkannte Lamm
Unsere Erlösung ist gegründet auf das Blut
des Lammes, nach dem ewi-gen Ratschluß Gottes. Die Erlösung war nicht nur die
Antwort auf die Sünde, sondern ehe die Welt war, vor der Erschaffung dessen, der
Got-tes Widersacher Wurde, und bevor es Sünde gab, bestanden die großen Vorsätze
der Liebe in Gottes Gedanken.
Der Vorsatz der Erlösung ist nicht nur
festgestzt worden, um Hei-lung von dem schrecklichen Bösen zu bringen, das der
Feind durch die Ver-führung von Adam und Eva in die Welt gebracht hat, son-dern
dieser Vorsatz bestand schon vor der Schöpfung. Zur gegebe-nen Zeit hat Gott
Seinen Plan bezüglich des Lammes ohne Fehl und ohne Flecken, das von aller
Ewigkeit herzu vorerkannt war und das am Ende der Zeiten um unsertwillen
geoffenbart werden sollte, ausgeführt. Nachdem durch einen Menschen die Sünde in
die Welt gebracht wurde, wurde der herrliche Gedanke der Erlösung durch das Blut
des Lammes geoffenbart. Diese Erlösung wurde am Kreuze von Golgatha vollbracht.
Die reichen und herrlichen Ergebnisse dieser Erlösung werden verwirklicht
werden, wenn die große Menge der Heiligen, in Weiß gekleidet und mit Palmen in
den Händen, sich um den Thron Gottes und des Lammes scharen wird. Der ewige
Ratschluß Gottes in Christus ist so die Grundlage des Friedens des
Gläubigen.
Das geschlachtete Lamm
Das ganze Alte Testament mit seinen Opfern
kündigt "das Lamm Gottes" an, "das die Sünde der Welt wegnimmt", (Joh. 1, 29,
36) und das tref-fendste Bild ist das Passahlamm, das die Israeliten erst am
Vorabend ihres Auszuges aus Aegypten geschlachtet haben. Das Blut des Lammes
schützt vor dem Gericht, denn dieses Gericht ist auf das heilige Opfer gefallen.
Nachdem der Herr Jesus Sein kostbares Blut zur vollkommenen Tilgung der Sünde
vergossen hatte, hat Er dieses Blut in die Gegenwart Gottes gebracht und die
Besprengung ausgeübt. Das Blut des Lammes hat ein solch hohen Wert in den Augen
Gottes, daß Er auf Grund dieses Blutes und Seiner Gerechtigkeit alle Sünden
vergeben und den Sünder an-nehmen kann als vollkommen gerechtfertigt in
Christus. Wir sind nicht gerettet durch den Wert, den wir dem Blute zuschreiben,
sondern einfach durch das Blut. Es schenkt uns Frieden und voll-kommene
Gerechtigkeit vor Gott. Wie wäre all dies vollbracht worden, wenn nicht durch
das fleckenlose Lamm Gottes, durch Seinen Gehorsam bis zum Tode am Kreuze? Das
Kreuz Christi ist die große und einzige Tat Süh-nenden Leidens für die Sünde.
Auf dem Kreuze beugte Er sein Haupt unter fremde Schuld und ließ Sein Leben für
unsere Sünden.
Das Werk Christi für uns ist absolut und
ewig vollkommen. Christus hat sagen können: "Ich habe dich verherrlicht auf der
Erde: das Werk, habe ich vollbracht, welches du mir gegeben hast, daß ich es tun
sollte" (Joh. 17, 4); und: "Es ist vollbracht"! (Joh. 19, 30). Nur auf dem
Kreuze hat Christus für die Sünde gelitten. Der Leib der Sünde mußte durch den
Tod zunichte gemacht und die Macht Satans weggetan werden.
Das Lamm als Mittelpunkt des
Zusammenkommens
"Wo zwei oder drei versammelt sind in
meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte" (Matth. 13,20). "...Denn auch unser
Passah, Chris-tus, ist geschlachtet. Darum laßt uns Festfeier halten, ...mit
Ungesäuertem der Lauterkeit und Wahrheit" (1 Kor. 5, 7-8).
Nicht nur ist das Blut des Lammes die
Grundlage des Friedens für den Gläubigen, sondern das Lamm Gottes ist selber der
Mittel-punkt der Ein-heit der Erlösten. "Die ganze Versammlung der Ge-meinde
Israels soll es schlachten zwischen den zwei Abenden" (2. Mose 12,6). Das
Passah-lamm zeigt zwei Gesichtspunkte: Den Grund der persönlichen Sicher-heit,
aber auch den Mittelpunkt der Einheit. Ganz Israel aß das Passahlamm in einer
heiliger Gemein-schaft. Der Erlöste kann sich nicht in der Einsamkeit von
Christus nähren. Er ißt in Gemeinschaft mit Gott und in Gemeinschaft mit den
anderen Erlösten. Der Heilige Geist ver-sammelt uns um den verherrlichten
Christus, das Lamm Gottes, und nährt uns mit Seinen Herrlichkeiten. Von dieser
Gemeinschaft ist der Tisch des Herrn der sichtbare Ausdruck auf der
Erde.
Das Lamm als Mittelpunkt der ewigen
Anbetung
Das Lamm, jetzt im Himmel verherrlicht,
ist der Mittelpunkt der Anbe-tung in der Versammlung auf Erden, und wird es
sein, wenn die Ge-meinde von der Erde weggenommen und im Himmel um das Lamm
geschart sein wird. Dann werden wir Ihn, als "Geschlachtet" in der Mitte des
Thrones sehen, während Er den Willen Gottes in Bezug auf die Erde in Macht
ausführen wird. Das Ergebnis wird dann "die Wieder-herstellung aller Dinge"
sein.
Die vier Lebendigen Wesen und die
vierundzwanzig Aeltesten werden vor dem Lamme niederfallen und Ihm ihre Ehre
bringen. Er, der einmal am Kreuze gelitten hat und starb, wird die Herrschaft
über das Weltall antreten. Gott hat dafür gesorgt, daß zu allen Zeiten ein
Zeugnis in Be-zug auf die Erlösung durch das Blut des geschlachteten Lammes,
vorhanden ist. Die myriaden der Engel, die allgemeine Versammlung, werden
ebenfalls die Würdig-keit des Lammes anerkennen. Welch eine Eindrucksvolle
Harmonie wird an jenem Tage vom Himmel ausströmen. "Dem, der auf dem Throne
sitzt, und dem Lamme die Segnung und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht
von Ewigkeit zu Ewigkeit!" (Offbg. 5, 13). Welch ein wunderbares Ergebnis Seines
Leidens am Kreuze; welche Frucht des Lobes und der Anbetung wird Ihm von seiten
all Seiner Geschöpfe zuteil werden. In diesem Charakter des Lammes wird die
Versammlung mit Christus verbunden werden bei der Hochzeit des
Lammes.
Die Vereinigung Christi mit der
Versammlung hat ihre Wurzel in Seiner Erniedrigung, Seinem Leiden und Seinem
Tode zur Herrlichkeit Gottes. Als das Blut und das Wasser aus Seiner Seite
flossen, hat der Vater Ihm eine Braut gebildet. Sie ist die Frucht Seines
Leidens, das Er als das Lamm Gottes erduldet hat. In dieser Gestalt der Demutund
des Leidens hat Gott Ihm durch den Heili-gen Geist eine Braut zubereitet. Sie
hat sich auf Erden bereit er-klärt, in Gegenwart der Mächte der Finsternis
hienieden, in Demut zu leiden. Aber welche Herrlichkeit wird sie besit-zen, wenn
sie öffentlich vereint werden wird mit dem verherrlichten Lamme.
"Wenn nun der Sohn euch frei machen wird,
so werdet ihr wirk-lich frei sein" (Joh. 8, 36)
Gibt es auf Erden etwas, das die Menschen
mehr begehren als die Frei-heit? Wieviele Kriege für die Freiheit haben die Welt
erschüt-tert, wieviele Revolutionen und soziale Kämpfe. Der Mensch liebt es,
frei das Leben zu wählen, das er führen will, und er glaubt, es zu tun können.
Aber unter dem Einfluss Satans hat der einst freie Mensch den Weg der Sklaverei
gewählt, als er die Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und des Bösen aß.
Das Ergebnis davon ist die Unterwerfung der ganzen Menschheit unter die Macht
der Finsternis, unter die Tyrannei dessen, der der Fürst die-ser Welt geworden
ist. Die Scheinbare Freiheit des Menschen - seine Fähigkeit zu tun, was er will,
ist also keine wirkli-che Freiheit; denn sie führt ihn unter die Sklaverei
Satans. Die wahre Freiheit ist die Christliche Freiheit, die anfängt wenn ein
Sünder zum persön-lichen Glauben im Herrn Jesus kommt. Seine alte, sündige
Natur, ist mit Christo am Kreuze Gestorben, und er bekommt eine neue Natur
dessen Genuss es ist, den Willen Gottes zu tun. Gehorsam an Gott ist die wahre
Freiheit des Christen. Die Macht Gottes steht der Macht Satans gegenüber und
wenn die Gegenstände Seiner Sorge die Kraft des Glaubens verwirklichen, ist ihre
Erlösung wirklich vollkommen und ewig. Satan hat die Macht des Todes, aber Gott
ist der Gott der Lebendi-gen. Er teilt ein Leben mit, das außer dem Bereich des
Todes liegt; ein Leben, das Satan nicht berühren kann. Die zehn Plagen Aegyptens
of-fenbaren die Macht Gottes, und wenn durch das Passahlamm die Erlö-sung von
der Macht des Todes be-wirkt wird, so ist die Befreiung aus der Hand des
Bedrückers nur eine natürliche Folge davon. Gott war gekommen, um Sein Volk zu
erlösen, und die ganze Macht Satans hat es nicht eine Stunde länger als für die
von Gott bestimmte Zeit in Gefan-genschaft hal-ten können. Die Kinder Israel
inmitten des Betriebes der Ziegelöfen in Aegypten stellen genau den Zustand
eines jeden Kindes Adams von Natur dar. Wir sind von Natur Sklaven der Sünde,
bedrückt unter dem Joch des Feindes, und ohne irgendwelche Kraft, uns selbst zu
befreien. Es ist notwendig, daß die Befreiung von außen kommt. Der Sünder ist
"Fleischlich, unter die Sünde verkauft" (Römer 7,14). Er ist Satans Gefangener,
um seinen Willen zu tun, gekettet in den Banden seiner Begierden, seiner
Leidenschaften und seines Charakters; er ist "kraftlos" (Römer 5,6); "ohne
Hoff-nung - ohne Gott" (Eph. 2,12). Wie kann er davon frei werden? Er kann um
die Freiheit ringen, aber seine Anstrengungen sind - ob-gleich sie von seinem
Verlangen zeugen, frei zu werden - die posi-tive Bestätigung seiner
Sklaverei.
Wir brauchen einen Erlöser, und in
Christus haben wir Den, der die Macht hat, uns ganz zu befreien; nicht nur um
uns die Last der Sünde abzunehmen, sondern um uns auch vom Joch der Sünde, der
Welt und des Fleisches loszumachen. Israels größtes geschicht-liches Ereignis
war der Auszug aus Agypten durch die starke Hand und den ausgestreckten Arm des
Herrn. Gott hat in dieser Erlösung alles erfüllt, und Israel hatte sich nur
ruhig zu verhalten, von allen eigenen Anstrengungen abzuse-hen und sich Ihm, Der
für sie stritt, anzuvertrauen und das Werk der Erlösung des Herrn anzuschau-en.
So gingen die Kinder Israels durch Glauben (Hebr. 11:29) durch die Wasser des
Roten Meeres. Aber wie klein war diese Er-lösung, wenn wir sie vergleichen mit
dem, was Christus am Kreuze zu stande gebracht hat. Christus ist ja durch die
Wasser des Todes hindurchgezogen, und durch Glauben ziehen auch wir hindurch, um
mit Ihm teilzuhaben an der Auferstehung. In Ihm sind wir nicht nur abgesondert
von der Welt, sondern wir haben Zugang zum Lande der Verheißung. Wir sind "mit
Ihm auferweckt", und "in Ihm sitzen wir in den himmlischen Örtern. (Eph.
2:6).
Die Erlösung am Kreuze
vollbracht
Am Kreuze hat Christus über die ganze
Macht des Feindes gesiegt, und so eine vollkommene und ewige Erlösung bewirkt.
Darauf ist Er trium-phierend in die himmlische Örter eingegangen, und hat uns
dort auf ewig mit sich selbst verbunden, auf daß wir gesegnet seien "mit jeder
geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christo" (Eph. 1:3) Die Mächte
der Finsternis haben Ihn durch die Hände von Ungerechten gegriffen, entkleidet,
verspottet und endlich ans Kreuz geheftet. Die Menschen und die Dämonen wohnten
dort dem scheinbaren Sieg Satans und der scheinbaren Niederlage Christi bei.
Alles aber war nur Schein, denn in dieser Schande und in diesem Tode leuchtete
in Wirklichkeit der Sieg unseres großen Erlösers. Indem Er mit Geduld den Haß
der men-schen ertrug, überwand Er durch den Tod den, der die Macht des Todes
hat, das ist den Teufel (Hebr. 2:14). Er war Überwinder, und nahm den
gottfeindlichen Mächten ihre Macht. Er hat sie endgültig entwaffnet und sie
öffentlich zur Schau gestellt, um den Menschen und den Engeln die Schande ihrer
Niederlage zu zeigen. Wir sind vom Machte Satans befreit. Gesegnete Erlösung,
vollendet am Kreuze uns in Christo frei machend!
Die Befreiung vom Gesetz
Das Gesetz, wie Gott es Mose gegeben hat,
ist göttlich, heilig und gut, aber es richtet sich nur an den unbekehrten
Menschen, nicht um ihn zu rechtfertigen, sondern um ihn von der Sünde zu
über-führen. Israel hat seine Ohnmacht, das Gesetz zu erfüllen, gezeigt. Unter
dem Gesetz ist die sündige Natur viel eher von Satan getrie-ben, die heiligen
Gebote zu übertreten. Nicht nur wird der natürli-che Mensch, unter Gesetz
gestellt, ein übertreter, das Gesetz spricht seinen Fluch aus über alle
diejenigen, die es nicht buchstäblich erfüllen. So ist das Joch des Gesetzes
unerträg-lich geworden für Israel, und ist es heute noch für alle die sich unter
seine erdrückende Last Stellen. Die Ehe als Beispiel nehmend, er-klärt der
Apostel Paulus im siebenten Kapitel des Römerbriefes, daß das Gesetz nur Macht
hat über den Menschen, solange er lebt. Der Gläubige, mit Christus gestorben,
ist von der Autorität des Gesetzes befreit. Dies ist ein großer Segen, denn alle
die unter dem Gesetz sind, sind unter dem Flu-che. (Gal. 3:10) Der Mensch ist
von Natur gesetzlich d.h. er sieht in der Religion eine Zusammenstellung von
Geboten und Verboten. Viele Kinder Gottes bleiben lange gesetz-lich, und dies
verhindert sie, völlig die wahre Gnade Gottes in der sie stehen, zu geniessen.
Die Erkenntnis unserer Erlösung vom Ge-setz bringt also eine große Freude in
unsere Herzen, und macht aller Dienstbarkeit, die nicht mit unserer Stellung in
Einklang steht, ein Ende. Diese Wahrheit gilt für den Gläubigen aus den
Na-tionen wie für den Gläubigen Juden, denn die menschliche Natur ist
gesetzlich. In dem Augenblick, in dem unsere Gedanken sich auf die Frage
konzentrieren: "Was muß ich tun, oder was muß ich nicht tun", anstatt
beschäftigt zu sein mit dem Reichtum der Gnade, die in Christo ist, werden wir
gesetzlich, und haben die Neigung, zu Fall und zu Enttäuschungen zu kommen, die
von einem bösen Gewissen begleitet sind. Durch den Glauben können wir völligdie
kostbare Wahrheit er-fahren, daß wir durch das Einssein mit Christo in Seinem
Tode, vom Gesetze und Fluche be-freit sind. (Gal. 5:1) Wir sind nun, wie durch
eine Heirat, mit einem Anderen verbunden: mit Christus, Der aus den Toten
aufer-standen ist, auf daß wir Gott Frucht bringen sollten, die köstliche Frucht
des Geistes: "Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue,
Sanftmut, Enthaltsamkeit" (Gal. 5:22). Diese Frucht für Gott wird nicht durch
unsere eigenen Anstrengungen, sondern nur durch Glauben hervorgebracht. Die
Kraft, sie hervor-zubringen, liegt in unserem Befreier; wir haben nur die Augen
auf Ihn zu richten in der Erwartung, daß Er in Gnaden wirken möge zu Seiner
höchsten Ehre. Verzichten wir denn auf unsere eigenen Anstrengungen zur
Heiligung; laßt uns Ihm vertrauen, auf daß Er die Frucht in uns hervorbringe
durch Seine heiligende Kraft.
Die Befreiung von der
Welt
Die Welt ist das Reich Satans, des Fürsten
dieser Welt und des Gottes dieses Zeitlaufs. Der Natürliche Mensch ist seiner
Macht unterworfen: Die ganze Welt liegt im Bösen. Welch eine tröstliche Wahrheit
ist es, daß wir der Welt gestorben sind. Eins gemacht mit Christus in Seinem
Tode am Kreuze sind wir von der Welt befreit. Die Welt ist gerichtet worden im
Tode Christi weil sie den Fürsten des Lebens umgebracht hat. Paulus sagt, daß er
der Welt gekreu-zigt ist. Zwei Leichname können keine Anziehungskraft mehr
aufeinander ausüben. Durch den Glauben an unser Gekreuzigtsein mit Christus
verschwindet die Anziehungskraft, die die Welt auf uns ausübt. All ihr
verführerischer Schein hat keinen Einfluß auf jemand, der die Welt als zum Tode
verurteilt und sich selber als mit Christus gestorben betrachtet. Das Kreuz ist
eine unübersteig-bare Schranke zwischen der Welt und dem Kinde Gottes. Wenn wir
in Gemeinschaft mit Gott und abgesondert von der Welt leben, so werden wir den
Haß von seiten der Welt erfahren und weniger Mühe haben, den wahren Charakter
ihres Hasses gegen Gott und seine Kinder zu un-terscheiden.
Befreiung von der Sünde
Wenn wir uns zufrieden geben würden mit
dem Gedanken, daß unsere Sünden und Übertretungen weggetan sind, so würde unser
christliches Leben bald sorglos, gleichgültig oder weltförmig wer-den. Das kommt
daher, daß selbst ein wahres Kind Gottes keine Kraft in sich selbst hat, der
Lust des Fleisches und den Verführun-gen Satans zu widerstehen. Um in
Gemeinschaft mit Gott zu wan-deln, genügt es nicht, nur zu glauben, daß Christus
für unsere Sünde gestorben ist, sondern der Gläubige muß auch wissen, daß er mit
Christus gestorben ist. Zu einem siegreichen Glaubensleben gehört also die
Erkenntnis von zwei Wahrheiten:
1. Christus ist für meine Sünden
gestorben, und
2. Ich bin mit Christus
gestorben.
Unsere Sünde, unsere bösen Taten sind
weggetan, nicht aber der Ur-sprung der Sünde in unserem Fleische, die bis zum
Tode in Jedem Kinde Gottes wohnt. Die Schrift nennt dies "die Sünde im Fleische"
oder der "alte Mensch" oder die alte Natur die wir von Adam her
haben.
Sünde im Fleische hat immer die Neigung,
uns zu neuen sündigen Taten zu verleiten. Wie können wir dies verhindern? Die
Macht des sündigen Fleisches kann nur gezähmt werden durch die Kraft des
Heiligen Geistes der den Glauben an unsern Befreier Jesus Christus betönt. Gott
vergibt diese Sünde im Fleische nicht. Auch verbessert er den "alten Menschen"
nicht und nimmt diesen nicht aus uns weg. Gott hat ein Ding getan um das sündige
Fleisch kraftlos zu machen: Er hat die Sünde im Fleische verurteilt. Das ist
eine köstliche Seite des Kreuzes Christi für den Chris-ten, der den Sieg über
die Sünde im Fleische davontragen will: (Römer 8:3) Wenn wir uns als mit Christo
gekreuzigt betrachten, so sind unse-re Gedanken über uns selbst in
Übereinstimmung mit Gottes Gedanken über uns: und in dieser Gemeinschaft,
gepaart mit vollkommenem Ver-trauen auf Christus, den Befreier und Über-winder,
verwirklichen wir die Überwindung über den Willen des Fleisches und vollbringen
die Sünde nicht." (Judas 24-25)
Die Erlösung des Leibes
Da der Gläubige hier auf Erden immer das
Fleisch in sich trägt - das Gesetz der Sünde, das ihm die Strahlen des
Angesichtes Gottes verschlei-ern will, kann es uns nicht wundern, daß seine
sehnlichste Hoffnung ist, für immer von dieser alten Natur befreit zu werden und
bei dem Herrn zu sein. Die entgültige Befreiung des sterblichen Leibes findet
entweder bei der Wiederkunft des Herrn statt, oder beim Sterben der Gläubigen.
Bei der Wiederkunft des Herrn zieht das Verwesliche Unverweslichkeit an, und das
Sterbliche Unsterblichkeit (1 Kor. 15:53). Wenn wir aus dem Tode auferstehen,
werden wir mit einem neuen und verherrlichten Leibe überkleidet werden, an
welchem weder Sünde noch Sterblichkeit, weder Schwachheit noch Müdigkeit oder
Scmerz gefunden wer-den. Wenn wir dann Christus, den Erlöser, von Angesicht zu
Angesicht sehen werden, so werden wir völlig von Seinem Siege am Kreuze
geniessen. Wir seufzen und klagen jetzt noch in unse-rem irdischen Zelt, aber
bald wird dieses einer besseren Wohn-stätte Platz machen, die nicht mit Händen
gemacht ist sondern ewig in den Himmeln. Wir werden dann dem verherrlichten
Christus gleichförmig sein.
Das Geheimnis der Dreienigkeit kann nicht
durch den menschli-chen Verstand enthüllt werden; um den Vater, den Sohn und den
Heiligen Geist zu kennen, ist eine Göttliche Offenbarung not-wendig, die durch
den Glauben geschenkt wird. Jeder Christ soll getauft werden im Namen des
Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Durch die Taufformel bekennen wir,
daß der Sohn eine göttliche Person ist, ebenso wie der Vater un der Heilige
Geist. Es gibt also drei Personen in der Einheit des göttlichen Wesens. Die drei
Personen der Gottheit, so wie der Glaube sie kennt, stehen in Beziehung zu
einander. Der Vater und der Sohn sind in der göttli-chen Herrrlichkeit, und
obwohl sie in Herrlichkeit gleich sind, bestehen zwischen Beiden die Beziehung
zu einander. Der Vater und der Sohn sind in der göttlichen Herrlichkeit, und
obwohl sie in Herrlichkeit gleich sind, bestehen zwischen Beiden die
Bezie-hungen von Vater und Sohn.
Der Sohn des Vaters
Die Namen von Vater und Sohn werden uns
deutlich geoffenbart im Neuen Testament und besonders im Evangelium nach
Johannes. Unsere Herzen können verstehen, was diese Namen für unser ewi-ges
Glück be-deuten. Der Sohn, der im Schoße des Vaters ist, hat uns den Namen und
den Charakter des Vaters kundgemacht. (Joh. 17:26) Am Jordan wurde der Name des
Sohnes vom Himmel durch den Vater ausgesprochen: "Dieser ist mein geliebter
Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe." (Matth. 3:17) Jesus ist der Sohn des
Vaters Liebe, das Bild des unsichtba-ren Gottes, der Abglanz Seiner
Herrlichkeit. Das Evangelium nach Jo-hannes stellt uns den Vater im Sohn, der
das Bild des Vaters ist, dar, aber auch die Wahrheit daß der Sohn im Vater ist,
Ausdruck Seiner Liebe. Die gegenseitige Liebe, die Vater und Sohn verbindet, hat
sich auch an uns, Menschen, in ihrer ganzen Fülle entfaltet. Den Willen des
Vaters zu tun war die höchste Offenbarung dieser Liebe, nachdem der Sohn auf
Erden gekommen war. (Joh. 3:35, 17:24-14:31, Spr. 8:30) Denn der Wille des
Vaters war, daß der Sohn sich selbst zu nichts machte (Phil. 2:5-10) daß Er in
den Tod ging und daß Er sich opferte um den Zorn Gottes an Stelle der verlorenen
Sünders zu erdulden. Durch Sein Opfer am kreuze wissen wir nun, mit welcher
Liebe uns den Vater geliebt hat. Jesus ist am Kreuze erhöht worden, auf daß Er
als Sohn die himmlischen Dinge offenbaren möchte: Die Liebe des Vaters. Jesus,
ewiglich vom Vater geliebt hat den Vater offenbart, in dem Er uns gleich
geworden ist, unsere Natur annehmend. Der Sohn, der alle Dinge geschaffen hat,
kam, um uns Mitteilhabern der himmlischen Dinge zu machen. Die gegenseitige
Liebe zwischen Vater und Sohn war keine neue Er-fahrung für den Sohn, als Er auf
die Erde kam;... "denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt". (Joh.
17:24) Er ist der ewige Sohn der Liebe des Vaters. Diese Liebe ist nicht
unerklärlich, sie ist der Gegenstand einer deutlichen Offenbarung. Eine solche
Liebe geht über alle Begriffe von Anfang und Ende und ist das Kennzeichen der
ewigen Sohnschaft. Die Liebe, die das Herz des Vaters erfüllt, findet eine
voll-kommene Aufnahme sowie eine völli-ge Antwort im Herzen des
Sohnes.
Der Sohn der Maria
Johannes stellt den eingeborenen Sohn im
Schosse des Vaters dar, den Sohn, geliebt vor Grundlegung der Welt,Lukas spricht
von Ihm als von dem Sohn des Höchsten und zwar schon vor Seiner Geburt in dieser
Welt; Matthäus und Markus nennen Seinen Na-men "Sohn Gottes" erst von Seiner
Taufe im Jordan an. Der Glaube sieht hinter dem Schleier der Erniedrigung, der
das Kind von Bethlehem verhüllt, die ganze göttliche Herrlichkeit des Sohnes
Gottes. Der Schöpfer des Weltalls, der einst von Licht umhüllt war wie von einem
Mantel, lag da in einer kleinen Krippe, in Windeln gewickelt und scheinbar
kraftlos. Der allmächtige Gott kam in Schwäche hernieder in unsere Schwäche.
Unser natürlicher Ver-stand ist nicht imstande, die Fleisch-werdung des Sohnes
zu erfas-sen, aber der Glaube kniet nieder und betet an. Die göttliche Liebe
unerfründlich für den natürlichen Men-schen, hat uns den Sohn gesandt," der ein
wenig unter die Engel erniedrigt war, so daß er durch Gottes Gnade für alles den
Tod Schmeckte." (Hebr. 2:9)
Vier Zeugnisse über den Sohn
Gottes
Der Herr Jesus hat vier Zeugnisse erwähnt,
die Seine Herrlichkeit als Sohn Gottes bestätigen wie sie den Menschen während
Seines Aufent-haltes hienieden vorgestellt wurde. Zuerst beginnt Er mit dem
Zeugnis Johannes des Täufers. "Ihr habt zu Johannes gesandt, und er hat der
Wahrheit Zeugnis gegeben (Joh. 5,33)". Zum zweiten nimmt er bezug auf die Werke,
die Er hienieden vollbracht hat, welche Zeugnis ablegen von Seiner göttlichen
Kraft. Drittens spricht Er über das Zeugnis, das Ihm der Vater selber gegeben
hat, und zum Vierten beruft Er sich auf die Heiligen Schriften, die von Ihm
zeugen.
A. DAS ZEUGNIS JOHANNES DES
TÄUFERS
"Und ich habe gesehen und habe bezeugt,
daß dieser der Sohn Gottes ist". (Joh. 1, 19, 20, 29, 34).
Gegenüber dem festen Willen der Juden, Ihn
nicht als den Sohn Gottes anzuerkennen, beruft sich Jesus zuerst auf das Zeugnis
Jo-hannes des Täufers. Er suchte das Zeugnis des Menschen nicht für Seine eigene
Ehre, aber Er erinnert an das Wort des größten der Propheten, um die Menschen zu
überzeugen und zu retten. Johan-nes hat den Juden geantwortet, daß er nicht
selber der Christus sei, und hat danach bezeugt, daß Jesus der Sohn Gottes ist,
das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt. Und nun gibt Jesus dem
Johannes das Zeugnis und sagt: "Jener war die brennende und scheinende Lampe;
Ihr aber wolltet für eine Zeit in seinem Lichte fröhlich sein" (Joh. 5, 35).
Seit Maleachi hatte es keine Propheten mehr in Israel gegeben, das Volk freute
sich darüber, daß sich endlich Gott aufs neue durch den Mund Seines Propheten
hören ließ. Aber der besondere Gegenstand des Dienstes Jo-hannes des Täufers
war, den Messias, der unmittelbar nach ihm kom-men sollte, anzukündigen. Um also
von der Botschaft Johannes Nutzen zu haben, mußte man Jesus nicht nur als den
Messias, sondern auch als Sohn Gottes annehmen. Dennoch weigerten sich die Juden
gegenüber diesem so deutlichem Zeugnis, Ihn als solchen
anzu-erkennen.
B. DAS ZEUGNIS DER WERKE JESU
"Ich aber habe das Zeugnis, das größer ist
als das des Johannes; denn die Werke, welche der Vater mir gegebenhat, auf daß
ich sie vollbrin-ge, die Werke selbst, die ich tue, zeugen von mir, daß der
Vater mich gesandt hat" (Joh. 5, 36).
Was Jesus tat, konnte niemand anders
vollbringen; nur Gott konnte Kranke heilen, Tote auferwecken, das Wasser in Wein
verwandeln. Seine Wunder waren der Beweis, daß sich Jehova in der Mitte Seines
Volkes befand in der Person Seines Sohnes. Am Ende seines Evangeliums schreibt
Johannes, daß die Wunder und Taten, die er berichtet, dazu dienen, den Glauben
an den Sohn Gottes zu bewir-ken. In seinem Evan-gelium gibt es sieben Wunder.
Jedes dieser Wunder ist der Ausgangs-punkt zu einer Lehrrede. Aber drei dieser
Wunder zeigen uns in besonderer Weise, wie Jesus in absoluter Abhängigkeit von
Seinem Vater handelte, und im Gegensatz zu der völligen Ohnmacht des Menschen
aus Adam. Wir werden später ausführlich auf diese drei Wunder des Sohnes Gottes
zurückkom-men.
C. DER VATER LEGT ZEUGNIS AB ÜBER SEINEN
SOHN
Es gibt Geheimnisse, die kein menschliches
Wesen ergründen kann. Es gibt eine persönliche Innigkeit zwischen dem Vater und
dem Sohn, zu welcher niemand Zugang hat. Nur was die Schrift uns klar offenbart,
kann von uns schwachen Geschöpfen erkannt werden. Wir beten nich einen
"unbekannten Gott" an wie die Athener. Der Vater hat dem Sohne Zeugnis gegeben
(Joh. 5, 37) und der Sohn hat den Namen des Vaters geoffenbart (Joh. 17, 6;26).
Welch ein Reichtum von Offenbarung, wenn wir damit das spärliche Licht, das den
Heiligen des Alten Bundes gewährt wur-den vergleichen. Einige seltene Strahlen
von Gottes Herrlichkeit war an den siebenzig Aeltesten beschieden: "Und sie
sahen den Gott Israels; und unter seinen Füßen war es wie ein Werk von
Sa-phirplatten und wie der Himmel selbst an Klarheit" (2 Mose 24:10). Selbst
Mose, der das Vorrecht hatte, mit Gott zu sprechen, hat nie Sein Angesicht
gesehen, er konnte Ihn nur von hinten se-hen (2. Mose 33, 23).
Das Neue Testament offenbart die Liebe
Gottes; das Herz Gottes ist uns da geöffnet, und jeder bewundert die
gegenseitige unaus-sprechliche Liebe, die von Ewigkeit zu Ewigkeit Vater und
Sohn verbindet. Liebe, Wohlgefallen und Freude bestanden im Schoße der Gottheit
ebenso wie die Allwissenheit und die Allmacht.
Als die Königin von Scheba die königliche
Pracht und unermeßli-che Herrlichkeit des Hofes Salomos betrachtete, geriet sie
außer sich. Aber was ist Salomos Herrlichkeit, verglichen mit der Herrlichkeit
des "eingeborenen Sohnes der in des Vaters Schoß ist?" Wir hören das Zeugnis des
Vaters über Seinen Sohn. Müssen wir hier nicht "unsere Schuhe ausziehen",
niederknien und ein solch herrliches Geheimnis anbeten?
Als Jesus am Jordan von Johannes getauft
wurde, wurden die Himmel geöffnet. Der Heilige Geist Gottes stieg wie eine Taube
herab und setzte sich auf Ihn (Matth. 3, 16). Hier wird zum ersten Mal in der
Schrift die Dreieinigkeit geoffenbart: Der Vater, der Sohn und der Heilige
Geist. Dem sichtbaren Zeugnis des Geistes fügt der Vater ein hörbares Zeugnis
über Seinen Sohn bei. Die Himmel wurden geöffnet und die Stimme des Vaters
richtete sich an Seinen geliebten Sohn auf Erden. Es war eine sanfte Stimme und
voller Liebe, ganz anders als die "Stimme des Wortes auf Sinai", die die Erde
erschütterte und die Hörer erschreckte (Hebr. 12, 26). Nein, es war die Stimme
eines Vaters, Der sein unendliches Wohl-gefallen ausdrückte, indem Er sagte:
"Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe". Das war
gewiß ein größeres Zeugnis als das des Johannes, zweifellos das größte der vier
Zeugnisse. Als Gott den ersten Menschen - Adam - in der Fri-sche der ersten
schöpfung sah, fand Er ihn "sehr gut" (1 Mose 1:31). Aber im zweiten Menschen,
dem "letzten Adam", fand der Vater Sein "Wohlgefallen", oder Seine innige
Freude, wie Er sie ewig im eingeborenen Sohn in Seinem Schosse, dem "verborgenen
Ruhesitz der Liebe", gefunden hat. Der Vater hat noch ein zweites Mal ein
hörbares Zeugnis abgelegt. Auf dem Berge der Verklärung wurde Seine Stimme
abermals gehört. Die Verwerfung Christi von seiten des Volkes Israel war so
deutlich, daß der Vater die Gedanken der Jünger von den Herrlichkeiten eines
irdischen Kö-nigreiches abwenden wollte, um sie auf die Herrlichkeiten des
einge-borenen Sohnes zu lenken. Im Augenblick wo die Gründung des Reiches
Christi, wie die Jünger sie erwarteten, aufgeschoben wurde, wurden ihre Herzen
von der persönlichen Herrlichkeit des Sohnes erquickt. Der verworfene Christus,
der bald verhöhnt, ver-urteilt und gekreuzigt wer-den sollte, war der geliebte
Sohn und die Freude des Vaters. Auch in Johannes 12 gab der Vater ein hörbares
Zeugnis: "Ich habe ihn verherr-licht und will ihn abermals ver-herrlichen" (Joh.
12:28). Dies als Antwort auf das Wort Jesu: "Vater, verherrliche deinen Namen."
Welche furchtbare Verantwortung, solche klare Zeugnisse zu verleug-nen. (Joh.
5:37-38)
Das Zeugnis der
Schriften
Der große Gegenstand der Heiligen
Schriften ist der Sohn Gottes: "Sie sind es, die von mir zeugen." (Joh. 5:39)
"Dein Wort ist Wahrheit!" (Joh. 17:17) Die Behauptung, das Wort Gottes zu
be-sitzen und zu ken-nen und doch Christus als Sohn Gottes zu verwerfen, sind
zwei Dinge die nicht zusammengehen können. Niemand kann die Schriften verste-hen
der nicht zuerst die Person des Sohnes Gottes annimmt. Laßt uns einige Stellen
des Alten Tes-tamentes betrachten, in denen die Juden, wie wir, ein Zeugnis über
den Messias als den Sohn Gottes besaßen.
Während der Name "Vater" Gottes Name in
Verbindung mit der Familie der Erlösten ist, hat der Name "Jehova" Beziehung zur
Regierung Gottes über die Welt durch das Volk Israel. Im zweiten Psalm führt
David, in-dem er weissagt, das Gott den Thron des Messias auf Seinem heiligen
Berge Zion gründen will, einen Beschluß an, der zugunsten Seines Soh-nes sprach:
"Vom Beschluß will ich erzählen: Jehova hat zu mir gespro-chen: Du bist mein
Sohn, heute habe ich dich gezeugt." (Ps. 2:7) Die Mitteilungen des Alten
Testamentes geben uns nicht die völlige Offenba-rung, daß Gott Liebe ist. Gott
wird besonders als Herrscher Seines Volkes Is-raels dargestellt. Die Zeit, wo
Gott Seinen Sohn senden würde, um den Namen des Vaters auf Erden bekannt zu
machen, war noch nicht angebrochen. Aber die Propheten offenbarten Gottes
Zu-kunftspläne, die die Segnungen der Erde und die Einführung eines Reiches der
Gerechtigkeit und der Friedens betrafen. Der zukünf-tige Messias als
Weltherrscher hat verschiedene Titel, aber alle stehen in Beziehung zu Dem, der
den Namen des Sohnes trägt. Der ewige Rat-schluß, den Gott in sich selbst gefaßt
hatte war, die wirkliche Verwal-tung aller Dinge im Himmel und auf Erden
Christus anzuvertrauen. (Eph. 1:9-10) Zwar sollte in Bezug auf viele
Messianische Weissagun-gen ein Schleier auf den Alten Tes-tament bleiben, bis
Christus diesen hinwegtun würde, doch kündigte Jehova deutlich Seinen Plan an,
den Er über Seinen Sohn gefaßt hatte. Trotz allem Widerstand des Menschen war es
der feierliche Beschluß Jehovas, Seinen eigenen König in Zion zu be-rufen, um
die rebellischen Könige der Erde zu unterwerfen, und die-ser gesalbte Herrscher
ist sein Sohn. Während die aufrühreri-sche Welt sich gegen Jehova erhebt, blickt
Gott mit Wohlgefallen auf Seinen Sohn und sagt: "Du bist mein Sohn". Dieser wird
einst Gottes Ehre zurückfor-dern in der Regierung der Welt. Wir kom-men darauf
zur Bestimmung der Zeit: "Heute habe ich dich gezeugt". Das Wort wird Fleisch,
der Sohn kommt herab, von einer Jungfrau geboren, und am Kreuze, siegt Er über
alle Mächte Satans und der Menschen, darum wird er König der Könige
sein.
Drei Wunder des Sohnes
Gottes
Von den sieben Wundern, von denen das
Evangelium des Johannes berichtet sind drei besonders kennzeichnend, weil sie
die göttliche Macht des Sohnes Gottes gegenüber der Ohnmacht des natürlichen
Menschen zeigen. Im fünften Kapitel sehen wir den Kranken, der nicht imstande
ist, selbst von gewissen Mitteln Gebrauch zu ma-chen, die Gott zu seiner
Verfügung gestellt hatte, um gesund zu werden.
I. DER SOHN GOTTES HEILT DEN
KRANKEN
Jesus, der Sohn Gottes, der von dem Vater
gesand ist, ist die Antwort der Gnade auf das völlige Elend, in welches der
Mensch durch seine eigene Schuld gefallen ist. Die Evangeliumgeschichte versetzt
uns im Geiste nach dem Teich Bethesda, wo eine Menge Kranker, Blinder, Lah-mer,
Dürrer auf die Bewegung des Wassers durch einen Engel warteten, um dann einen
Versuch zu wagen, als erster in das Wasser zu steigen um geheilt zu werden.
Unter all diesen Kranken war einer, der in be-sonderer Weise den Menschen unter
dem Gesetz darstellt. Warum konnte er keinen Nutzen von dem Heilmittel erlangen?
Weil das Heilmittel von dem, der es ge-brauchen wollte, Kraft verlangte. Und das
war es was ihm fehlte. Er war kraftlos. Wir haben hier ein treffendes Bild von
dem Gesetz Mose das dem natürlichen Menschen sagt: "Tue dies, und du wirst
leben." Welches Gute kann ein Mensch tun, der unter die Sünde geknechtet ist?
Die Sünde hat ihm alle Fähigkeit, das Gute zu tun, genommen, trotz seiner besten
Vorsätze. So kann das Gesetz nie-manden vom ewigen Verderben retten. Die Kraft
des Sohnes Gottes ist nötig, um uns zu erhöhen. "Denn Christus ist, da wir noch
kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Göttlose gestorben." (Römer 5-6). Jesus
sagte zu dem Kranken: Stehe auf, nimm dein Bett auf und wandle! Und tatsächlich
wurde der Mann gesund, nahm sein Bett auf und wandelte! So ist Jesus
herabgekommen um selbst alles zu tun, was nötig ist, um Kraftlose und Verlorene
zu retten. Das Wort des Sohnes Gottes ist genügend, um die Kraft, die jedem
Sünder völlig fehlt, umsonst zu ver-leihen. Gott hat Seinen Sohn gegeben, und
jeder, der an Ihn glaubt, hat Teil an Seiner "Kraft eines unvergänglichen
Lebens." Nachdem Jesus den Kranken geheilt hatte, sagte Er: "Der Vater hat den
Sohn lieb und zeigt ihm alles was er selber tut; und er wird ihm größere Werke
als diese zeigen, auf daß ihr euch verwundert." Hier weist Er auf ein größeres
Werk hin als die Heilung vom Kranken, nämlich auf die Auferstehung der Toten.
Bald wird, durch die Auferweckung des Lazarus, einer der Toten auferweckt
werden.
II. DER SOHN GOTTES ZEIGT SICH DEN
BLINDGEBORENEN
Im neunten Kapitel finden wir das Licht,
das in die Welt gekom-men ist, aber der Mensch ist blind und kann keinen
Gebrauch da-von machen. Im elften Kapitel sehen wir das Leben in der Person
Jesu, aber der Mensch ist tot. In allen diesen Fällen ist es der Sohn Gottes,
der in Macht wirkt. Er gibt Kraft, Licht und Leben denen, die derselben mangeln,
und das ist mit jdem unbekehrten Sünder der Fall.
Nachdem der Blindgeborene, durch seine
Waschung in Siloam geheilt, sein Zeugnis für Christus als Prophet abgelegt
hatte, hatte Jesus ihn nicht aus dem Auge verloren, sondern wartete den
Augenblick ab, um sich ihm zu offenbaren als Der, dessen sein Herz bedurfte. Für
sein neues Leben hatte er einen neuen Gegen-stand der Liebe nötig, denn die
sichtbare Welt befriedigt die, die die Güte des Herrn geschmeckt haben, nicht
mehr. Der Herr will die Erkenntnis Seiner Person in den Jungbe-kehrten
vermehren. Er stellt sich ihm selbst vor als Sohn Gottes, als Gegenstand des
Glaubens, der die Welt überwindet. Alle, die von Christus zeugen, befinden sich
bald außerhalb des religiösen Lagers, und damit wir uns da doch glücklich
fühlen, offenbart sich Christus dem Herzen auf eine innigere Weise. Jesus hatte
das Herz des Blindge-borenen vorbereitet, um die große Offenbarung Seiner Person
zu emp-fan-gen. Auf der Frage: "Glaubst du an den Sohn Gottes?" antwortet er
sogleich. "Und wer ist es, Herr auf daß ich an ihn glaube?" So öff-net Jesus ihm
die geistlichen Augen "die Augen seines Herzens", damit er die Herrlichkeit des
Sohnes Gottes anschaue, und so wird der Herr der Gegenstand der Anbetung für
sein erneuertes Herz. Die Herrlichkeiten und Vollkommenheiten seiner göttlichen
Person erfüllen das Herz des Glaubigen, mit dem Ergebnis, daß alles, was von der
Welt und nicht von Christus ist, ausgeschlossen wird. Als Jesus zu dem
Blindgeborenen sagt: "Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist es",
da erkennt er Ihn sogleich: "ich glaube Herr", und er betet Ihn an.
Der Herr, der das Licht der Welt ist, hat
die Pharisäer, die vorga-ben, sehend zu sein, auf die Probe gestellt. Als Sohn
Gottes in Kraft gab Er Gesicht denen, die nicht sahen und die erkannten, daß sie
blind waren. Die Antwort des Blindgeborenen ist charakteristisch für jemanden,
der göttliches Leben empfangen hat. Der Glaube erkennt von selbst, daß der Sohn
Gottes ein Recht auf unsere höchsten Beweise von Ehrfurcht hat. Ein Kind Gottes
ist notwendig ein Anbeter.
III. DER SOHN GOTTES ERWECKT LAZARUS
AUF
"Als aber Jesus es hörte, sprach er: Diese
Krankheit ist nicht zum Tode, sondern um der Herrlichkeit Gottes willen, auf daß
der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde." (Joh. 11,4.) Der große Gegenstand
des elften Kapitels im Johannesevangelium ist Jesus, der Sohn Gottes, die
Auferstehung und das Leben, der die Macht hat, Toten das Leben
wie-derzugeben.
Man kann sich darüber verwundern, daß
Jesus, als er von der Krankheit seines Freundes Lazarus hörte, nicht sogleich
nach Bethanien gegangen ist, um ihn zu heilen. Aber die Gedanken des Herrn sind
nicht die unsri-gen. In den Umständen, welche die Fa-milie des Lazarus
durchlebte, war es nicht der Wille Gottes, das Sterben des lazarus zu
verhindern. Ein größeres Werk als eine Heilung müßte vollbracht werden, um die
Herrlichkeit Gottes durch die Auferweckung des Lazarus zu offenbaren und damit
der Sohn Gottes dadurch verherrlicht würde. In der Tat, welch eine Herrlichkeit
umstrahlt dort am Grabe den Sohn Gottes, der von den Menschen verachtet und
gehaßt war, als, auf Seinen Ruf hin, das Leben über den Tod triumphierte! Wie
konnte dieser seelenlose Leichnam, der teilweise schon in Verwesung übergegangen
war, wieder leben? Kann nun der Mensch wiederum leben, nachdem er zum Staube
zurückgekehrt ist? Er selbst, Gott, der Schöpfer, hat den Menschen auf die Erde
gesetzt um glücklich zu leben und zu wirken; aber nachdem die Sünde in die Welt
gekommen ist und durch die Sünde der Tod, sieht der Mensch sich schutzlos den
Schrecken des Todes ausgesetzt. In die Mitte dieses Zustanden ist Jesus, der
Sohn Gottes, herabgestiegen, um den Menschen aus der Macht des Todes zu erlösen.
Er ist selbst in den Tod gegangen, um dort als Siegerer zu erscheinen, damit
durch den Glauben alle die Seinen an diesem Siege teilnehmen sollen. Die
über-windende Macht des Lebens ist in Jesus, dem Sohne Gottes, in diese Welt
gekommen und hat den Tod besiegt, um jedem, der da glaubt, ewi-ges Leben zu
schenken.
Die Herrlichkeit des Sohnes Gottes war
verborgen
Die Knechtsgestalt, die der Herr Jesus
freiwillig angenomen hat, verbarg vor dem natürlichen Menschen die Herrlichkeit
des Soh-nes Gottes. Hinter dem Vorhang der Erniedrigung des Zimmer-mannssohnes
verbarg sich die Herrlichkeit des eingeborenen Sohnes Gottes. Der Glaube nam
diese Herrlichkeit wahr. Wie dick dieser Vorhang auch war, der Seine
Herrlichkeit bedeckte, so war für den Glauben Seine Gottheit doch stets
sichtbar. Als die Steuereinnehmer die Tempelsteuer, die Doppeldrach-me,
forderten, bezahlte der Herr dieselbe für sich und Petrus. Aber Er befahl einem
Fisch des Meeres, Ihm genau das Geldstück zu bringen, das Er nötig hatte, und
gab es dann den Steuereinnehmern (Matth. 17). Doch Er sagte zu Petrus, daß
eigentlich die Söhne von der bezahlung befreit waren. Er, der Sohn Gottes,
brauchte nicht für Gottes Tempel zu bezahlen. Aber Er läßt es zu, daß man Ihn zu
den gewöhnlichen Men-schen rechnet, und bezahlt die Steuer. Die "Knechtsgestalt"
unterwirft sich der menschlichen Obrigkeit, aber die "Gestalt Gottes", verdeckt
durch den Vorhang, offenbarte sich, als der Fisch des Meeres pünktlich der
Stimme seines allmächtigen Schöpfers gehorchte. Wieviele Male waren nicht auf
Seine unwi-derstehliche Stimme hin große Mengen von Fischen in die Netze seiner
Jünger gesammelt worden? War dies nicht die ganze Herrlichkeit des unsichtbaren
Gottes, der herabgekommen war in Gestalt des erniedrigten Nazareners? Und obwohl
Er Gott, der allein Unsterblichkeit hat, gleich war, schützte Er einige Male
Sein Le-ben. Als die Leute von Nazareth ihn von dem Rand des Berges
hinab-stürzen wollten, ging Jesus "durch ihre Mitte hindurchge-hend, hinweg",
denn die Stunde Seines Todes war noch nicht gekommen. (Luk. 4,30)
Die Erkenntnis des Sohnes
Gottes
Der Ausgangspunkt und Zweck alles
christlichen Lebens, das Ge-heimnis aller Kraft, allen Überwindens und
Ausharrens ist die Er-kenntnis des Sohnes Gottes. Das Maß unserer Geistlichkeit
steht genau im Verhältnis zu unserer persönlichen Erkenntnis des Herrn, die aus
unserer Ge-meinschaft mit Ihm entspringt. Wir sind für ewig errettet, seit
unsere Herzen sich für die Erkenntnis des Vaters und des Sohnes geöffnet ha-ben,
und seit dem bringt eine wachsende Erkenntnis auch eine |